Roskilde-Festival kämpft mit Stones um Fans

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Die Rolling Stones sind eines der Highlights beim Roskilde-Festival in Dänemark.

Roskilde  - Andere sind billiger, sauberer, näher: Das legendäre dänische Roskilde-Festival ist für Deutsche kaum noch sexy. Das wollen die Dänen ändern. Dieses Jahr lockten sie mit den Stones. Mit Erfolg?

Die berühmte Orange Stage, Symbol des dänischen Roskilde-Festivals, wurde einst eigens für die Rolling Stones designt. Unter dem leuchtenden Zeltdach gingen die Rocker 1976 in Großbritannien auf Tour - und überließen das riesige Halbrund dann dem legendären Festival. Jahrzehnte später strömten Zehntausende vor die renovierte Orange Stage, um die Rolling Stones dort noch einmal zu sehen. Während Mick Jagger fast zweieinhalb Stunden lang ekstatisch über die Bühne zuckte, tanzten in der Masse Rentner wie Jungs mit Zahnspange - und konnten von „Jumping Jack Flash“ bis „(I Can't Get No) Satisfaction“ alles mitsingen.

Mit dem Stones-Coup wollten die Veranstalter ein Stück Rockgeschichte wieder aufleben lassen. „Sie wollten sie immer zurück auf dieser Bühne haben“, sagt der Musikredakteur Lars Rix von der dänischen Zeitung „Berlingske“. Sie wollten dem Festival damit wohl aber auch neues Leben einhauchen. Während früher Scharen ausländischer Besucher nach Roskilde pilgerten, bestimmen heute dänische Teenager das Bild - zur Schmach der Organisatoren. Seinen legendären Ruf will Dänemarks Woodstock endlich wieder in Ticketverkäufe im Ausland verwandeln.

„Wir wollen ein internationales Festival sein, und in Denkweise, Zugang und Inhalt sind wir das“, sagt Roskilde-Sprecherin Christina Bilde. „Aber wir wollen auch einen Einblick in andere Kulturen schaffen, und der ist stärker, wenn man Leute trifft, die nicht aus dem gleichen Ententeich stammen wie man selbst.“

Nicht einmal jeder sechste Festivalgänger reist aus dem Ausland nach Roskilde. Das internationale Publikum besteht vor allem aus den Nachbarn - Schweden und Deutschen -, auch Norweger und Amerikaner bejubelten die Rolling Stones am Donnerstag.

Unter den vielen Musikstars der Gegenwart sind die Rock-Opis eben doch noch etwas Besonders - allerdings nicht nur in Dänemark zu sehen. Kurz zuvor standen Mick Jagger und Co. schon in Schweden auf der Bühne, im Juni gaben sie zwei Deutschland-Konzerte. Was die Festival-Szene angeht, wächst die Konkurrenz für das Roskilde seit Jahren spürbar: „Es gibt immer mehr Festivals in Europa, also wollen viele junge Leute eines haben, das näher an ihrem Wohnort liegt“, spekuliert Bilde über die ausbleibenden Besucher aus dem Ausland.

„Es ist mir zu teuer, so weit für ein Festival zu fahren, gerade, weil es hier genug Alternativen gibt“, bestätigt die 34-jährige Ewelina aus Hamburg. Für die Festivalfans Christian (30) und Steffi (27) ist es die Kombination aus langer Anreise, teuren Tickets und ähnlichen Bands bei anderen Festivals, die gegen das dänische Event spricht. Wer trotzdem kam, war am ersten großen Festivaltag am Donnerstag begeistert. „Fett, richtig geil war das“, so das Urteil einiger junger Besucher nach stundenlanger Rockshow der Stones.

Tickets für das komplette Festival kosten mit 256 Euro rund hundert Euro mehr als etwa das deutsche Hurricane. Und doch waren die Dauerkarten für das Roskilde 2014 zwei Wochen vor Start ausverkauft. Der Mythos lebt, meint Rix: „Jeder Junge und jedes Mädchen in Dänemark will einmal im Leben zum Roskilde kommen“. Seine Trümpfe: „die spektakuläre Geschichte“ und „epische Momente“ mit den ganz Großen wie Bob Marley, den Red Hot Chili Pepers, U2, Bob Dylan.

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An dem schnellen Ausverkauf in diesem Jahr sind die Rolling Stones sicher auch nicht ganz unschuldig: „Das hier ist eins der besten Line-Ups seit Jahren“, urteilt Rix. Neben den Stones stehen etwa Stevie Wonder, Outkast und die deutsche Band Seeed auf dem Programm.

dpa

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