Der Mordprozess läuft

Angeklagte schildert eigenes Leid im "Horrorhaus" von Höxter

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In diesem Haus soll das beschuldigte Ehepaar ihre Opfer geschlagen, verbrüht und tagelang gefesselt haben. 

Paderborn - Im Mordprozess um die Quälereien in einem Haus in Höxter hat die Angeklagte Angelika W. von eigenen leidvollen Misshandlungserfahrungen berichtet.

Im Horrorhaus von Höxter hat nach Schilderungen der Angeklagten Angelika W. vor dem Landgericht Paderborn ein unvorstellbares Klima der Gewalt geherrscht. W. berichtete am Mittwoch vor der Strafkammer von jahrelangen Misshandlungen, die sie durch ihren ebenfalls angeklagten Exmann habe erdulden müssen. So habe ihr der Angeklagte Wilfried W. 2011 mit kochend heißem Wasser den Arm verbrüht. Dabei habe sie "vor Schmerzen geschrien". 

Zwei weitere Frauen sollen misshandelt worden sein

Der spektakuläre Kriminalfall im Haus des geschiedenen Ehepaars in Höxter-Bosseborn war Ende April bekannt geworden und löste bundesweit Entsetzen aus. Der 46-jährige W. und seine ein Jahr ältere Exfrau sollen zwei Frauen im Alter von 33 und 41 Jahren wochenlang so schwer misshandelt habe, dass die aus Niedersachsen stammenden Opfer starben. Laut Anklage misshandelten die mutmaßlichen Täter in ihrem Gehöft zudem mindestens zwei weitere Frauen, die ihr Martyrium überlebten. Ihre Opfer sollen sie über Kontaktanzeigen angelockt haben. Ende Oktober wurde der Prozess gegen das frühere Ehepaar eröffnet. 

Die Angeklagten werden des Gemeinschaftsmords bezichtigt

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten gemeinschaftlichen Mord durch Unterlassen vor. Sie sollen aus niedrigen Beweggründen, grausam und zur Verdeckung einer Straftat gehandelt haben. Angelika W. schilderte dem Gericht nun am zweiten Prozesstag, sie sei von ihrem Exmann unter anderem geschlagen, geboxt und hart auf die Erde gestoßen worden. Auch habe der heute 45-Jährige ihr ein Feuerzeug an die Hand gehalten und die Hand auf eine Kochplatte gedrückt. 

"Ich habe verdammt viel aushalten gelernt", sagte die 46-Jährige, die zu Beginn des zweiten Verhandlungstags vom Gericht zu ihrem Lebenslauf befragt wurde. Angelika W. schilderte bereitwillig und in flüssiger Erzählweise ihre Jugend auf einem Bauernhof im Raum Bad Salzuflen. 

Angelika W. war eine Einzelgängerin

Dabei bezeichnete sie sich selbst als "Papakind" und Katzenliebhaberin. Als Schülerin habe sie keine Kontakte und Freundschaften zu Jungen unterhalten. Sie habe auch "keine beste Freundin" gehabt. Mit Blick auf die Vorgänge in dem Haus des früheren Ehepaars in Höxter berichtete Angelika W., die spätere Anwesenheit der gequälten Frauen habe sie in ihrem von Gewalt geprägten Alltag eine Art Erleichterung spüren lassen. Wenn andere Frauen in dem Haus anwesend gewesen seien, habe sich Wilfried W. mit diesen beschäftigt. 

"Ich hatte ein bisschen mehr Freiheit", sagte die Angeklagte. Die Misshandlungen in dem Haus in Höxter waren bekannt geworden, als das geschiedene Paar Ende April die schwerstverletzte Susanne F. kurz vor deren Tod zurück nach Niedersachsen bringen wollte - um auf diese Weise seine Taten zu verschleiern, wie Meyer sagte. Auf der Fahrt hatte das Paar eine Autopanne und rief einen Rettungswagen. Die 41-Jährige starb wenig später im Krankenhaus.

AFP

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