Wegen Doppelmordes

Bayer in China zum Tode verurteilt

Peking - Wegen eines Doppelmordes ist ein Mann aus Bayern in China zum Tode verurteilt worden. Der Angeklagte wartete seit drei Jahren auf sein Urteil.

Zum ersten Mal ist ein Deutscher in China zum Tode verurteilt worden. Der 36-Jährige war wegen Doppelmordes an seiner ehemaligen Freundin und deren Lebensgefährten angeklagt. Sein Anwalt sagte am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa, das Mittlere Volksgericht der südostchinesischen Stadt Xiamen habe am Vortag das Urteil in erster Instanz gefällt. Es muss wie jedes Todesurteil vom Obersten Gericht in Peking bestätigt werden.

Der Mann aus dem oberbayerischen Teisendorf im Chiemgau hatte laut Anklage im Juni 2010 seine frühere Freundin Jennifer aus Münchner Studententagen und deren neuen Freund auf offener Straße in Xiamen mit einem Hammer und einem Messer umgebracht. Der getötete Mann war ebenfalls Deutscher. Die Freundin hatte in München studiert, war aber Bürgerin Venezuelas.

Berufung muss innerhalb von zehn Tagen erfolgen

Das Gerichtsverfahren war schon vor drei Jahren schon abgeschlossen worden. Seit Sommer 2011 wartete der 36-Jährige auf das Urteil. Ob er in Berufung gehen wird, war unklar. „Wir wissen es noch nicht“, sagte sein chinesischer Anwalt Chen Liqun der dpa. „Er hat selbst noch keine Entscheidung getroffen.“

Die Berufung müsste innerhalb von zehn Tagen eingereicht und vom obersten Gericht der Provinz Fujian verhandelt werden. Auf jeden Fall muss das Urteil vom höchsten Gericht in Peking bestätigt werden. „Ich kann nicht sagen, wie lange es dauern wird.“

Auf die Frage, ob der 36-Jährige hingerichtet wird, sagte der Anwalt: „Es ist zunächst ein Urteil in erster Instanz.“ Er versicherte, der Angeklagte sei keinen besonderen Handel mit dem Gericht eingegangen sei. „Das gibt es nicht.“

Staatsregierung ist eingeschaltet

Der Deutsche war während des Verfahrens konsularisch betreut worden. Diplomaten wollten sich zu dem Fall wie üblich nicht äußern. Das Auswärtige Amt setzt sich grundsätzlich dafür ein, dass keine Todesstrafe verhängt wird, da diese in Deutschland abgeschafft und abgelehnt wird.

In München ist die Staatsregierung eingeschaltet: „Wir stehen dazu in engem Kontakt mit dem Auswärtigen Amt“, sagte eine Sprecherin des Justizministeriums.

„Das Bayerische Staatsministerium der Justiz teilt die ablehnende Haltung der Bundesregierung in Bezug auf die Todesstrafe uneingeschränkt und begrüßt die intensiven Bemühungen des Bundes, die Todesstrafe in diesem Fall abzuwenden“, hieß es in der kurzen Stellungnahme weiter. „Wenn es Möglichkeiten gibt, das zu erreichen, wird Bayern selbstverständlich jeden möglichen Beitrag dazu leisten.“ Für den Oktober ist seit längerem ein Besuch von Ministerpräsident Horst Seehofers (CSU) in China geplant.

Verurteilter tötete seine Ex-Freundin

Motiv des Doppelmordes war mutmaßlich Eifersucht. Der Mann soll seine ehemalige Freundin und ihren Lebensgefährten vor den Haupteingang eines großen Luxushotels gelockt haben. Augenzeugen berichteten, er habe maskiert in schwarzer Montur den beiden auf offener Straße aufgelauert und sie niedergemetzelt. Mehrere Menschen befanden sich in unmittelbarer Nähe. Die junge Frau soll noch auf den Knien um Gnade gefleht haben, bevor er sie umbrachte. Als Waise blieb ein inzwischen sechs Jahre altes Kind zurück, dass heute bei Verwandten in Deutschland aufwächst.

Der Täter und seine Ex-Freundin hatten an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität gemeinsam Sinologie studiert. Sie trennte sich im Sommer 2005 von ihm. Er soll die Trennung nicht überwunden haben und begann sie als Stalker zu verfolgen, wie Freunde berichteten. Nach unbestätigten Angaben aus dem Bekanntenkreis bedrohte er sie mehrfach, sie soll sich deswegen sogar hilfesuchend an die Münchner Polizei gewandt haben. 2006 zog sie nach Xiamen, eine lebendige Hafenstadt im Südosten Chinas. Mit ihrem neuen deutschen Lebensgefährten bekam sie ein Kind.

Er wollte sich selbst töten

Nach Aussagen aus dem Bekanntenkreis traf der Täter bereits Wochen zuvor in Xiamen ein und bedrohte beide. Der Mann versuchte direkt nach der Bluttat, sich selbst zu töten, und verletzte sich dabei schwer.

Im Teisendorfer Rathaus ist der Fall bekannt, die Gemeinde hat sich jedoch nicht in den Mordprozess eingemischt. „Er ist bei uns zur Schule gegangen. Im öffentlichen Leben ist er eigentlich nicht aufgetreten“, sagte der zweite Bürgermeister Norbert Schader.

Sollte das Todesurteil vollstreckt werden, wäre der 36-Jährige der erste Deutsche, der in China hingerichtet würde. Der einzige Europäer, der in China jemals exekutiert worden ist, war 2009 ein gebürtiger Pakistani mit einem britischen Pass, der Rauschgift geschmuggelt hatte. In China kann eine Todesstrafe auch auf Bewährung verhängt werden, was in eindeutigen Mordfällen aber ungewöhnlich wäre. Meist wird die Strafe dann nach zwei Jahren in lebenslange Haft umgewandelt.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

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