Lucas Cranach der Jüngere – Entdeckung eines Meisters

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Lucas Cranach der Jüngere malte die herausragenden Porträts eines 44-jährigen Mannes und einer 38-jährigen Frau im Jahr 1566. Sie zeigen ein bürgerliches Ehepaar und gehören zu den Meisterwerken des Künstlers.

Unternehmer, Politiker, exzellenter Maler – das war Lucas Cranach der Jüngere. Er eiferte zeitlebens seinem berühmten Vater nach und geriet doch in Vergessenheit. Zu seinem 500. Geburtstag zeigt jetzt eine Ausstellung in Wittenberg sein Werk. Im Hirmer Verlag ist der Katalog dazu erschienen.

Faszinierende Fürstenporträts eines vergessenen Künstlers

Rosige Wangen, ein klarer Blick und sorgfältig betonte Haarsträhnen – die Köpfe der Porträtierten heben sich plastisch von der Leinwand ab und wirken beinahe lebendig. Lucas Cranach der Jüngere schuf die Porträtstudien von Angehörigen des sächsischen Herrscherhauses um 1540 und verwendete sie als Vorlage für seine Gemälde. Sie belegen das herausragende Talent eines lange Zeit verkannten Künstlers: Er arbeitete individuelle Gesichtszüge heraus wie kaum ein anderer Maler seiner Zeit.

Jetzt sind die 13 einzigartigen Porträtstudien neben seinen zahlreichen Gemälden und Holzschnitten in einer großen Landesausstellung in und um die Lutherstadt Wittenberg zu sehen – sie kann noch bis 1. November besichtigt werden. Damit würdigt erstmals eine Schau das Leben und Schaffen Lucas Cranachs des Jüngeren. Dieser stand lange Zeit im Schatten seines berühmten Vaters und ist schließlich jahrhundertelang in Vergessenheit geraten. Der Hirmer Verlag präsentiert den reich bebilderten Katalog „Lucas Cranach der Jüngere – Entdeckung eines Meisters“ zur gleichnamigen Ausstellung.

Lucas Cranach der Jüngere – Sohn eines berühmten Vaters

Lucas Cranach der Jüngere wächst als Sohn des gleichnamigen Hofmalers in gut bürgerlichen Verhältnissen in Wittenberg auf. Bereits in jungen Jahren tritt er in die bekannte Werkstatt seines Vaters ein und lernt das Handwerk des Malers von Grund auf. Als Wegbegleiter Martin Luthers greifen die Cranachs in ihren Gemälden die Themen der Reformation auf. So entstehen zu der Zeit zahlreiche Altarbilder, die die neue Glaubenslehre im Bild festhalten. Gleichzeitig porträtieren sie die bekannten Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon und prägen so das Bild der berühmten Köpfe der Reformation bis heute.

Im Alter von 35 Jahren übernimmt der Sohn die Leitung der Cranach-Werkstatt und führt sie erfolgreich weiter. Gleichzeitig besetzt er die Ämter des Ratsherrn, des Kämmerers und des Bürgermeisters, die schon sein Vater inne hatte. In dieser Zeit entwickelt er sich zum ausgezeichneten Porträtisten, Zeichner und Drucker. Dennoch tritt sein Werk gegenüber dem seines Vaters stets in den Hintergrund. Lange Zeit wird er lediglich als Erbe gesehen, der das Werk seines Vaters fortführt.

Der Katalog „Lucas Cranach der Jüngere – Entdeckung eines Meisters“

Die Landesausstellung in Wittenberg, Dessau und Wörlitz sowie der reich bebilderte Katalog rücken das Bild vom verkannten Künstler zurecht. Mehr als 200 Werke vom Fürstenporträt bis zum Altarbild veranschaulichen das Talent eines vielseitigen Malers. Lucas Cranach der Jüngere erweist sich als tüchtiger und umtriebiger Geschäftsmann, der Aufträge von Fürsten und reichen Bürgern genauso gern annimmt wie von den Reformatoren, die in seiner unmittelbaren Nachbarschaft wirken.

Der Katalog enthält neben detaillierten Beschreibungen wichtiger Werke mehrere Aufsätze von namhaften Cranach-Forschern. Sie beleuchten unter anderem die Geschichte und Religion im 16. Jahrhundert – der Zeit, in der Lucas Cranach der Jüngere lebte und arbeitete. Andere befassen sich mit der Biografie des Künstlers oder widmen sich der europaweit bekannten Cranach-Werkstatt.

Den Künstlern der Werkstatt war es nämlich nicht wichtig, wer von ihnen als Urheber eines Werks fungierte. Entscheidend war für sie, dass der Stil der Werkstatt und damit die Marke Cranach erkannt wurden. So ließen sich viele Gemälde aus der Cranach-Werkstatt lange Zeit nicht eindeutig einem bestimmten Maler zuordnen. Erst moderne Analysen machen das heute möglich – ein Grund mehr, weshalb sich Lucas Cranach der Jüngere allmählich aus dem Schatten seines Vaters löst.

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