Rund-um-die-Uhr-Betrieb

Londoner "Tube" streikt

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In London streiken die Gewerkschaften gegen die Einführung eines Rund-um-die-Uhr-Betriebs.

London - Nicht nur in Deutschland kann gestreikt werden: Erstmals seit 2002 hat die Londoner U-Bahn am Donnerstag vollständig stillgestanden. Grund ist der Streik der Gewerkschaften. 

Millionen Fahrgäste mussten sich wegen des Streiks Ersatzlösungen suchen, um zu Fuß, in überfüllten Bussen oder auf verstauten Straßen zur Arbeit zu gelangen. Die öffentliche Betreibergesellschaft Transport for London (TfL) will am 12. September einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb der "Tube" am Wochenende einführen - wogegen die Gewerkschaften streiken.

Transport of London will den neuen Service für die Nacht vom Freitag zum Samstag und für die Nacht vom Samstag zum Sonntag einführen. Die Gesellschaft begründet dies mit der gestiegenen Nachfrage, die sich bislang - wo es keinen nächtlichen U-Bahn-Verkehr gab - an der Nutzung der Nachtbusse ablesen lasse. Diese habe seit 2000 um 173 Prozent zugenommen. Als Begründung für das konkrete Datum der Einführung am 12. September nennt die TfL den bevorstehenden Rugby World Cup, der vom 18. September bis zum 31. Oktober in England und Wales ausgetragen wird.

"Hoffentlich bin ich Weihnachten da!"

Der Streik hatte am Donnerstag chaotische Szenen zur Folge. "Ich bin unterwegs zum Canary Wharf - hoffentlich bin ich Weihnachten da!", lautete eine Twitter-Nachricht. An den Bushaltestellen fuhren völlig überfüllte Busse vor, in die sich kaum einer der Wartenden zusätzlich hineinquetschen konnte. "Ich bin gemütlich die 4,8 Kilometer bis zum Büro zu Fuß gegangen", twitterte Bella Barlow mit ironischem Unterton. "Ich sollte das immer so machen - Stichwort Gesundheit."

Die TfL setzte 200 zusätzliche Busse ein, bot Leihfahrräder an - und veröffentlichte Karten mit empfohlenen Fußwegen. Für Fans des Tennisturniers in Wimbledon, das am Wochenende zu Ende geht, organisierte das Transportunternehmen Sammeltaxis.

"Gleichgewicht von Leben und Arbeit" wird durcheinander gebracht

Die Londoner Nacht-U-Bahnen sollen künftig auf fünf Strecken fahren. Dem Personal wurden dafür Gehaltserhöhungen von durchschnittlich zwei Prozent in diesem Jahr in Aussicht gestellt, außerdem ein Inflationsausgleich in den kommenden zwei Jahren und eine einmalige Bonuszahlung von 2000 Pfund (knapp 2800 Euro) für jeden Nachtfahrer. Die Gewerkschaften erklärten, das Unternehmen habe nicht hinreichend die Auswirkungen der Nachtarbeit auf das Leben der Mitarbeiter in Rechnung gestellt. Es bestehe die Gefahr, dass "das Gleichgewicht von Leben und Arbeit" durcheinander gebracht werde.

Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson erklärte, der Streik sei "politisch motiviert". Eine Sprecherin von Premierminister David Cameron sagte, der Streik sei "nicht hinnehmbar und unbegründet".

afp

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