Vorzeitiges Ende des Festivals

"Rock am Ring": Veranstalter wollte weiterlaufen lassen

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Festivalbesucher verlassen am Sonntag das Gelände von "Rock am Ring" in Mendig.

Mendig - Schwere Gewitter machen "Rock am Ring" den Garaus. Zehntausende Fans treten am Sonntagvormittag vorzeitig den Heimweg an. Ob sie entschädigt werden, scheint noch fraglich.

Update vom 14. Oktober 2016: Die Veranstalter der Zwillingsfestivals haben die ersten Headliner und Bands für 2017 bekanntgegeben. Das ist das bisherige Line-Up für "Rock am Ring" und "Rock im Park" 2017.

Nach einem Wetter-Chaos ist das Musikfestival „Rock am Ring“ in der Eifel am Sonntag vorzeitig zu Ende gegangen. Nach wiederholten Unwettern mit Dutzenden Verletzten traten Tausende von Besuchern im tiefen Schlamm mit Sack und Pack den Heimweg an. Wegen eines für Sonntagnachmittag erwarteten erneuten Unwetters hatte die Verbandsgemeinde den Veranstaltern die Genehmigung für die Fortsetzung des Festivals mit rund 90 000 Besuchern entzogen. Wie das Rote Kreuz am Sonntag mitteilte, waren am Freitagabend durch Blitzeinschlag insgesamt 71 Menschen verletzt worden.

Konzertveranstalter Marek Lieberberg sprach am Sonntag von einem Fall „höherer Gewalt“. Man habe sich der Anordnung gebeugt, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Anders als die Behörden hätte man aber gerne am Sonntag das Festival zum Abschluss gebracht. Dem rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz (SPD) warf Lieberberg vor, die Verantwortung für die Absage auf die Gemeinde abgeschoben zu haben.

Innenministerium forderte Abbruch bereits am Samstag

Ein Sprecher des Innenministeriums sagte dazu am Sonntag, dass Lewentz den Abbruch der Veranstaltung bereits am Tag zuvor gefordert habe. Zur Frage von Entschädigung von Konzertbesuchern wollte sich Lieberberg zunächst nicht äußern. Eine Neuauflage von „Rock am Ring“ im kommenden Jahr hält er grundsätzlich für nicht gefährdet.

Bilder: Schlammfestspiele bei "Rock am Ring"

Am Samstagabend hatte es nach zwischenzeitlicher Unterbrechung noch einmal ein Konzert auf zwei Bühnen gegeben. Dabei jubelten Zehntausende von Rockfans der kalifornischen Band Red Hot Chili Peppers zu. Die Musiker konnten ihre Hits wie „Dani California“ und „The Getaway“ spielen. Zwei Stunden nach Mitternacht trat auch noch die Berliner Rockband The BossHoss auf, vor Tausenden Menschen auf dem völlig verschlammten Gelände. Zuvor war das Festival wegen Unwetterwarnungen für sieben Stunden unterbrochen worden.

Am frühen Sonntagmorgen traten auf dem Flugplatz Mendig die Besucher mit Handwagen den Heimweg an. Dieser wurde oft erschwert, weil Autos im Schlamm feststeckten. Andere Besucher warteten auf Busse nach Koblenz. Die Behörden und der Konzertveranstalter hatten alle Rockfans aufgefordert, die Campingplätze bis zur Mittagszeit zu räumen. Mit Lautsprechern waren alle zum Verlassen des Geländes aufgefordert worden.

Blitzeinschläge am Freitag - Genaue Verletztenzahl unklar

Zu den Blitzeinschlägen war es gleich beim Festivalauftakt am Freitagabend gekommen. Daraufhin beschlossen die Veranstalter nach einem Krisengespräch mit Innenminister Lewentz, das Festival wegen weiterer Unwetterwarnungen zu unterbrechen. „Wir müssen alles dafür tun, dass keine neuen Verletzten hinzukommen“, sagte Lewentz. Die ersten Festival-Besucher brachen daraufhin schon am Samstagnachmittag auf.

Zur Zahl der Verletzten gab es am Wochenende unterschiedliche Angaben. Lewentz hatte am Samstag noch von „bis zu 82“ Verletzten gesprochen.

Die etwa 80 000 Besucher beim Schwesterfestival „Rock im Park“ in Nürnberg hatten mehr Glück mit dem Wetter. Die Polizei sprach am Sonntagnachmittag von einem „friedlichen Festivalverlauf“. Highlights des dreitägigen Festivals waren etwa die Auftritte von Black Sabbath mit Ozzy Osbourne auf ihrer Abschieds-Tournee, von Fettes Brot und Tenacious D mit dem Schauspieler Jack Black.

dpa

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