Klinik-Personal fordert Aufklärung

Sorge in EU wegen Ebola wächst

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Mitarbeiter des La Paz Hospital ihn Madrid protestierten am Dienstag vor der Klinik gegen Mängel bei dem Training, das die Beschäftigten in der Gesundheitsvorsorge gegen die Ansteckung mit Ebola schützen soll.

Madrid - Nach dem ersten Ebola-Ansteckungsfall in Europa wächst die Angst vor einer Ausbreitung der Seuche: In Madrid wurden am Dienstag drei weitere Menschen zur Beobachtung in eine Klinik eingewiesen.

Am Montag war bekannt geworden, dass eine Krankenschwester aus dem Krankenhaus, in dem zuvor zwei Patienten an Ebola gestorben waren, sich mit dem hoch ansteckenden Virus infiziert hat. Die EU-Kommission forderte Spanien zur Aufklärung des Falls auf.

Es gebe neben der infizierten Krankenschwester drei weitere "Verdachtsfälle", unter ihnen der Ehemann der 40-Jährige, sagten Vertreter der spanischen Gesundheitsbehörden. Bei den anderen Fällen handele es sich um eine zweite Krankenschwester und einen kürzlich aus dem Ausland nach Spanien zurückgekehrten Mann.

Alle drei Fälle wurden bislang jedoch nicht positiv getestet, wie der Chef der Inneren Medizin der Klinik Carlos III., Francisco Arnalich, sagte. Der Ehemann werde als "hoch gefährdet" eingestuft. Bei der infizierten Krankenschwester waren den Behörden zufolge zwei Tests "positiv" ausgefallen. Es ist der erste Ansteckungsfall außerhalb von Afrika.

Ebola-Opfer hatte erkrankte Missionare gepflegt 

Die Frau arbeitete in der Klinik Carlos III., in der im August und September zwei spanische Missionare nach ihrer Rückkehr aus Westafrika an Ebola gestorben waren. Die spanische Direktorin für öffentliche Gesundheit, Mercedes Vinuesa, sagte auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz am Montagabend, die Frau habe die beiden Missionare gepflegt. Gesundheitsministerin Ana Mato sagte, derzeit werde geprüft, ob während der Behandlung der beiden Priester sämtliche Vorschriften eingehalten wurden.

Die infizierte Frau war den Angaben der zuständigen Klinikvertreter zufolge zweimal im Zimmer des später verstorbenen Missionars García Viejo, einmal zur Behandlung und einmal zum Säubern des Zimmers auf der Isolierstation. Sie habe sich am 30. September erstmals krank gefühlt, sei aber bis zum darauf folgenden Sonntag nicht zum Arzt gegangen, sagten Behördenvertreter. Fünf Tage später habe sie über Fieber geklagt.

"Die Leute sind total verängstigt"

Eine Kardiologin der Klinik sagte AFP, die "Leute sind total verängstigt". "Wir können nicht verstehen, wie jemand, der einen doppelten Schutzanzug und zwei Paar Handschuhe trug, sich anstecken konnte." Die Ärztin stellte in Frage, ob Spanien überhaupt in der Lage sei, mit dem Ebola-Virus umzugehen. Bereits bei der Rückholung der beiden Missionare war Kritik in Spanien laut geworden, dass die spanischen Kliniken nicht für Ebola-Fälle ausgerüstet seien. Gesundheitsministerin Mato betonte jedoch, dass Spanien die Forderungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) "befolgt".

Die EU-Kommission forderte Spaniens Gesundheitsministerin auf, für "Aufklärung" des ersten Ansteckungsfalls in Europa zu sorgen, wie ein Kommissionssprecher am Dienstag sagte. Es sei "offensichtlich, dass es irgendwo ein Problem gibt."

US-Präsident Barack Obama versuchte unterdessen seine Landsleute zu beruhigen. Das Risiko einer Epidemie in den USA sei "außerordentlich gering", sagte Obama am Montag in Washington. Er rief die internationale Gemeinschaft auf, sich stärker gegen Ebola in Westafrika einzubringen.

Vergangene Woche war in den USA erstmals ein Ebola-Fall festgestellt worden. Der Patient hatte sich in seiner Heimat Liberia infiziert. Der Erreger wurde aber erst diagnostiziert, nachdem der Mann zu einem Familienbesuch nach Texas gereist war. Nach einer Ansteckung vergehen bis zu 21 Tage, bis erste Zeichen der Krankheit wie Fieber und Übelkeit auftreten.

An dem Ebola-Erreger, der über Körperflüssigkeiten übertragen wird, sind in Westafrika bereits mehr als 3400 Menschen gestorben. Neben Liberia sind Sierra Leone und Guinea von der Epidemie besonders betroffen.

Eine infizierte norwegische Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen (MSF) wurde in der Nacht zum Dienstag nach Oslo geflogen.

AFP

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