Darum heißt kein Kind "Belmondo"

Neue Erhebung: Die seltsamsten Vornamen

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Kindergärten können sich auf besonders viele Kinder namens Hanna und Louis einstellen.

Wiesbaden -„Frea, komm runter! Teddox, lass das!“ - so kann es bald auf deutschen Spielplätzen tönen. Die Vornamensmode ändert sich nur allmählich. Doch bei den exotischen Namen gibt es jedes Jahr Zuwachs.

Kindergärten können sich auf besonders viele Kinder namens Hanna und Louis einstellen. Eltern wählten Hanna/Hannah und Louis/Luis 2014 nach Angaben der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am häufigsten als erste Vornamen. Sie lösten Mia und Ben als Spitzenreiter ab.

Was die Häufigkeit anbetrifft, liegen seit Jahren dieselben Namen vorn: Es sind Sofie/Sophie, Marie und Sofia/Sophia bei den Mädchen, Maximilian, Alexander und Paul bei den Jungen. „Sie werden sehr gern als Zweitnamen vergeben“, erläuterte GfdS-Geschäftsführerin Andrea-Ewa Evels am Mittwoch. Statistisch gesehen bekommt jedes Kind in Deutschland 1,45 Vornamen.

Das sind die am häufigsten vergebenen Vornamen (Erste und weitere Vornamen zusammenzählt)

Mädchen 

1. Sophie/Sofie (1)

2. Marie (2)

3. Sophia/Sofia (3)

4. Maria (4)

5. Emma (6)

6. Mia (5)

7. Hannah/Hanna (7)

8. Emilia (9)

9. Anna (8)

10. Johanna (10)

Jungen 

1. Maximilian (1)

2. Alexander (2)

3. Paul (3)

4. Elias (7)

5. Luis/Louis(6)

6. Luca/Luka (4)

7. Ben (5)

8. Leon (8)

9. Lukas/Lucas (9)

10. Noah (10)

In der nur langsam wechselnden Namensmode zeigen sich die Veränderungen am ehesten bei den Erstnamen. 2014 sieht die GfdS tendenziell Hanna/Hannah vor, die von Platz drei auf Platz eins vorrückte und Mia und Emma verdrängte. Louis/Luis machte einen Sprung von sechs auf eins, gefolgt von Leon, Maximilian, Ben und Paul. Der Hobbyforscher Knut Bielefeld aus Ahrensburg bei Hamburg sieht für das vergangene Jahr Emma und Mia sowie Ben und Luis vorn. Er stützt sich nach eigenen Angaben auf gut ein Viertel des Geburtsjahrgangs 2014.

Das sind die beliebtesten Erstnamen:

Mädchen 

1. Hanna/Hannah (2013: Platz 3)

2. Mia (1)

3. Emma (2)

4. Sophia (5)

5. Emilia (4)

Jungen

1. Luis/Louis (5)

2. Leon (6)

3. Maximilian (11)

4. Ben (1)

5. Paul (2)

Bei den Jungennamen stießen die GfdS-Forscher auf regional unterschiedliche Vorlieben. Maximilian lag im Süden und Westen Deutschlands vorn, im Norden war es Luca/Luka, im Osten Paul. Bei den Mädchen stand überall Sofie/Sophie an der Spitze. Vielleicht sei der Name L(o)uis so beliebt, "weil er mit l anfängt und so weich klingt“, mutmaßt GfdS-Vornamensberaterin Frauke Rüdebusch. 

Royaler Glanz darf sein

Heute heißen die kleinen Mädchen in Berlin und den neuen Ländern sehr oft genauso wie die Frauen und Schwestern der preußischen Herrscher? Die Namen Luise, Sophie oder Charlotte finden sich alle unter den ersten zehn. Ein klarer Charlotten-Graben trennt den Norden und Osten vom Rest der Republik. Bei den Jungen steht der preußische Herrschername Wilhelm bundesweit nur auf Platz 111. Wenn es ein royaler Name sein darf, dann eher ein Henri (17), Philipp (19) oder Georg (79).

Bei der größten jährlichen Erhebung von Vornamen in Deutschland stützen sich die Sprachforscher in Wiesbaden diesmal auf Daten von 650 Standesämtern. Erfasst wurden nach GfdS-Berechnung mehr als 600.000 Kinder - etwa neun von zehn Geburten des Jahres 2014. Fast 900.000 Namen wurden ausgewertet, es waren 56.000 verschiedene.

Skurrile Vornamen: Excel ist okay, Belmondo nicht

Bei Vornamen geht in Deutschland mittlerweile viel, aber bei weitem nicht alles. Zu den neuen Namen des Jahrgangs zählten auch Tjore, Mynte und Adiga, Chudomir, Kedesch und Bennur sowie Cait, Kellyn, Adiga, Daileen, Malata, Jonne.

Erstmals registrierten die Standesämter Namen wie Frea, Famous oder Fynnyu, aber auch Sammilian, Excel, Hrafn, Silence, Memphis, Vegas, Shakur oder Teddox.

Arriach, Belmondo, Bambel, Hook, Smoky, Mumford, Illumi oder Stoitsov - diese Namen wünschten sich Eltern 2014 für ihre Kinder, doch die Standesämter lehnten die Eintragung ab. Nachnamen wie Belmondo können nicht als Vornamen vergeben werden. Gleiches gilt für Alltagsworte (Blitz, Holunder), Städtenamen (Celle), Vatersnamen (Jürgenson) oder Militärtitel (Shogun).

Bei Jonesen, Mischel und Theiler wich die Schreibweise zu stark von der gebräuchlichen Namensform ab. Die Vornamen sollen möglichst das Geschlecht des Kindes erkennen lassen. Deshalb ging der Jungenname Ward für ein Mädchen oder Mandy für einen Jungen nicht durch.

Mohammed auf Platz 45

Der Name Mohammed ist über die Jahre immer um ein, zwei Positionen vorgerückt, hat GfdS-Geschäftsführerin Andrea-Eva Ewels beobachtet. Aktuell steht er auf Platz 45 der häufigsten Jungennamen in Deutschland, Ali auf 72, Yusuf auf 132, Emir auf 133. Bei den Mädchen kommt Mira (arabisch: glänzender Stern) auf Platz 49, Leila auf 75, Elif auf 78.

In muslimischen Familien würden die Namen oft noch traditionell vergeben, sagt der türkisch-stämmige hessische CDU-Politiker Ismail Tipi. „Der erstgeborene Sohn wird nach dem Vater des Vaters genannt, die erstgeborene Tochter nach der Mutter des Vaters.“ Bei den zweiten Kindern sind dann die Großeltern mütterlicherseits an der Reihe. Tipi beobachtet zwei gegenläufige Trends: Eine freiere Namenswahl in modern lebenden muslimischen Familien; eine Rückkehr zu den religiösen Namen, wenn die Familien in Deutschland ihren Glauben betonen wollen.

dpa

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