Streit um Entschädigungszahlungen

Trauerfeier für Germanwings-Opfer ohne Lufthansa-Chef

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Ein Angehöriger eines der Opfer der Germanwings-Katastrophe trauert am Absturzort.

Le Vernet - Letzter Abschied von den Opfern von Flug 4U9525: Mehr als 300 Angehörige kommen zu einer Trauerfeier in die Nähe des Absturzortes. Lufthansa-Chef Spohr wird jedoch nicht teilnehmen.

Angehörige der Opfer der Germanwings-Katastrophe sind zu einer Gedenkfeier in den französischen Alpen eingetroffen. Die ersten Busse mit Hinterbliebenen erreichten am frühen Freitagnachmittag den kleinen Ort Le Vernet in der Nähe der Absturzstelle. Dort sollte am Nachmittag eine religionsübergreifende Trauerfeier stattfinden, im Anschluss ist eine Andacht auf dem Friedhof des Bergdorfs geplant. Dort war zuvor ein Gemeinschaftsgrab mit sterblichen Überresten angelegt worden, die nicht mehr einzelnen Opfern zugeordnet werden konnten.

„Das ist ein sehr starker Moment“, sagte Präfektin Patricia Willaert. "Die Beerdigung fand in der Nacht auf dem Friedhof von Le Vernet statt, in aller Diskretion", sagte der Bürgermeister der Nachbargemeinde Prads-Haute-Bléone, Bernard Bartolini. Beigesetzt wurden die sterblichen Überreste in mehreren Urnen.

Der Airbus war am 24. März auf seinem Flug von Barcelona nach Düsseldorf in das Bergmassiv gerast. Nach Überzeugung der Ermittler hatte der Copilot die Maschine absichtlich auf Crashkurs gelenkt und 149 Menschen mit in den Tod gerissen.

Die Trauerfeier findet an der Gedenkstele statt, die kurz nach dem Absturz aufgestellt worden war. Außerdem ist eine Andacht auf dem Friedhof der Gemeinde vorgesehen.

Nach Angaben der Germanwings-Mutter Lufthansa haben sich mehr als 300 Angehörige und Begleiter angemeldet. Der Konzern organisiert den Transport der Hinterbliebenen zur Absturzstelle und hatte dafür unter anderem zwei Sonderflüge von Düsseldorf und Barcelona am Freitagmorgen geplant. Auch der Beauftragte der Bundesregierung für die Angehörigen, Steffen Rudolph, reist zu der Zeremonie. Veranstalter ist die Präfektur von Digne-les-Bains.

Lufthansa-Chef Spohr reist nicht zu Germanwings-Trauerfeier

Wegen des Streits um Entschädigungszahlungen nach dem Germanwings-Absturz wird Lufthansa-Chef Carsten Spohr nicht zur Trauerfeier in den französischen Alpen reisen. In einem diese Woche veröffentlichten Brief attackierten Angehörige Spohr mit scharfen Worten. Sie kritisierten das Entschädigungsangebot der Fluggesellschaft als zu niedrig und warfen dem Spitzenmanager vor, nicht mit ihnen persönlich gesprochen zu haben. Wegen der "angespannten Atmosphäre", die durch den Brief entstanden sei, werde Spohr die Gedenkfeier nicht besuchen, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Es gehe Spohr darum, "die würdevolle Zeremonie" nicht zu belasten.

An der Trauerfeier in der nahe der Absturzstelle gelegenen Alpengemeinde Le Vernet würden aber Germanwings-Geschäftsführer Thomas Winkelmann und Lufthansa-Finanzvorstand Simone Menne teilnehmen, sagte der Lufthansa-Sprecher weiter.

Säuberungsarbeiten im Herbst beendet

Die Feier ist auch ein letzter Abschied von den Toten. Nach der Katastrophe konnte die französische Gendarmerie nur einen Teil der gefundenen sterblichen Überreste konkret einzelnen Opfern zuordnen. Deshalb hat man sich zu der anonymen Beisetzung der nicht identifizierten Teile entschieden. Die identifizierten Überreste sind inzwischen nach Angaben Rudolphs mit einer einzigen Ausnahme zurück in ihre Heimat gebracht worden.

An der Absturzstelle selbst sind inzwischen die Vorbereitungen für die Säuberung von Öl und Kerosin abgeschlossen. Nach Angaben eines Lufthansa-Sprechers wurde das Gebiet aufwendig kartographiert, ab kommender Woche soll dann das verschmutzte Erdreich abgetragen werden. "Die Arbeiten sollen bis Herbst abgeschlossen sein."

dpa/Afp

Zwischenbericht der Untersuchungsbehörde Bea

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