Frau gibt Einblick

Der gruselige WhatsApp-Dialog des Höxter-Tatverdächtigen

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Auf diesem Gehöft in Höxter soll es zu den Misshandlungen gekommen sein.

Höxter - Mindestens zwei Frauen soll der Tatverdächtige aus Höxter auf dem Gewissen haben. Noch immer melden sich Frauen, die ebenfalls Kontakt zu dem 46-Jährigen hatten. Darunter: Claudia P. Sie gab Einblick in einen Chat-Verlauf mit ihm.

Die Misshandlungen in Höxter schocken noch immer ganz Deutschland. Mittlerweile hat die Polizei 35 neue Hinweise zu den tödlichen Quälereien in der nordrhein-westfälischen Stadt erhalten, wie die dpa am Freitag berichtete. Die meisten der Anrufer seien Frauen. Auch sie hätten Kontakt zu dem heute 46 Jahre alten Tatverdächtigen aufgebaut, wie eine Polizeisprecherin am Freitag sagte.

Auch Claudia P. (47) hatte im September 2015 über eine Anzeige Kontakt mit dem mutmaßlichen Täter aufgenommen. Am Freitag veröffentlichte die Bild ein Chat-Protokoll zwischen ihm und dem potentiellen Opfer. Es offenbart, mit welch mieser Masche der 46-Jährige die Frauen auf seinen Hof locken wollte. "Er war anfangs völlig normal, scherzte, war freundlich und zeigte starkes Interesse", erzählt Claudia P. dem Boulevardblatt. Fotos werden via WhatsApp ausgetauscht, es entwickelt sich reger Schreib- und Sprachnachrichtenverkehr.

Als sich die 47-Jährige nicht auf ein schnelles Treffen einlässt, gibt sich der Tatverdächtige zunächst verständnisvoll. Doch dann werden die Nachrichten schlüpfriger. "Ich such' halt eine heißblütige Frau für eine feste Partnerschaft. Ne heißblütige, die auch viele Sachen mag", schreibt er Claudia P. und führt weiter aus: "Die auch kuschelig ist und die Spaß macht. Mit der man reden kann. Die auch versaut ist, im Bett auch versaut ist." Claudia P. blockt ab, antwortet: "Bin kein großer Experimentiertyp."

Doch der 46-Jährige lässt nicht locker, schreibt der Mindenerin: "Wenn du echt noch Videos haben willst. So was wie Pinocchio oder normale Videos oder versaute Videos. Kannst du mir ja sagen." Doch auch hier geht die Angehimmelte in die Defensive: "Bilder und Kurzfilme sollten sich in Grenzen halten. Auf 'schmutzige' verzichte ich lieber."

Tote in Höxter: Tatverdächtiger wurde immer fordernder

Als Claudia P. einmal nicht auf seinen Anruf reagiert, zeigt sich der 46-Jährige eifersüchtig: "Du bist nie erreichbar irgendwie. In den frühen Abendstunden. [...] Wo Du drei Stunden hinrennst, weiß ich nicht. Oder hast Du vielleicht doch nebenbei einen Mann, wo Du Dich gerade treffen tust, kannst Du mir ja sagen."

Immer wieder drängt der Höxter auf ein Treffen, sagt ihr in einer Sprachnachricht, die auf bild.de zu hören ist: "Wenn man alles so rausschiebt, wird das nie was werden." Von Claudia P. verlangt er eine schnelle Entscheidung. "Nicht ewig da testen. Und nicht da erst mal zwei, drei Mal treffen und überlegen. [...] Du weißt ja selber, es haben sich mehrere gemeldet. Ich will mich ja schnell festlegen und nicht da jetzt jede treffen." Später erzählt er in einer weiteren Sprachnachricht von einer früheren Liebelei: "Wir haben uns gleich getroffen. Ne, und uns geküsst gleich. Sind in die Kiste sofort gestiegen und so weiter und so fort. Da wussten wir sofort: Wir gehören zusammen. Und da sind wir sehr lange zusammengeblieben. Wir sind sehr lange zusammengeblieben." Ob es sich bei seinen Erzählungen um eines seiner Opfer handelt, um seine Ex-Frau oder die Freundin frei erfunden war, ist nicht bekannt. "Er wurde immer fordernder", erzählt Claudia P. "Irgendwie hatte ich ein schlechtes Gefühl. Dann riss der Kontakt ab und ich vergaß ihn." Wohl zum Glück für die Frau aus Nordrhein-Westfalen.

Paar aus Höxter soll Opfer zerstückelt und verbrannt haben

Auf dem Gehöft in Höxter soll Wilfried W. mit seiner Ex (47) in den vergangenen Jahren mehrere Frauen misshandelt haben. Zwei Opfer aus Niedersachsen kamen ums Leben. Eine Frau aus Bad Gandersheim (41) erlag am 22. April in einem Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Schon im August 2014 war eine 31-Jährige nach Misshandlungen gestorben. Ihre Leiche sei im Kamin des Hauses verbrannt und die Asche verstreut worden, hatte die 47 Jahre alte Ex-Frau des Mannes erklärt. Experten sollen nun klären, ob die Schilderungen stimmen können. Auch eine 51-Jährige aus Berlin war in die Falle des Paares getappt und musste ein monatelanges Martyrium überstehen.

Horror-Haus in Hoexter: Die SMS der Toten

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