Fall Elias und Mohamed

Kindermörder Silvio S.: Als sie schrien, tötete er sie

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Der mutmaßliche Kindermörder Silvio S. verdeckt sein Gesicht im Potsdamer Landgericht.

Potsdam - Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat in Potsdam der Prozess gegen den mutmaßlichen Kindermörder Silvio S. begonnen. Dabei wurden grausige neue Details bekannt.

Der Wachmann aus Brandenburg hat laut Anklage den sechsjährigen Elias und den vierjährigen Mohamed im vergangenen Jahr entführt und umgebracht. An Mohamed soll Silvio S. sich sexuell vergangen haben, bei Elias soll er es versucht haben. Der 33-Jährige äußerte sich am Dienstag vor dem Landgericht Potsdam zunächst nicht zu den Vorwürfen.

Der 33-jährige Silvio S. hat die Jungen laut Anklage getötet, als sie begannen zu weinen und laut zu schreien. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft wollte er mit den Tötungen verhindern, dass die Entführungen und Übergriffe bekannt werden. Die Mutter des Angeklagten hatte ihren Sohn später auf Fahndungsbildern erkannt und die Polizei gerufen.

Mutter von getötetem Elias warnte ihn "vor bösen Menschen"

Die Mutter des getöteten Elias hat ihren Sohn nach eigenen Worten wiederholt vor Erwachsenen mit bösen Absichten gewarnt. „Ich habe ihm erklärt, dass es sein kann, dass (...) jemand ihn austricksen und ihm weh tun will“, sagte die 26-Jährige aus Potsdam vor dem Landgericht.

Der Sechsjährige war im Juli 2015 von einem Spielplatz in Potsdam verschwunden, wo ihn seine Mutter zuvor vom Fenster aus im Blick gehabt hatte. Das Flüchtlingskind Mohamed wurde Anfang Oktober vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) entführt. Die Ermittler hatten Silvio S. Ende Oktober gefasst.

Die ganz in schwarz gekleidete Frau erinnerte sich, wie sie damals zunächst verzweifelt den Wohnblock abgesucht und schließlich den Notruf gewählt hatte. „Ich habe mich erst nicht ernst genommen gefühlt“, sagte sie über das Gespräch mit der Polizei. Die Beamten hätten zwei Streifenwagen geschickt. „Als er nicht auftauchte, haben sie es ernster genommen.“

Die Staatsanwaltschaft wirft Silvio S. zweifachen Mord vor. Zudem ist der Mann aus Niedergörsdorf südlich von Berlin unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt. Der Angeklagte soll nach Erkenntnissen der Ermittler die sexuellen Übergriffe vor den Verbrechen an einer Puppe geübt haben.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen wegen Online-Hasskommentaren

Zum Prozessauftakt scheiterte Silvio S. mit dem Versuch, Zuschauer und Medien von dem Prozess ausschließen zu lassen. Einen entsprechenden Antrag lehnte das Gericht ab. Auch ein Antrag der Nebenklage, wonach die Anklageschrift nicht-öffentlich vorgetragen werden sollte, wurde abgelehnt. Der Vorsitzende Richter appellierte zu Beginn des Prozesses an die Zuschauer im Saal: "Ich bitte, von Zwischenrufen und Kommentaren - insbesondere beleidigenden - Abstand zu nehmen." Wegen zahlreicher Hasskommentare und ernstzunehmender Drohungen im Internet wurden die Sicherheitsvorkehrungen beim Prozess in Potsdam deutlich erhöht.

Nach Angaben des Gerichts ist im Fall einer Verurteilung nach jetzigem Stand keine Unterbringung des Mannes in einer psychiatrischen Klinik zu erwarten. Dem Angeklagten droht lebenslange Haft.

Elias und Mohamed: Prozess gegen mutmaßlichen Mörder beginnt

dpa

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