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Zum Tag der Linkshänder: Haben die Mythen recht?

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Linkshänder machen viele Dinge anders.

Berlin - 1976 initiierte der US-Amerikaner Dean Campbell den Tag der Linkshänder. Er legte ihn auf einen Freitag, den 13. - als Zeichen gegen Aberglauben, der sich auch um Linkshändigkeit rankt.

Die Begriffe „rechts“ und „links“ sind keine neutralen Seitenbezeichnungen, sondern drücken traditionell auch eine Wertung aus. Handelt man recht oder versucht man es auf die linke Tour? Rechts gilt als gut und stark, links als schlecht und schwach. Auch für die Menschen mit sogenannter Sinistralität, also die, deren linke Hand die dominante ist, ist das ein Problem. Was ist aber dran an den Mythen? 

Woher kommt der Aberglauben?

Er hat möglicherweise einen biblischen Ursprung. Schon der liebe Gott schien Rechtshänder gewesen zu sein. Verkündet doch Moses: „Deine Rechte, Herr, ist herrlich an Stärke.“ Christus sitzt nach christlicher Überlieferung zur Rechten Gottes, der Teufel kam vom rechten Weg ab. Linkshändige Frauen galten einst als vom Teufel besessen und wurden als Hexen verbrannt.

Was haben links und rechts mit männlich und weiblich zu tun?

Der rechten Seite werden männliche Eigenschaften zugeschrieben, links gilt als weiblich. Dieser Aberglaube zeigte sich noch vor einiger Zeit in der Sitzordnung mancher Dorfkirchen: rechts saßen die Männer, links die Frauen. Auch bei der Hochzeit haben die Geschlechter meist feste Seiten: der Bräutigam rechts vom Altar, die Braut links.

Gibt es mehr Links- oder mehr Rechtshänder?

Paul McCartney ist ein berühmter Linkshänder.

Rechts gilt als „normal“, denn nach vorsichtigen Schätzungen sind nur 10 bis 15 Prozent Linkshänder, in Deutschland etwa bis zu 12 Millionen. Generationen von kleinen Linkshändern wurden darum gedrillt, das „schöne Händchen“ rechts zu nutzen und sich der Mehrheit anzupassen.

Haben Linkshänder andere Stärken als Rechtshänder? 

Linkshänder gelten als assoziationsfähiger und ideenreicher. Das Gehirn ist in eine rechte und eine linke Hälfte geteilt. Bei Linkshändern sind Teile der rechten Hirnhälfte stärker ausgeprägt, bei Rechtshändern umgekehrt. Musikalische oder künstlerische Fähigkeiten sollen eher von der rechten Hälfte dominiert sein, logisches und mathematisches Denken findet dagegen wohl eher links statt.

Sind Linkshänder intelligenter?

Auch wenn das einige von ihnen behaupten, bewiesen ist es nicht. Der Intelligenz-Quotient von Links- und Rechtshändern ist im Schnitt gleich. Allerdings gibt es unter Hochbegabten mehr Linkshänder als im Durchschnitt. Andererseits haben auch viele Linkshänder Lernschwierigkeiten. Eine mögliche Erklärung: Sie müssen besonders viele Hürden in der Rechtshänder-Welt bewältigen.

Sind Linkshänder bessere Sportler?

Im Spitzensport gibt es ungewöhnlich viele von ihnen, bei Sportarten mit Eins-zu-Eins-Kontakt wie Tennis, Boxen und Judo bis zu 55 Prozent. Hier könnte neben der Tendenz zur Beidhändigkeit ein mögliches Überraschungsmoment vorteilhaft sein, wenn etwa ein Ball oder Schlag unerwartet von links statt von rechts kommt.

Woher kommt die politische Zuordnung in links und rechts?

Die politischen Begriffe entstanden während der 1789 begonnenen Französischen Revolution. In der Pariser Nationalversammlung saßen von der Rednertribüne aus betrachtet auf der linken Seite die besonders radikalen Revolutionäre, rechts hatten gemäßigte Abgeordnete ihren Platz.

dpa

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