Europaweit

Millionen Menschen von Sonnenfinsternis begeistert

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Der Kleinsatellit Proba-2 hielt das Ereignis der Sonnenfinsternis fest und machte dieses Bild davon.

Berlin - Ob Astronaut Alexander Gerst oder das holländische Königspaar: Die Sonnenfinsternis fesselte viele Menschen in Europa. Dunkel wie in der Nacht wurde es jedoch nur in einem schmalen Streifen im Nordatlantik.

Von Hamburg bis zur Zugspitze: Bei zumeist bestem Wetter haben Millionen von Menschen in Deutschland am Freitagvormittag die Sonnenfinsternis verfolgt. Viele beobachteten durch gerade noch erhaschte „Sofi“-Brillen, wie der Mond sich langsam vor die Sonne schob. Andere drängten sich in Sternwarten. Das Stromnetz überstand die Verdunkelung der Sonne unbeschadet.

An der Berliner Archenhold-Sternwarte bildete sich schon vor dem Himmelsschauspiel eine lange Schlange. Auch in Baden-Württemberg freuten sich Menschen über die „angeknabberte“ Sonne: „Wir sehen die Sonnenfinsternis jetzt schon volle Kanne“, berichtete der Astronom Hans-Ulrich Keller gegen 10.00 Uhr aus der Sternwarte Welzheim. Das Maximum der Sonnenfinsternis war in Deutschland je nach Ort kurz nach 10.30 Uhr. Dann wurde es vielerorts etwas düster.

Astronaut Alexander Gerst betrachtete mit Schülern vom Berliner Technikmuseum aus die „Sofi“, wo gerade Sieger im Ideenwettbewerb „Beschützer der Erde“ geehrt wurden. In der Volkssternwarte Hannover verfolgten rund 200 Menschen das Schauspiel, vor den vier Teleskopen bildeten sich lange Warteschlangen. Die Sternwarte hatte sogar noch rund 50 der vielfach ausverkauften „Sofi“-Brillen im Angebot. Einige Schaulustige hatten sich aus Kartons ihren Schutz selbst gebastelt.

Beim Volkswagen-Konzern gab es keine Extrawurst für die Arbeiter. Die Frühschicht habe aber in der Regel gegen 10.00 Uhr Pause, sagte ein Konzernsprecher. Damit hätten auch die Kollegen vom Fließband eine Chance gehabt, das Spektakel sehen. Ebenso verfuhr der Daimler-Konzern in Stuttgart. Selbst die Funktionäre des Fußball-Weltverbandes FIFA nutzten eine Sitzungspause in Zürich, um das Naturschauspiel zu verfolgen.

Der niederländische König Willem-Alexander und seine Frau Máxima hatten bei ihrem Besuch in Hamburg Glück, denn der Nebelschleier in der Stadt riss gelegentlich auf. So konnten auch sie einen Blick auf das Himmelsschauspiel werfen. Auf Sylt, wo der Mond die Sonne mit 83 Prozent am stärksten in Deutschland bedeckte, war es wie in vielen anderen Teilen Schleswig-Holsteins dagegen dicht bewölkt.

Im Nordwesten Niedersachsens, an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern und in Nordrhein-Westfalen hatten die Menschen ebenfalls kaum Sicht auf die Sonne. In NRW gingen einige Himmelsgucker daher etwa auf den Kahlen Asten - mit 842 Meter den zweithöchsten Berg des Bundeslandes - und wurden mit einem guten Blick belohnt. Auch auf der Zugspitze war bestes „Sofi“-Wetter. In London und in weiten Teilen Frankreichs gab es lange Gesichter: Schlechtes Wetter vermieste den Blick auf das Naturphänomen.

Je nach Standort in Deutschland verdeckte der Mond maximal 66 bis 83 Prozent der Sonnenscheibe. Ganz dunkel wurde es dort somit nicht. Nur in einem schmalen Streifen auf dem Nordatlantik verfinsterte sich die Sonne komplett. Darin liegen die Färöer-Inseln und Spitzbergen. Eine Wolkendecke hatte auf den Färöern jedoch im entscheidenden Augenblick die Sicht auf die totale Sonnenfinsternis versperrt. Kurz danach klarte es auf. Enttäuscht waren die meisten der angereisten Touristen dennoch nicht. „Es ist schon ein seltener Anblick und beeindruckend zu sehen, wie das Tageslicht innerhalb weniger Minuten ausgeht und wieder angeht“, sagte Christoph Hennigfeld aus Düsseldorf.

Das deutsche Stromnetz bestand den Stresstest „Sofi“ nach Angaben der Betreiber mit Bravour. Bundesweit habe es keine Engpässe oder Stromausfälle gegeben, berichteten die vier Betreiber. „Uns fällt ein großer Stein vom Herzen. Alles lief wunderbar“, sagte der Geschäftsführer Systembetrieb bei 50Hertz, Dirk Biermann, in Neuenhagen bei Berlin. Nach der maximalen Abdeckung der Sonne durch den Mond mussten die Netze innerhalb kurzer Zeit einen gewaltigen Solarstrom-Anstieg verkraften: von unter 7000 auf knapp über 20 000 Megawatt. Die Leitungen hielten. „Das ist ein gutes Signal für die Energiewende“, meinte Biermann. Zur Sicherheit hatten die Betreiber Reservestrom gekauft und einen Teil genutzt. Das kostete etwa 3,5 Millionen Euro - eine überschaubare Summe, da es pro Jahr weit über 20 Milliarden Euro an Förderung für die erneuerbaren Energien gibt.

Wer die Sonnenfinsternis verpasst hat muss lange warten: Erst am 25. Oktober 2022 ist eine partielle Sonnenfinsternis von Deutschland aus zu sehen. Die nächste totale Sonnenfinsternis gibt es über Europa 2026 - und in Deutschland erst 2081.

dpa

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