Schicksal von Zehntausenden ungewiss

Zyklon "Pam": Erste Hilfen treffen in Vanuatu ein

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Zerstörte Segelboote liegen am 14.03.2015 in einem Hafen auf dem Inselstaat Vanuatu im Südpazifik

Port Vila - Zyklon „Pam“ reißt in Vanuatu Boote, Häuser, Bäume, Dächer davon. Das Schicksal Zehntausender ist ungewiss. Deutsches Engagement könnte jetzt beim Überleben helfen.

Nach dem verheerenden Zyklon "Pam" in den Pazifikstaaten Vanuatu und Tuvalu sind am Sonntag erste Hilfslieferungen eingetroffen. Flugzeuge der australischen Luftwaffe brachten Lebensmittel, Zelte und Medikamente, Neuseeland lieferte Kettensägen, Generatoren und Trinkwasser. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef begann mit ersten Nothilfe-Maßnahmen. Das ganze Ausmaß der Verwüstung war wegen des Zusammenbruchs des Kommunikationsnetzes noch immer nicht klar.

Die Regierungen der Inselstaaten riefen am Sonntag den Notstand aus und baten die internationale Gemeinschaft dringend um Hilfe. In Vanuatu kamen möglicherweise dutzende Menschen in dem Sturm der höchsten Kategorie fünf ums Leben. Hilfsorganisationen sprachen von einer der schlimmsten Unwetterkatastrophen im Pazifik.

In der Hauptstadt Vanuatus, Port Vila, wurden nach Angaben der Hilfsorganisation Oxfam bis zu 90 Prozent der Häuser beschädigt. Nach offiziellen Angaben wurden bis Sonntag sechs Tote geborgen. Doch das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha) ging Berichten über mindestens 44 Tote in nur einer Provinz nach.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef Neuseeland warnte, "Pam" könne eine der "schlimmsten Unwetterkatastrophen in der pazifischen Geschichte" sein. Es sei zu befürchten, dass tausende Menschen betroffen seien. Laut Unicef Deutschland ist die Hälfte der Einwohner Vanuatus von den Sturmfolgen betroffen, darunter mindestens 54.000 Kinder. Oxfam-Direktor Colin Collet van Rooyen erklärte, der Bedarf an humanitärer Hilfe werde "riesig" sein, ganze Gemeinden seien regelrecht "weggeblasen" worden.

Der Zyklon hatte Vanuatu in der Nacht zum Samstag mit voller Wucht getroffen, Sturmböen erreichten Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 320 Stundenkilometern. "Wir haben Tote gesehen, möglicherweise gibt es viele Tote, aber das können wir noch nicht sagen", erklärte UN-Büroleiter Sune Gudnitz.

Rotkreuz-Regionalchefin Aurelia Balpe berichtete von unbestätigten Angaben über Opfer in Port Vila. Größere Sorgen bereiteten allerdings die entlegeneren Inseln weiter südlich, wo das Kommunikationsnetz zusammenbrach. Ein Pilot, der am Sonntag über die südliche Insel Tanna mit 34.000 Einwohnern hinweggeflogen sei, habe berichtet, dass alle Wellblechhütten im Westen der Insel zerstört und alle Häuser aus Beton ohne Dach seien. Zudem gebe es Berichte über zwei Tote.

Save the Children in Port Vila berichtete von "völliger Zerstörung - Häuser sind zerstört, Bäume entwurzelt, Straßen blockiert und Menschen irren auf den Straßen umher auf der Suche nach Hilfe". Care International berichtete von überschwemmten Notunterkünften.

Laut australischem Wetterdienst änderte "Pam" in letzter Minute die Richtung und zog näher an Port Vila vorbei als vorhergesagt. Auf der Hauptinsel leben rund 65.000 Menschen des insgesamt 275.000 Einwohner zählenden Inselstaats. Papst Franziskus sprach den Betroffenen sein Mitgefühl aus. "Ich bete für die Toten, die Verletzten und die Obdachlosen", erklärte er.

Am Sonntag gab es erste Berichte über Plünderungen. Ein australischer Cafébesitzer in Vanuatu berichtete, Häuser und Boote seien geplündert worden. Laut Polizei wurden bei Einbruch der Dunkelheit Teile der Hauptstadt abgeriegelt, um Plünderungen zu verhindern.

Vanuatus Präsident Baldwin Londsdale bat bei einer UN-Konferenz zum Umgang mit Naturkatastrophen und Klimawandel im japanischen Sendai am Samstag um internationale Hilfe. "Ein Monster hat unser Land zerstört", sagte der Präsident mit brüchiger Stimme.

Die EU stellte eine Million Euro bereit, weitere Millionenspenden kamen von Großbritannien und Australien, das auch Hilfsteams ins benachbarte Tuvalu schickte. Dort seien 45 Prozent der 11.000 Einwohner obdachlos, sagte Regierungschef Enele Sopoaga dem neuseeländischen Rundfunk.

Weltbank-Vizedirektorin Rachel Kyte warnte, die Politik begreife offenbar nicht die Dringlichkeit, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Während der wärmeren Monate kommt es im Pazifik immer wieder zu Wirbelstürmen. Vor einem Jahr hatte der Zyklon "Lusi" auf Vanuatu schwere Schäden angerichtet, elf Menschen kamen ums Leben.

Hilfe für Vanuatu nach Zyklon "Pam" unterwegs

Hilfe für Vanuatu nach Zyklon "Pam" unterwegs

AFP/dpa

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