Wegen Ebola

UNO befürchtet Lebensmittel-Krise in Westafrika

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Frauen vor der Klinik in Monrovia.

Monrovia - Durch die Ebola-Epidemie droht in Westafrika nun auch eine Lebensmittel-Krise: Die Vereinten Nationen schlugen am Dienstag Alarm und äußerten ihre "große Besorgnis über die Nahrungsmittel-Versorgung".

Krankenschwestern und Pfleger in Liberias größtem Krankenhaus sind in einen unbefristeten Streik für mehr Lohn und besseren Schutz vor dem Ebola-Virus getreten. Sie würden erst wieder zurückkehren, wenn sie mit Schutzanzügen ausgerüstet seien, sagte der Sprecher der Streikenden am John F.Kennedy-Hospital in Monrovia, John Tugbeh, am Montagabend. Seit Beginn der Epidemie hätten sich viele Ärzte und Mitarbeiter des Krankenhauses infiziert, weil sie ungeschützt mit den Patienten gearbeitet hätten. Die Krankenhausverwaltung äußerte sich zunächst nicht zu den Arbeitsniederlegungen.

Wegen der Gefahr für das medizinische Personal war die Klinik bereits im Juli zeitweise geschlossen worden. Ein längerer Streik dürfte den Kampf des westafrikanischen Landes gegen das tödliche Virus aber stark beeinträchtigen. An dem Erreger, der über Körperflüssigkeiten übertragen wird, sind bereits mehr als 1500 Menschen gestorben, darunter allein 700 in Liberia. Rund zehn Prozent der Opfer waren Ärzte, Pfleger oder Krankenschwestern.

Jetzt 31 Tote durch Ebola-Ausbruch im Kongo

Auch beim regional isolierten Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo steigen die Opferzahlen: 31 Menschen seien in der Provinz Equateur im Norden des Landes inzwischen an Folgen der Virus-Erkrankung gestorben, teilte Gesundheitsminister Félix Kabange Numbi nach Angaben des Senders Radio Okapi vom Dienstag mit. Zuletzt waren 13 Todesfälle gemeldet worden.

Insgesamt seien in Equateur bislang 51 Ebola-Fälle erfasst worden. Bei 13 von 15 Laborproben sei das Virus eindeutig nachgewiesen worden, weitere Untersuchungen seien im Gange. Zudem stehen nach Angaben des Ministers 185 Personen unter Beobachtung, die mit Ebola-Infizierten Kontakt hatten.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erfolgte die ursprüngliche Virus-Übertragung im Kongo durch den Verzehr von Wildfleisch. Das erste Opfer sei eine schwangere Frau gewesen, die Fleisch eines erlegten Tiers gegessen und schweres Fieber bekomen habe. Sie sei am 11. August gestorben. Die Übertragung von Mensch zu Mensch sei dann bei Ritualen im Zusammenhang mit der Beerdigung der Frau sowie in einem Medizinstützpunkt erfolgt.

UNO befürchtet Lebensmittel-Krise in Westafrika wegen Ebola

Durch die Ebola-Epidemie droht in Westafrika nun auch eine Lebensmittel-Krise: Die Vereinten Nationen schlugen am Dienstag Alarm und äußerten ihre "große Besorgnis über die Nahrungsmittel-Versorgung" in den am stärksten betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone. Es sei bereits zu Panikkäufen, stark steigenden Lebensmittelpreisen und Knappheit bei bestimmten Nahrungsmitteln gekommen. Aus der Demokratischen Republik Kongo wurden derweil neue Ebola-Fälle gemeldet.

Wie die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) weiter mitteilte, wird auch mit Schwierigkeiten bei den anstehenden Ernten in Westafrika gerechnet. Durch die Quarantäne, die über bestimmte Gebiete verhängt worden sei, und die Beschränkungen beim Personenverkehr drohe ein Mangel bei den Erntehelfern. Die zwei großen Ernten der Region - Reis und Mais - stünden vor der Tür.

Die drei besonders betroffenen Länder Guinea, Liberia und Sierra Leone sind Netto-Importeure bei Getreide. Vor allem Liberia sei von einer Versorgung von außen abhängig, hob die FAO hervor. In der Hauptstadt Monrovia seien die Preise für manche Lebensmittel bereits explodiert, etwa für das Grundnahrungsmittel Maniok, dessen Preis in den ersten August-Wochen um bis zu 150 Prozent gestiegen sei.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen startete einen Notfall-Plan für die Region, der etwa 65.000 Tonnen Nahrungsmittel für 1,3 Millionen Menschen vorsieht.

Dem Ebola-Virus, gegen das es bisher kein zugelassenes Medikament und keine Impfung gibt, sind in Westafrika bereits mehr als 1550 Menschen zum Opfer gefallen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab es Ende August mit 694 die meisten Todesfälle in Liberia, gefolgt von 430 in Guinea und 422 in Sierra Leone. Betroffen von der Epidemie, die sich seit März von Guinea aus ausbreitet, sind inzwischen auch Nigeria und der Senegal sowie die Demokratische Republik Kongo, aus der am Dienstag neue Ebola-Fälle gemeldet wurden.

In der Demokratischen Republik Kongo seien inzwischen 31 Menschen an Ebola gestorben, teilte die WHO in Kinshasa mit. Derzeit sei die Krankheit aber noch auf ein kleines Gebiet etwa 800 Kilometer nördlich der Hauptstadt beschränkt und breite sich nicht weiter aus. Bisher waren 13 Todesfälle aus der Region gemeldet worden.

Nigeria erhält Ebola-Wirkstoff aus Japan

Nigeria soll das experimentelle Ebola-Mittel Favipiravir aus Japan erhalten. Es ist dort gegen Grippe zugelassen und in größeren Mengen verfügbar. Favipiravir könne sofort geliefert werden, sagte Nigerias Gesundheitsminister Onyebuchi Chukwu am Montag bei einem Notfalltreffen in Abuja. Entwickelt wurde es von dem Unternehmen Toyama Chemical, das zur Fujifilm Holdings Corporation gehört. Es sind genügend Dosen vorhanden, um 20 000 Menschen damit zu behandeln. Favipiravir wird auch unter der Bezeichnung T-705 und dem Produktnamen Avigan geführt. In einer deutschen Studie hatte es mit Ebola infizierten Mäusen geholfen.

Nigeria hat nach Angaben von Chukwu auch um das Ebola-Mittel TKM gebeten, das in Kanada entwickelt wurde. Es kann vergleichsweise schnell produziert werden und wurde an Affen sowie an einzelnen Menschen getestet. Die Versuche wurden im Januar unterbrochen, weil ein Patient Nebenwirkung im Magendarm-Bereich bekam. Nigeria sei zudem bereit, bei zwei Impfstoffversuchen gegen Ebola mitzumachen, ergänzte Chukwu. Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldete das Land bis zum 26. August 17 bestätigte und Verdachtsfälle, 6 Menschen starben.

Trotz Angst vor Ebola: Elfenbeinküste muss gegen Sierra Leone antreten

Der Fußball-Nationalmannschaft der Elfenbeinküste droht der Ausschluss aus dem Afrika Cup 2015 in Marokko (17. Januar bis 7. Februar), sollten die Ivorer am Samstag nicht zu ihrem Heimspiel in Abidjan gegen das vom Ebola-Virus geplagte Sierra Leone antreten. Das bestätigte der afrikanische Verband (CAF) der französischen Nachrichtenagentur AFP.

„Wenn ein Team aus welchen Gründen auch immer nicht antritt, wird es vom laufenden Wettbewerb ausgeschlossen“, teilte CAF-Sprecher Junior Binyam am Dienstag schriftlich mit. Bislang sei noch kein offizielles Gesuch für eine Spielverlegung eingereicht worden.

AFP/sid/dpa

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