Dauerregen flutet wieder Keller

Unwetter im News-Ticker: Am Wochenende neue Regenfälle

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Helfer verteilen Sandsäcke beim Hochwasser in Polling (Kreis Weilheim).

Simbach - Am Donnerstag liefen wieder Keller voll. Doch das Wetter gönnt den Menschen eine Pause. In Simbach ist die Ursache gefunden. Die aktuelle Lage bei uns im Ticker.

  • In mehreren Gemeinden in Niederbayern gab es seit Ende Mai bzw. Anfang Juni schwere Überschwemmungen in Folge der heftigen Regenfälle. Besonders betroffen war der Landkreis Rottal-Inn.
  • Das Hochwasser hat mehrere Todesopfer gefordert, weitere Personen werden vermisst: Drei Leichen, Großmutter, Mutter und Tochter, wurden in Simbach am Inn von Tauchern gefunden. Eine 80-Jährige wurde bei Julbach entdeckt. Am Donnerstag wurden zwei weitere Tote bei Simbach gefunden. Am Freitag verstarb ein weiteres Opfer im Krankenhaus.
  • Am Sonntag wurde das Musikfestival "Rock am Ring" in Mendig (Rheinland-Pfalz) wegen des Unwetters abgebrochen.
  • BÜRGERTELEFON des Landratsamtes Rottal-Inn: 08561 / 20-725
  • Es gibt ein Spendenkonto: Kennwort „Hochwasserhilfe“, IBAN: DE81 7435 1430 0570 0068 09, BIC: BYLADEM1EGF
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    +++ Neun Tage nach dem verheerenden Hochwasser im niederbayerischen Simbach ist die Ursache offenbar für die tödliche Flutwelle gefunden. Die Flutkatastrophe ist auch durch Dammbrüche und mindestens ein verstopftes Rohr ausgelöst worden. „Sie können aber nicht die alleinige Ursache gewesen sein“, sagte Simbachs Bürgermeister Klaus Schmid (CSU) am Freitag.

    +++ Das Wetter gönnt den Menschen in den bayerischen Hochwassergebieten eine Verschnaufpause. Nachdem es am Donnerstag in Teilen des Freistaates erneut heftig geregnet hatte, soll es am Freitag trocken bleiben, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) vorhersagte. Im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau habe sich die Hochwasserlage noch am Abend etwas entspannt, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. „Gott sei Dank. Das können wir dringend brauchen.“ Auch in Niederbayern ließ der Regen nach.

    +++ Stundenlanger Dauerregen hatte am Donnerstag erneut Straßen überflutet und Keller volllaufen lassen. Etliche Bäche waren über die Ufer getreten. Feuerwehr und freiwillige Helfer errichteten in den betroffenen Gemeinden Dämme aus Sandsäcken. Für das Wochenende sind neue Regenfälle angesagt.

    Es wird merklich kühler

    +++ Im vom Hochwasser besonders getroffenen Simbach am Inn (Landkreis Rottal-Inn) blieb am Donnerstag ein befürchteter Murenabgang aus. „Gott sei Dank wurden wir verschont. Die angesagten Regenfälle waren nicht so stark“, sagte der Simbacher Bürgermeister Klaus Schmid (CSU). Wegen eines drohenden Abgangs hatten sechs Bewohner die Nacht nicht in ihren Häusern verbringen dürfen, die am Fuße eines Berghanges liegen. Denn bei einer Mure rutschen Teile eines Berghanges nach starken Regenfällen ab und führen einen fließenden Strom aus Schlamm und Gestein ins Tal. Nach Angaben des Bürgermeisters waren vor der Evakuierung bereits kleinere Hangabschnitte in Simbach abgerutscht. Der betroffenen Hang wird weiter untersucht. Wann die ausquartierten Bewohner in ihre Häuser zurückkehren können, war zunächst unklar.

    +++ Nach zwei Unwetter-Wochen beruhigt sich die Wetterlage in Deutschland - aber es wird merklich kühler. Polarluft soll die Gewitterwolken immer weiter nach Süden schieben, sie regnen sich voraussichtlich am Alpenrand ab. Für Donnerstag galten Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vor ergiebigem Dauerregen für Südbayern. Am Freitag strömt dann von Norden Meeresluft aus polaren Breiten ins Land. Dazu ist es recht sonnig und bei etwa 25 Grad am Oberrhein noch sommerlich warm. Am Wochenende liegen die Höchsttemperaturen nur noch um 20 Grad, dazu zeichnen sich immer wieder Regenschauer ab. Unwetter sind aber nicht mehr zu erwarten.

    +++ Das Musikfestival "Rock am Ring" in der Eifel ist am vergangenen Wochenende wegen anhaltender Unwetter abgebrochen worden. Jetzt wollen einige Festival Besucher ihr Geld zurück und haben einen Anwalt eingeschaltet.  

    +++ Nach dem Tornado in Hamburg erwartet die Feuerkasse Schadensmeldungen ihrer Versicherten im Volumen von 3,0 bis 3,5 Millionen Euro. Dies sei vorerst eine grobe Schätzung, die auf Erfahrungswerten basiere, sagte der Sprecher der Hamburger Feuerkasse Versicherungs-AG, Christoph Prang, der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Für eine belastbare Aussage sei es noch zu früh, da nicht alle Schäden sofort erkennbar seien. Drei Mitarbeiter waren am Vortag in den vom Unwetter getroffenen Stadtteilen im Nordosten unterwegs gewesen, um Schäden direkt aufzunehmen. Dort hatte am Dienstagabend ein schweres Unwetter binnen weniger Minuten Bäume umgestürzt, Dächer abgedeckt, Gärten zerstört und Keller geflutet. Knapp zwei Drittel (65 Prozent) aller Hamburger Wohngebäude sind nach Angaben des Unternehmens bei der Feuerkasse versichert.

    +++ Die Hochwassersituation hat sich am Donnerstag im oberbayerischen Polling (Landkreis Weilheim-Schongau) erneut verschärft. „Die Lage ist angespannt“, sagte der Sprecher des Landratsamtes, Hans Rehbehn. Die Feuerwehr sei im Einsatz, um zu überprüfen, ob alle Vorkehrungen getroffen wurden, um ein neues Hochwasser zu vermeiden. Vor allem werde darauf geachtet, dass alle Kellerschächte dicht sind. Am Wochenende war in der Gemeinde der Tiefenbach über die Ufer getreten. Der Ortskern wurde überflutet, Keller liefen voll, Muren gingen ab. Das Landratsamt erklärte am Sonntag für mehrere Stunden für die Region den Katastrophenfall.

    +++ Umweltministerin Hendricks erinnerte angesichts der vielen Unwetter in Deutschland an die Folgen des Klimawandels. „Durch den Klimawandel häufen sich diese Ereignisse“, sagte sie der „Nordwest-Zeitung“. „Mit immer neuen Temperaturrekorden erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit für Wetterlagen, die Extremereignisse begünstigen.“ Die Länder und der Deutsche Wetterdienst arbeiteten bereits an besseren Vorhersagen. „Hier brauchen wir aber auch noch mehr Forschung.“

    Dauerregen: Alarmstufe Rot im Alpenvorland

    +++ Regen, Regen - und noch mehr Regen. Auch am Donnerstag muss sich der Süden Deutschlands auf starke Niederschläge einstellen. Wie der Deutsche Wetterdienst mitteilt, gibt es für das komplette bayerische Alpenvorland eine amtliche Unwetterwarnung vor ergiebigem Dauerregen. In den Kreisen Oberallgäu, Ostallgäu, Weilheim-Schongau, Starnberg, Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land werden Niederschlagsmengen zwischen 30 l/m² und 50 l/m² erwartet. Es herrscht Warnstufe 3.

    +++ Mehrere Stunden dauernde Regengüsse haben den Nordwesten Baden-Württembergs getroffen. Ein Feuerwehrmann wurde bei seinem Einsatz in Bretten bei Karlsruhe am Mittwochabend durch einen Stromschlag lebensgefährlich verletzt, er erlitt schwere Verbrennungen.

    Die Polizei berichtete von starkem unwetterartigen Regen, überfluteten Straßen und vollgelaufenen Kellern. Besonders betroffen waren demnach der Enzkreis und der Landkreis Karlsruhe. Die Einsatzkräfte rückten innerhalb kurzer Zeit zu 25 Einsätzen aus. Erste Schätzungen gehen von einem Schaden von insgesamt 500.000 Euro in der Region aus.

    +++ Im Raum Günzburg kam es am Mittwoch zu Überflutungen und in Wertingen wurde ein ganzer Stadtteil überschwemmt. Wie die Ausgsburger Allgemeine berichtet sind in Günzburger Stadtteilen Riemgraben über die Ufer getreten und Keller sind voll gelaufen. Tunnel stehen zum Teil unter Wasser. Im Wertinger Stadtteil Roggden stand das Wasser an manchen Stellen bis zu einem Meter hoch.

    Nur am Freitag schönes Wetter - Tief ''Gisela'' sorgt für Beruhigung

    +++ In Sachen Wetter ist derzeit nur der Freitag ein kleiner Lichtblick: Nach der Unwetterserie soll es dann gewitterfrei und trocken werden, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Zwar gibt es am Donnerstag noch einzelne Schauer und kurze Gewitter, im Süden muss mit Dauerregen gerechnet werden. Dann aber sorgt Tief „Gisela“ für eine Beruhigung des Wetters. Am wärmsten wird es am Oberrhein mit 26 Grad, im Norden dagegen werden maximal 17 Grad erwartet. Leider wird die Freude über das bessere Wetter nicht lange anhalten, da schon am Samstag in der Mitte wieder vereinzelt - im Süden sogar für längere Zeit - Regen fällt. Im Norden bleibt es dagegen meist heiter.

    So könnten auch die Besucher der Fanmeilen beim EM-Spiel Deutschland gegen die Ukraine vielerorts nass werden. Für eine klare Prognose für den Sonntagabend sei es aber noch zu früh. Besonders gut stehen die Chancen auf schönes Wetter aber nicht: Tendenziell stelle sich am Wochenende wieder unbeständiges Wetter ein, sagte eine DWD-Meteorologin. Vor allem im Westen Deutschlands könnte es dann wieder regnen.

    +++ Während der extremen Gewitterserie der vergangenen beiden Wochen hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) 3000 Unwetterwarnungen herausgegeben. „Das ist einmalig, seit es das Warnsystem auf Landkreisebene gibt“, sagte DWD-Sprecher Andreas Friedrich der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Seit rund 15 Jahren gibt der Wetterdienst Warnungen für einzelne Landkreise heraus.

    In der unwetterträchtigen Wetterlage, die am 26. Mai begann, habe es mindestens vier Tornados in Deutschland gegeben. Die Experten gehen inzwischen davon aus, dass es auch am Dienstag in Hamburg ein Tornado war, der schwere Schäden hinterließ. Bestätigt seien Tornados am 5. Juni - einer im mittelhessischen Butzbach und zwei in Schleswig-Holstein. Wahrscheinlich seien es deutlich mehr gewesen, es gebe eine ganze Reihe von Verdachtsfällen, sagte Friedrich, der auch DWD-Tornadobeauftragter ist.

    Dass die Zahl der zerstörerischen Wirbelstürme in Deutschland zunehme, sei aber nicht nachweisbar, sagte Friedrich. Mit dem Radar seien sie nicht erfassbar. Der „Beobachtungseffekt“ spiele eine Rolle: „Gefühlt gibt es mehr Tornados, weil mehr erkannt werden.“ Mit Handy-Kameras und Webcams würden einfach mehr dokumentiert. Nach DWD-Schätzungen gibt es pro Jahr in Deutschland einige Dutzend Tornados.

    +++ Die französische Regierung hat die von Überschwemmungen betroffenen Regionen zu Katastrophengebieten erklärt. In 782 Gemeinden in 16 französischen Départements wird der Katastrophenfall ausgerufen, wie am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung in Paris aus Regierungskreisen verlautete. Damit ist der Weg frei für eine schnellere Entschädigung der Betroffenen. Ein entsprechendes Dekret wird am Donnerstag im offiziellen Amtsblatt veröffentlicht.

    Extreme Unwetter im Süden Deutschlands erwartet

    +++ Die Unwettergefahr in Deutschland ist noch nicht gebannt. Nach dem Tornado in Hamburg und Überschwemmungen durch Starkregen im Ruhrgebiet warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Mittwoch vor örtlich begrenzten "extremen Unwettern" vor allem in der Südhälfte. Diese seien zumindest "vereinzelt" möglich, erklärte der DWD in Offenbach.

    +++ Eine Woche nach den verheerenden Überschwemmungen im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn sind noch immer mehrere hundert Einsatzkräfte mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. „Es läuft aber alles gut voran“, sagte am Mittwoch der Sprecher des Landratsamtes, Robert Kubitschek. Sieben Menschen starben, als sich am vergangenen Mittwoch eine Welle aus Schlamm und Geröll durch mehrere Ortschaften wälzte und Schäden in Milliardenhöhe verursachte.

    +++ Der FC Bayern will den Opfern der Flutkatastrophe in Niederbayern helfen. Deshalb stellt der Klub den in Not geratenen Menschen 100.000 Euro als Soforthilfe zur Verfügung. „Das fürchterliche Hochwasser in Niederbayern hat Existenzen vernichtet und einen dramatischen Schaden angerichtet", sagte Karl-Heinz Rummenigge. "Der FC Bayern möchte durch die Spende seine Solidarität mit den vom Unglück betroffenen Menschen in Niederbayern ausdrücken und ihnen in ihrer Not helfen.“

    +++ Auch Oberbayern muss sich auf neue Unwetter einstellen. Am Donnerstag ist dort mit Gewittern und Starkregen zu rechnen

    +++ Eine Woche nach den verheerenden Überschwemmungen im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn sind noch immer mehrere hundert Einsatzkräfte mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. „Es läuft aber alles gut voran“, sagte am Mittwoch der Sprecher des Landratsamtes, Robert Kubitschek. Sieben Menschen starben, als sich am vergangenen Mittwoch eine Welle aus Schlamm und Geröll durch mehrere Ortschaften wälzte und Schäden in Milliardenhöhe verursachte.

    +++ Starker Regen hat in einigen Regionen Baden-Württembergs erneut Straßen und Keller überflutet. Nach ersten Angaben der Polizei am Mittwochmorgen kamen Menschen bei dem Unwetter aber nicht zu Schaden. Der Starkregen von Dienstagabend bis Mittwochfrüh habe sich vor allem auf die Region zwischen dem Nord-Schwarzwald und Zollernalb sowie auf die Ostalb konzentriert, teilte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes mit.

    Vor allem die Gemeinde Königsbach-Stein war betroffen: Nach Angaben der Polizei stand das Wasser dort zeitweise bis zu 70 Zentimeter hoch. Überflutete Straßen und zahlreiche vollgelaufene Keller waren die Folge. Auch mehrere Fahrzeuge sind durch die Wassermassen zerstört worden. In Hardt schlug ein Blitz in ein Wohnhaus ein und setzte den Dachstuhl in Brand. Verletzt wurde auch hier niemand. In Herbertingen berichtete die Polizei von einem Hangrutsch, den der Starkregen verursacht hatte - die Straße wurde zeitweise gesperrt.

    Auch in Nürtingen rutschten Teile eines Hanges auf eine Straße in einem Wohngebiet. Verletzt wurde dabei niemand. Die Polizei räumte 14 umliegende Häuser. Ob der Hangrutsch durch die Regenfälle der vergangenen Tage ausgelöst wurde, war noch unklar.

    +++ Ein Mitarbeiter ist am Frankfurter Flughafen von einem Blitz getroffen und schwer verletzt worden. Der Blitz traf am Dienstagabend das Headset des 44-Jährigen, wie die Polizei in Frankfurt am Mittwoch mitteilte. Der Mann stand auf dem Trittbrett eines Schleppfahrzeugs, das gerade eine Boeing 777 in Position brachte. Der Fahrer des Wagens blieb unverletzt. Der Verletzte wurde ins Krankenhaus gebracht. Während des Unwetters am Dienstagabend wurde aus Sicherheitsgründen kein Flugzeug be- und entladen. Das Gewitter brachte daher auch den Flugplan durcheinander: 20 Flugzeuge konnten nicht landen, 15 Flugzeuge konnten nicht starten und 47 weitere Flüge starteten verspätet erst nach 23 Uhr.

    Gewitter-Gefahr auch am Mittwoch

    +++ Die Unwetter über Deutschland nehmen kein Ende. Meteorologen warnen am Mittwoch vor neuem heftigen Starkregen und Hagel. Besonders gefährdet: Baden-Württemberg, Saarland und der westliche Landesteil Bayerns. Lokal seien wieder starke Niederschläge von bis zu 40 Litern pro Quadratmeter innerhalb kurzer Zeit möglich - laut DWD an manchen Orten ein vergleichbarer Wert zu den vergangenen Tagen.

    +++ Nach dem schweren Unwetter in Hamburg hat die Feuerwehr am Mittwoch ihre Aufräumarbeiten fortgesetzt. Die Einsatzkräfte räumten in den betroffenen Stadtteilen im Nordosten vor allem umgeknickte Bäume und abgebrochene Äste fort, wie ein Sprecher der Feuerwehr am 

    Der Tornado entwurzelte sogar dicke Bäume.

    Morgen sagte. Der zwischenzeitlich verhängte Ausnahmezustand sei wieder aufgehoben worden. Die Rettungskräfte waren seinen Angaben zufolge seit Dienstagabend zu mehr als 250 Einsätzen ausgerückt. Über 1000 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Verletzte gab es nach Angaben des Sprechers trotz der Verwüstungen nicht. Die Unwetterbilanz: Dutzende Bäume stürzten um, bei etlichen Häusern wurden die Dächer abgedeckt, Keller liefen mit Wasser voll. Das stark beschädigte Dach eines neungeschossigen Hochhauses habe gerade noch vor dem Absturz gesichert werden können, so der Sprecher. Ein Gesamtbild des entstandenen Schadens habe sich die Feuerwehr noch nicht machen können, ergänzte der Sprecher.

    Was am Dienstag, 7. Juni passierte:

    +++ Die Hamburger Feuerwehr hat wegen eines schweren Unwetters mit einer Windhose im Osten der Stadt den Ausnahmezustand erklärt. „Es gibt unzählige abgedeckte Dächer und vollgelaufene Keller, mehr als 1000 Feuerwehrleute und das Technische Hilfswerk sind im Einsatz“, sagte ein Feuerwehrsprecher am Dienstagabend. Die Einsatzkräfte seien bereits zu mehr als 200 Einsätzen ausgerückt. Angaben über Verletzte gab es zunächst keine. Mithilfe eines Helikopters der Bundespolizei verschaffe sich die Feuerwehr einen Überblick über die Lage, sagte der Sprecher. Ob es sich bei der über den Stadtteilen Bramfeld und Wandsbek gesichteten Trichterwolke um einen Tornado handelte, war zunächst unklar.

    +++ Kraft macht Bauern Hoffnung: Nach dem Hochwasser der vergangenen Tage in Nordrhein-Westfalen prüft die Landesregierung Nordrhein-Westfalens mögliche Hilfen für die betroffenen Menschen. Zunächst müsse man sich aber einen Überblick über Art und Ausmaß der Schäden verschaffen, sagte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) am Dienstag nach einem Besuch der Gemeinde Sonsbeck am Niederrhein. Das Land könne aber keine privaten Schäden abdecken, betonte Kraft. Wer sich nicht ausreichend versichere, könne nicht mit Steuermitteln begünstigt werden. Anders verhalte es sich bei Landwirten, die teilweise keine Möglichkeit hätten, sich gegen Unwetterlagen zu versichern.

    +++ Die Schäden durch die schweren Unwetter der vergangenen Tage im Freistaat kosten alleine die Versicherungskammer Bayern voraussichtlich rund 60 Millionen Euro. Etwa 15 Millionen Euro an Schäden habe alleine Tief „Elvira“ angerichtet, weitere 45 Millionen seien durch die Unwetterfront „Friederike“ hinzugekommen, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag in München.

    +++ Alleine 30 Millionen Euro dürften die massiven Schäden im Landkreis Rottal-Inn kosten, wo bei der Hochwasser-Katastrophe zahlreiche Häuser, Straßen, Brücken und Autos zerstört und Keller überflutet wurden.

    +++ Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet, dass die Gewitterserie mit Unwettern und Hagel in den nächsten Tagen zu Ende geht. Noch bis Donnerstag müsse mit heftigen Unwettern gerechnet werden, das Wochenende werde deutlich kühler mit Regen, sagte Meteorologe Sebastian Schappert. „Nach den Modellrechnungen steht uns am Freitag endlich mal wieder ein weitgehend gewitterfreier Tag ins Haus.“ Seit dem 27. Mai habe der DWD täglich Unwetterwarnungen herausgegeben.

    Unwetterwarnung für Oberallgäu

    +++ In vielen Teilen Deutschlands scheint momentan noch die Sonne. So war es heute Vormittag auch noch im Oberallgäu und im Landkreis Kempten. Doch damit ist es bald vorbei. Denn für die Region wurde vom Deutschen Wetterdienst eine a mtliche Unwetterwarnung herausgegeben. Es drohen schwere Gewitter (Stufe drei von vier) mit Starkregen. Auch Hagel und Sturmböen sind möglich.

    +++ Die CSU im Bundestag dringt für die Unterstützung von Hochwasseropfern in Bayern auf Hilfen des Bundes. CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt sagte: „Meine Position ist, dass wir die Menschen, die davon in wirklich dramatischer Weise betroffen sind, auch finanziell nicht alleine lassen, und deshalb werde ich dafür eintreten und kämpfen, dass wir auch von Bundesseite die Leistungen, die der Freistaat Bayern für diese Menschen erbringt, unterstützen und ergänzen wollen.“

    +++ Nach weiteren Hochrechnungen steht fest: Knapp fünf Millionen Euro Schaden hat das Hochwasser in der vergangenen Woche allein im mittelfränkischen Flachslanden (Landkreis Ansbach) verursacht. Darunter fielen etwa zerstörte Häuser, Firmen sowie die öffentliche Infrastruktur, sagte Bürgermeister Hans Nenninger (Freie Wähler) am Dienstag. Allein 140 Häuser seien von dem Unwetter beschädigt worden. „Das geht von ein bisschen Wasser im Keller bis zu großen Schäden am Haus.“ Henninger hofft auf Unterstützung vom Freistaat. „Wir haben im Haushalt natürlich keine Hochwasserkatastrophe 2016 eingeplant.“

    +++ Im nahe gelegenen Obernzenn (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) gehen die Schäden ebenfalls in die Millionen. Genaue Angaben könne man derzeit aber noch nicht machen, sagte Bürgermeister Markus Heindel (CSU) am Dienstag.

    +++ Zur Beseitigung des Schlamms im niederbayerischen Hochwassergebiet sind seit Dienstag Wasserwerfer im Einsatz. In der besonders schlimm betroffenen Gemeinde Triftern werde Wasser mit Hochdruck auf die Straßen gespritzt, teilte das Landratsamt mit. Auch in Simbach am Inn sei der Einsatz von Wasserwerfern geplant.

    +++ Auch in Nürnberg kam es am Montagabend zu einem starken Regenguss, der die Feuerwehr in Atem hielt. Dutzende Keller und Wohnungen wurden überschwemmt, durch einen Blitzschlag fing ein Dachstuhl Feuer. 80 Mal mussten die Einsatzkräfte innerhalb weniger Stunden ausrücken. 

    +++ Schwere Unwetter haben auch in Belgien zu Überschwemmungen geführt. In der Nähe des ostbelgischen Ortes Welkenraedt wurde eine achtzigjährige Frau von den Fluten davon gerissen. Sie gehörte zu einer Gruppe von sieben Menschen, die hinweg geschwemmt wurde. Die anderen Personen konnten gerettet werden, die Frau wurde am Abend noch vermisst. Nach den schweren Gewittern stand außer Welkenraedt und der Ort Verviers unter Wasser. Nach Medienberichten wurden Straßen überflutet, Bäume stürzten um.

    Überflutungen in Nordrhein-Westfalen

    +++ Erneut haben sich Unwetter mit teils kräftigen Gewittern über Nordrhein-Westfalen entladen. In Mechernich bei Bonn seien wegen des starken Regens mehrere Straßen „völlig überflutet gewesen“, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Die Feuerwehren aus Mechernich und Nettersheim seien zu mehr als 50 Einsätzen ausgerückt. Am Abend dauerten die Pump- und Aufräumarbeiten dem Sprecher zufolge noch an. Auch in Lindlar sperrte die Polizei nach Angaben einer Sprecherin eine überflutete Straße. Laut Meteorologen fielen dort in kurzer Zeit bis zu 75 Liter Regen pro Quadratmeter.

    In Bonn, wo am Wochenende mehrere Bäche über die Ufer traten, Keller vollliefen und ganze Straßenzüge unter Wasser standen, dauerten die Aufräumarbeiten am Montag an.

    +++ Wieder kam es in weiten Teilen Bayerns zu heftigen Unwetter mit Starkregen und Hagel. Vor allem Nordbayern sowie Niederbayern waren betroffen. Vereinzelt liefen Keller voll, umgestürzte Bäume blockierten Straßen. Zu größeren Schäden soll es zunächst nicht gekommen sein.

    +++ Eine aktuelle Zusammenfassung in Sachen Hochwasser und Unwetter gibt's hier.

    +++ Heftige Bilder aus Koblenz: Ein Twitter-User postet gegen 16 Uhr ein Video von wahren Hagelfluten.

    +++ In mehreren Kreisen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland, Bayern und Baden-Württemberg soll es heute laut Deutschem Wetterdienst zu schweren Unwettern mit extrem heftigen Starkregen kommen: 

    Besonders stark betroffen sind unter anderem der Märkische Kreis und der Oberbergische Kreis in NRW, die Kreise Bad Kissingen und Wunsiedel in Nordbayern und Straubing-Boden und Stadt Straubing in Ostbayern.

    Bitte informieren Sie sich über die aktuellen Unwetter-Prognosen in Ihrem Kreis auf der Seite des Deutschen Wetterdienstes.  

    +++ Nur kurzzeitige Entspannung: Zwar hat der Deutsche Wetterdienst in der Nacht zum Montag alle Warnungen vor schweren Gewitter zunächst aufgehoben. Doch bereits ab den Mittagsstunden und am Abend könnten wieder heftige Gewitter mit Starkregen und größerem Hagel aufziehen, wie ein DWD-Sprecher sagte. Besonders betroffen seien Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Teile Hessens, Teile des Saarlands sowie Bayern und Baden-Württemberg. „Vor allem in der Südhälfte NRW's wird es Gewitter geben“, sagte er. In Bonn tagte deshalb erneut der Krisenstab, um weitere Vorsichtsmaßnahmen für den Tag zu beschließen.

    In Baden-Württemberg kann es besonders über dem südlichen Bergland und in südwestlichen Landesteilen gewittern. Vereinzelt sei auch Hagel mit Korngrößen von etwa zwei Zentimetern möglich. In Aichwald in der Nähe von Stuttgart war am Sonntag ein Zwölfjähriger bei einer Veranstaltung auf einem Sportplatz vom Blitz getroffen und lebensgefährlich verletzt worden.

    Auch in Bayern geben die Meteorologen noch keine Entwarnung, vor allem für das Alpenvorland und das westliche Franken. 

    Wie kommt es zu den heftigen Gewittern der letzten Tage?

    +++ Ist der Klimawandel schuld an den heftigen Gewittern? Das fragt die "Tagesschau" auf Twitter - und warnt vor "voreiligen Schlussfolgerungen".

    +++ Offenbar sind laut Angaben der Versicherungskammer Bayern nur ein Bruchteil der beschädigten Wohnhäuser im Landkreis Rottal-Inn gegen Elementarschäden versichert. Die Versicherungsdichte liege sowohl im Freistaat, als auch im Landkreis bei lediglich 26 bis 27 Prozent.

    Packten mit an: Fünf Asylbewerber aus dem Senegal.

    +++ Es ist einfach ein Bild, das zeigt: In der Not helfen alle zusammen. Unser Leser Stephan Schaberl berichtete uns von fünf Asylbewerbern aus dem Senegal, die am Samstag nach dem Hochwasser in Simbach bei den Aufräumarbeiten tatkräftig mithalfen. Mit Gummistiefeln ausgerüstet packten sie mit an, wo es nur ging. Auch andere Flüchtlinge zeigten sich engagiert und halfen dabei, ein vom Hochwasser verwüstetes Haus zu entrümpeln. 

    +++ Ein schweres Gewitter hat am Sonntag auch in Oberfranken Überschwemmungen und einen Brand verursacht. Nach Angaben der Feuerwehr vom Montag gab es aber keine Verletzten. Auf einer Landstraße nördlich von Bayreuth musste ein Autofahrer aus seinem von Wasser umschlossenen Fahrzeug gerettet werden. Weitere Feuerwehr-Mannschaften bekämpften Überflutungen im Süden Bayreuths und in drei umliegenden Gemeinden. Zudem mussten sie nach Blitzschlägen umgestürzte Bäume beseitigen. Ebenfalls durch einen einschlagenden Blitz geriet im Bindlacher Ortsteil Ramsenthal (Landkreis Bayreuth) der Dachstuhl eines Hauses in Brand. Das Dach musste aufgebrochen werden, um Glutnester in der Isolierung zu löschen. Die Einsätze waren am frühen Abend beendet.

    +++ Nach der Flut droht den Menschen in den Hochwassergebieten eine Mücken-Invasion. Stehende Gewässer seien für die Insekten ideal, da sie dort ihre Eier legen, sagte die Biologin dem Münchner Merkur. . „Wenn ein Weibchen 80 bis 200 Eier pro Tag legt, können Sie sich vorstellen, was in zwei Wochen auf uns zukommt“, sagte Goris. Zusätzlich wirke das schwül-warme Wetter wie ein Katalysator und treibe die Entwicklung der Brut noch an.

    +++ Nach dem wetterbedingten Abbruch von „Rock am Ring“ haben alle Besucher das Festivalgelände verlassen. Einige Autos steckten aber nach wie vor im Matsch fest, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Derzeit überwachten Sicherheitsleute den Abbau von Bühne und Technik.

    Trinkwasser im hessischen Lorch verunreinigt

    +++ Nach starkem Regen ist die Trinkwasserversorgung im hessischen Lorch am Rhein teilweise unterbrochen. Betroffen sind die Ortsteile Ransel und Wollmerschied mit rund 880 Einwohnern. Sie werden nach Angaben der Kommune seit Montag provisorisch mit Trinkwasser aus Tankfahrzeugen versorgt. Wie lange die provisorische Versorgung noch dauere, sei bisher nicht abzuschätzen. Ransel und Wollmerschied werden laut Bürgermeister Jürgen Helbing (CDU) seit Jahrzehnten über ein Wasservorkommen aus der nahen Grube Kreuzberg versorgt. Um die Grube herum habe sich am Wochenende wegen des Regens ein See gebildet, der das Wasser verunreinige. Das Wasser werde dadurch zwar „nicht giftig“, sei aber „keinesfalls als Trinkwasser geeignet“. Der See werde derzeit von der Feuerwehr abgepumpt.

    +++ Nach den Überschwemmungen vergangene Woche fährt die Produktion im Audi-Werk in Neckarsulm bei Heilbronn wieder komplett hoch. „Mit der Frühschicht läuft die Produktion wieder im Serienbetrieb, die A4-Montage startet wie geplant zur Spätschicht“, sagte eine Audi-Sprecherin am Montag. Starker Regen hatte Teile des Werks Anfang vergangener Woche unter Wasser gesetzt. Die Produktion war vorübergehend komplett gestoppt worden, Teilbereiche waren schon am vergangenen Montag wieder angelaufen.

    +++ In den Hochwassergebieten im Landkreis Rottal-Inn laufen die Aufräumarbeiten sehr gut voran.Am Montag sollten auch 100 Bundeswehrsoldaten in Simbach am Inn anrücken. „Sie sollen die bisherigen Einsatzkräfte und freiwilligen Helfer unterstützen, die inzwischen an ihrer Belastungsgrenze angekommen sind“, sagte der Sprecher des Landratsamtes Rottal-Inn, Robert Kubitschek. Nach Informationen der Einsatzzentrale sollten die etwa 100 Pioniere aus dem niederbayerischen Bogen am Montagmittag in Simbach ankommen. Die Soldaten bringen auch zwei Schwenklader und einen Minibagger mit, um die Straßen vom Schlamm zu befreien. Eingesetzt werden die Soldaten sowohl in Simbach am Inn, aber auch in dem Nachbarort Triftern. „Wir haben so viele Gebiete, an denen wir sie einsetzen können“, sagte der Bürgermeister von Simbach, Klaus Schmid (CSU), am Montag.

    Unwetter ziehen über Deutschland: Tornados in Schleswig-Holstein

    +++ Beeindruckende Bilder sind am Sonntagabend in Schleswig-Holstein entstanden. Dort nämlich hatten sich gegen 18 Uhr mehrere Tornados gebildet, sowohl bei Flensburg, als auch bei Schleswig. Zum Glück wurde nach ersten Informationen niemand verletzt, auch größere Schäden blieben aus. Auf Twitter posteten die User mehrere Bilder und Videos des Naturschauspiels, der Passagier eines Flugzeuges filmte aus der Luft die wirbelnden Tornados.

    +++ In Bayern hat sich die Wetterlage zwar vorübergehend entspannt. Dennoch warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor einzelnen, teils kräftigen Gewittern am Nachmittag und Abend. Diese könnten vor allem im Alpenvorland, an den Alpen und an den Mittelgebirgen unwetterartig ausfallen.

    +++ Der regionale Bahnverkehr zwischen Aachen und der belgischen Stadt Lüttich ist am Sonntagabend wegen Überschwemmungen auf der Strecke eingestellt worden. Ein Lokführer habe Alarm geschlagen, nachdem er in einem Tunnel in der Gemeinde Trooz von Wassermassen überrascht worden sei, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga. Die Strecke sei daraufhin gesperrt worden. Als Ursache der Überschwemmungen wurden die jüngsten Unwetter genannt.

    Hochwasser und Unwetter in Deutschland: Das passierte am Sonntag, 5. Juni 2016

    +++ Unwetter haben am Sonntagabend im Raum Aschaffenburg auch in Unterfranken gewütet

    . Sie rissen binnen einer Viertelstunde zahlreiche Bäume um. In Alzenau blockierte zudem ein Bauzaun die Fahrbahn. Die Polizei meldete am Abend elf Straßensperrungen sowie einen überfluteten Keller und eine unterspülte Straße. „In der heißen Phase ging minütlich ein Notruf bei uns ein“, sagte ein Sprecher. Um 19.30 Uhr habe sich die Lage wieder beruhigt. 

    Bilder im Internet zeigten weiß überzogene Straßen, Augenzeugen berichteten von Hagelkörnern „so groß wie Tischtennisbälle“. In Großostheim (Landkreis Aschaffenburg) schlug ein Blitz in einen Telefonverteiler ein und setzte diesen in Brand. In derselben Straße musste die Feuerwehr einen Brand im Keller eines Einfamilienhauses löschen, dabei entstand erheblicher Sachschaden.

    +++ Im niederbayerischen Simbach am Inn bleiben nach den schweren Überschwemmungen die Schulen die ganze Woche geschlossen. Das bestätigte das Landratsamt Rottal-Inn am Sonntag. Die Abiturprüfungen am Gymnasium in Simbach fänden aber statt.

    +++ Nach den schweren Regengüssen im Landkreis Weilheim-Schongau hat sich die Lage rund um die Gemeinde Polling entspannt. Der am Sonntagmorgen ausgerufene Katastrophenfall wurde am Abend aufgehoben. Heftige Regengüsse hatten Straßen überflutet, Keller liefen voll.

    Junge auf Sportplatz vom Blitz getroffen

    Rettungskräfte an dem Sportplatz auf dem der 12-Jährige von einem Blitz lebensgefährlich verletzt wurde.

    +++ Ein zwölf Jahre alter Junge ist auf einem Sportplatz in Baden-Württemberg vom Blitz getroffen und lebensgefährlich verletzt worden. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, spielte der Junge mit einem Freund auf dem Fußballplatz nahe Aichwald, als ein Gewitter aufzog und der Zwölfjährige von einem Blitz getroffen wurde. Der Junge wurde in ein Krankenhaus gebracht. 13 weitere Menschen wurden leicht verletzt. Sie klagten über Unwohlsein und Kreislaufprobleme und wurden ambulant behandelt.

    +++ Im niederbayerischen Krisengebiet um Simbach am Inn blieb es Sonntag vergleichsweise ruhig. Die Aufräumarbeiten gehen dort weiter. Vielfach ist die Versorgung über das Leitungssystem wieder hergestellt, so das Landratsamt am Sonntag. Es gebe aber quantitative und qualitative Einschränkungen. Das Krankenhaus etwa müsse weiter mit Tankwagen versorgt werden. „Ab Montag dürfte es wieder laufen“, sagte ein Sprecher.

    Unwetter: 71 Menschen bei „Rock am Ring“ verletzt 

    +++ Bei den Blitzeinschlägen bei „Rock am Ring“ in der Eifel sind nach jüngsten Angaben 71 Menschen verletzt worden. Diese Zahl bestätigte am Sonntag ein Sprecher des Roten Kreuzes. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) hatte am Samstag noch von „bis zu 82“ Verletzten gesprochen.

    +++ Im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau bleibt die Lage angespannt: „Wir haben immer wieder überflutete Straßen mit teilweisen Sperrungen“, schilderte Fabian Bernhardt, Polizeisprecher vom Polizeipräsidum Oberbayern Süd, die Lage im Oberland.

    +++ Ein Ausblick in die neue Woche: Im Südwesten drohen weitere Unwetter. An diesem Montag sei jedoch vorübergehend mit einer Wetterberuhigung zu rechnen, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Sonntag in Offenbach mit. Lediglich westlich des Rheins sowie am Alpenrand gebe es Potenzial für unwetterartige Entwicklungen. Die Temperaturen steigen auf 18 bis 24 Grad an der Küste sowie am Alpenrand, sonst auf 24 bis 30 Grad.

    +++ Hochwasser herrscht derzeit nicht nur in Deutschland, auch Frankreich und Australien sind betroffen. Wir haben Bilder aus aller Welt:

    Bilder Hochwasser Welt

    +++ Im tiefen Schlamm haben Tausende von Besuchern am Sonntag nach Abbruch des Festivals „Rock am Ring“ den Heimweg angetreten. Die Campingplätze in Mendig in der Eifel waren kurz nach Mittag weitgehend geräumt, wie ein Polizeisprecher sagte.

    Bis 12.00 Uhr sollten die Plätze auf Anordnung der Behörden leer sein, da am früheren Nachmittag neue Gewitter mit Böen erwartet wurden.

    Hochwasser: Seehofer nach Besuch in Simbach erschüttert

    +++ Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer ist erschüttert von der Zerstörungskraft der Flug. Hier fassen wir seinen Besuch in Simbach zusammen.

    +++ In anderen Teilen Niederbayerns schüttete es erneut heftig. In dem Kurort Bad Abbach (Landkreis Kelheim) gingen zahlreiche Notrufe ein. Umgefallene Bäume blockierten Straßen, Keller und Tiefgaragen liefen voll, Straßen und Unterführungen waren überschwemmt oder verschlammt. Auch Straubing und Deggendorf traf es. „In Osterhofen wurde sogar ein Spitzenwert von 53 Litern Regen pro Quadratmeter und Stunde gemessen“, sagte ein Meteorologe des DWD.

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    Im Überschwemmungsgebiet am Inn haben Statiker mit der Überprüfung der beschädigten Häuser begonnen. „Wir klären, ob ein Haus einsturzgefährdet ist und wie umfangreich die Sanierungsmaßnahmen sein könnten“, erläuterte der Bürgermeister von Simbach am Inn, Klaus Schmid (CSU), am Sonntag. Die Gebäude werden dann an der Fassade entsprechend markiert.

    Viele der Anwohner waren überstürzt vor der Flutwelle geflüchtet und haben bislang ihre schwer beschädigten Häusern noch gar nicht gesehen. „Notfallseelsorger und Mitarbeiter der Kriseninterventionsteam werden sie bei der Rückkehr zu den Häusern begleiten“, erläuterte Schmid.

    +++ Entspannung zeichnet sich unterdessen im niederbayerischen Simbach ab: Die Gewitter waren diesmal dort vorbeigezogen, die Aufräumarbeiten gingen weiter.

    +++ Betroffen von der aktuellen Großwetterlage sind auch Franken und die Oberpfalz: In Weiden wurde eine Unterführung geflutet. In Schwarzach beim oberpfälzischen Nabburg (Landkreis Schwandorf) schlug ein Blitz in eine Scheune ein. Bei dem Brand wurde niemand verletzt, es entstand jedoch mehrere tausend Euro Schaden. Bei Oberdachstetten im fränkischen Landkreis Ansbach liefen bereits am Samstagabend einige Keller voll; eine Straße nahe der Bahnlinie wurde zudem überflutet, wie der Leiter der Integrierten Leitstelle Ansbach berichtete. Die Bahnstrecke Treuchtlingen-Würzburg wurde deshalb teilweise vorübergehend gesperrt.

    Katastrophenfall im Landkreis Weilheim-Schongau

    +++ Für den oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau wurde Katastrophenalarm ausgelöst. Ein Bürgertelefon ist eingerichtet unter 0881/681-1100.

    +++ In den Hochwassergebieten in Niederbayern soll jetzt auch die Bundeswehr vermehrt unterstützen. „Es sind Truppen angefordert. Wir erwarten für Sonntag oder Montag etwa 100 Mann“, sagte der Sprecher des Landratsamtes Rottal-Inn, Robert Kubitschek, am Sonntag.

    Schwere Räumfahrzeuge werden aber nicht benötigt. „Es sind schon viele Lastwagen und Bagger in den engen Straßen unterwegs. Wenn noch mehr dort hinkämen, wäre es auch für die Helfer gefährlich.“ Die Flutwelle in Niederbayern hat sieben Todesopfer gefordert und nach Schätzungen des Landratsamtes einen Schaden von mehr als einer Milliarde Euro verursacht.

    +++ Gute Nachrichten gibt es derweil aus Frankreich: Die Pegelstände der Seine sinken weiter und standen am Sonntag um 3 Uhr bei 5,85 Metern.

    +++ Angespannt bleibt die Lage auch im Landkreis Weilheim-Schongau: Am Freitagabend waren es die Gemeinden Peißenberg und Hohenpeißenberg, am Sonntagmorgen meldet die Polizei, dass nun die Ortschaften Oberhausen (Ortsteil Etting) und Polling am stärksten betroffen seien. "Die Rettungs- und Hilfsorganisationen versuchen mit vereinten Kräften die Lage in den Griff zu bekommen", heißt es in einer morgendlichen Meldung der Polizei.

    +++ "Rock am Ring" kapituliert: Das Rockfestival in der Eifel wurde vorzeitig abgebrochen. Die Verbandsgemeinde Mendig entzog die Genehmigung für die Fortsetzung der Veranstaltung mit rund 90 000 Besuchern, wie eine Sprecherin des Veranstalters am Sonntagmorgen mitteilte.

    +++ Im Juni 2013, wurde der Deggendorfer Ortsteil Fischerdorf (Landkreis Deggendorf) vom Hochwasser völlig verwüstet. Heute, drei Jahre nach der Katastrophe, erinnern sich die Betroffenen - und fühlen mit den Menschen im Kreis Rottal-Inn.

    Das passierte am Samstag, 4. Juni:

    +++ Die höchste Warnstufe wurde auf weitere Landkreise ausgeweitet: In Bayern sind nun auch Straubing-Bogen/Stadt Straubing und Deggendorf, im Norden Ludwigslust-Parchim-WestPrignitz und Lüchow-Dannenberg betroffen.

    +++ Jetzt ist auch für die Kreise Uelzen und Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen die höchste Warnstufe ausgerufen worden.

    +++ Für die bayerischen Landkreise Landshut, Mühldorf am Inn, Erding und Altötting herrscht seit Samstag ca. 18 Uhr die höchste Unwetter-Warnstufe (violett). Der bisher schon stark getroffene Kreis Rottal-Inn liegt ganz in der Nähe. Es drohen schwere Gewitter mit heftigem Starkregen und Hagel.

    Die zweithöchste Warnstufe (rot) herrscht in zahlreichen weiteren Landkreisen in ganz Deutschland.

    • Bayern: Traunstein, Kreis und Stadt Rosenheim, Berchtesgadener Land, Unterallgäu, Stadt Memmingen, Landshut, Mühldorf am Inn, Miesbach, Günzburg, Ansbach und Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim.
    • Rheinland-Pfalz: Kaiserslautern, Stadt Trier, Kreis Trier-Saarburg Kusel und Birkenfeld.
    • Nordrhein-Westfalen: Rhein-Kreis Neuss und Stadt Düsseldorf.
    • Saarland: Merzig-Wadern.

    +++ Nach den verheerenden Überschwemmungen in Niederbayern hat Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) den betroffenen Menschen umfangreiche finanzielle Unterstützung versprochen. "Wir werden uns bei den zusätzlichen Mitteln an das Jahrhunderthochwasser 2013 anlehnen", sagte Seehofer am Samstag in Simbach am Inn. Zuvor hatte sich der Ministerpräsident ein eigenes Bild der Zerstörung in Simbach am Inn gemacht. Am Dienstag wolle er im Kabinett über die Hilfsmaßnahmen sprechen und diese so schnell wie möglich auch beschließen. "Ich will auch wissen, was zusätzlich möglich ist an Härtefallregelungen." Zudem werde er auch an den Bund herantreten.

    Landrat schätzt: Eine Milliarde Euro Schaden durch Flutwelle!

    +++ Die Flutwelle in Niederbayern hat nach einer neuen Schätzung einen Schaden von mehr als einer Milliarde Euro verursacht. Diese Zahl nannte der Landrat von Rottal-Inn, Michael Fahmüller (CSU), am Samstag in Simbach am Inn, dem Ort, der von den Sturzfluten am stärksten betroffen war. "Es sind mehr als 5000 Haushalte betroffen, 500 Häuser schwer beschädigt, die wohl nicht mehr sanierbar sind", sagte Fahmüller. Zuvor war er gemeinsam mit Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) durch den zerstörten Ort gegangen. Zweihundert Brücken sind alleine in seinem Landkreis zerstört, ganze Straßenzüge komplett weggespült, Hunderte Fahrzeuge haben Totalschaden erlitten, viele Wirtschaftsbetriebe in ihrer Existenz bedroht.

    "Ich fordere die die gleiche Förderung wie bei dem Jahrhunderthochwasser an der Donau 2013, die gleichen Bundesprogramme und Fonds, damit unser Landkreis wieder eine Zukunft hat", sagte Fahmüller. Seit Freitag wurden bereits 2,6 Millionen an Sofortgeld ausgezahlt. Jeder betroffene Haushalt bekommt 1500 Euro.

    Horst Seehofer spricht mit Helfern in Simbach am Inn.

    +++ Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat sich am Samstag bei einem Besuch in den niederbayerischen Hochwassergebieten erschüttert vom Ausmaß der Zerstörungen gezeigt. "Wenn man das nicht mit eigenen Augen sieht, kann man es nicht glauben", sagte er angesichts der Zerstörungen. Die Fernsehbilder könnten nicht das Ausmaß der Verwüstung zeigen.

    Seehofer dankte den vielen Helfern von Technischem Hilfswerk, Rotem Kreuz, Feuerwehr und auch den vielen freiwilligen Helfern. Einer der jungen Männer sagte zu Seehofer: "Es ist echt schön, dass die Politik die Menschen hier nicht im Stich lässt." Der Ministerpräsident erwiderte: "Das wäre ja noch schöner, das ist so dramatisch hier."

    +++ Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer ist mittlerweile in Simbach am Inn eingetroffen. Zusammen mit dem Landrat von Rottal-Inn, Michael Fahmüller besichtigt er die von den Wassermassen zerstörte Stadt und berät mit Kommunalpolitikern im Rathaus über die aktuelle Lage.

    Bürgermeister fordert Helfer auf umzukehren

    Viele fleißige Hände helfen nach dem Hochwasser zusammen. Zu viele anscheinend, denn die Zufahrtsstraßen nach Simbach sind kurz vorm Kollaps.

    +++ Die Hilfsbereitschaft im Hochwassergebiet im niederbayerischen Simbach am Inn ist derart groß, dass am Samstag ein Chaos auf den Zufahrtswegen ausgebrochen ist. Derzeit werden keine zusätzlichen Helfer mehr benötigt, teilten Polizei und Landratsamt Rottal-Inn am Samstag mit. Die eingerichteten Parkplätze sind total überfüllt und weiter ankommende Helfer können nicht mehr zu den betroffenen Hochwassergebieten gebracht werden.

    Simbachs Bürgermeister Klaus Schmid (CSU) sagte, dass die Zufahrtsstraßen komplett verstopft sind. „Sie brauchen zwei Stunden mehr als sonst. Helfer, die noch auf dem weg sind, sollten umkehren“, betonte Schmid. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist enorm: Am Freitag hatten in Simbach etwa 1000 Freiwillige geholfen. Am Samstag war die Zahl noch höher.

    Die Nacht: Überflutete Ställe und Dauereinsatz für die Feuerwehr

    +++ Unwetter und starke Regenfälle haben zu Beginn des Wochenendes in ganz Bayern zu kleineren Überschwemmungen und Erdrutschen geführt. Der Deutsche Wetterdienst(DWD)verzeichnete am Samstag kräftige Gewitter mit heftigem Niederschlag im Norden des Freistaats sowie am Alpenrand.

    Nach Polizeiangaben rettete die Feuerwehr im oberfränkischen Landkreis Coburg etliche Rinder aus einem überfluteten Stall; Straßen waren hier wegen umgestürzter Bäume und übergelaufener Gullydeckel gesperrt. Im Dauereinsatz waren die Feuerwehren auch in anderen Teilen Bayerns, vor allem um vollgelaufene Keller auszupumpen oder überflutete Unterführungen zu sichern.

    Auszahlung der Soforthilfe hat begonnen

    +++ Nach den verheerenden Schäden durch das Hochwasser hat am Samstagmorgen die Auszahlung der Soforthilfe im niederbayerischen Simbach am Inn begonnen. „Der Ansturm ist enorm. Eine halbe Stunde nach Öffnung des Rathauses um 07:00 Uhr haben sich schon 140 Menschen registrieren lassen“, sagte der Bürgermeister von Simbach am Inn, Klaus Schmid (CSU). Bis die Menschen letztendlich das Geld in der Hand hatten, dauerte es oft mehr als zwei Stunden.

    Jeder betroffene Haushalt erhält 1500 Euro, um das Notwendigste zu kaufen. Hunderte Häuser waren allein in Simbach von der schlammigen Flutwelle durchspült worden. Viele Bewohner kommen noch immer nicht in ihre Häuser. Am ersten Tag der Auszahlung am Landratsamt in Pfarrkirchen hatten am Freitag 682 Menschen die Soforthilfe abgeholt. Insgesamt wurde mehr als eine Million Euro ausgezahlt.

    Dieses Auto wurde durch die Fluten ziemlich zerstört.

    +++ In den Überschwemmungsgebieten in Niederbayern gehen die Aufräumarbeiten schrittweise voran. „Von Entspannung kann aber noch nicht die Rede sein“,  sagte der Bürgermeister von Simbach am Inn, Klaus Schmid (CSU), am Samstagmorgen. Hunderte Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW und Wasserwacht waren bereits am frühen Morgen dabei, die Straßen von Müll und Schlamm zu säubern. Zudem hatten sich bereits mehr als 100 freiwillige Helfer angemeldet. „Es ist unglaublich, wie viele junge Menschen helfen“, sagte Schmid. Nach seinen Informationen gibt es keine Vermissten mehr. Jetzt gelte es, die Strom- und Wasserversorgung wieder herzustellen.

    Das passierte am Freitag, 3. Juni:

    +++ Nach den verheerenden Überschwemmungen will Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Samstag den Landkreis Rottal-Inn besuchen. Am frühen Nachmittag will er sich im Rathaus von Simbach über die Lage informieren lassen und Gespräche mit Kommunalpolitikern und Helfern führen. Nach Angaben der Staatskanzlei besichtigt er anschließend in Simbach die von der Flutkatastrophe betroffenen Gebiete.

    Festival "Hammer Summer" wegen Unwetter abgesagt

    +++ Im westfälischen Hamm fuhr die Feuerwehr nach dem Durchzug von Starkregen und heftigen Windböen am späten Nachmittag 50 Einsätze, wie ein Sprecher berichtete. Bäume waren umgestürzt und auf Dächer gefallen, Dachziegel wurden losgerissen. Die Feuerwehr musste ein Baugerüst sichern. Außerdem wurde das Fest "Hammer Summer" abgesagt.

    +++ Besonders betroffen von den starken Regenfällen am Freitagabend war der oberbayerische Landkreis Weilheim-Schongau. In der Gemeinde Peißenberg waren nach Polizeiangaben mehrere Straßen so stark überflutet, dass sie komplett gesperrt werden mussten. Der Verkehr wurde entsprechend umgeleitet. Auch in Hohenpeißenberg musste eine Straße gesperrt werden, nachdem die Wassermassen sehr viel Erdreich an einem Hang mitgerissen hatten. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in München fielen in dem Landkreis binnen zwei Stunden mehr als 50 Liter Regen pro Quadratmeter.

    Peißenberg am Abend des 3. Juni 2016.

    +++ In den betroffenen Gebieten in Bayern laufen am Freitagabend nach den Regenfällen S-Bahn-Unterführung voll, eine Fahrbahn auf der Autobahn steht unter Wasser und Bäche laufen erneut über.

    +++ Heftiger Regen hat im Landkreis Ansbach erneut Bäche und Seen über die Ufer treten lassen. Zahlreiche Keller liefen am Donnerstagabend mit Wasser voll, Fahrbahnen wurden überflutet, berichtete Dominik Wenninger von der Integrierten Leitstelle Ansbach am Freitag. Die Einsatzkräfte konnten nach Auskunft einer Sprecherin des Landratsamtes Ansbach rechtzeitig eingreifen. Dadurch seien größere Schäden vermieden worden. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand. Die Stadt Ansbach sei vom neuerlichen Hochwasser verschont geblieben.

    +++ Am Montag fällt an einigen Schulen im Überschwemmungsgebiet erneut der Unterricht aus, darunter am Gymnasium in Simbach am Inn. Die Abiturprüfungen dort fänden aber statt, teilte das Landratsamt mit.

    +++ Eine kleine Exkursion ins ebenfalls betroffene Nachbarland: Wegen des steigenden Hochwassers der Seine schließen in Paris immer mehr Museen. Nach dem weltberühmten Louvre und dem Orsay-Museum ist seit Freitag auch der Grand Palais nicht mehr geöffnet. Die am Seine-Ufer gelegenen Museen bringen ihre Kunstschätze teilweise in höher gelegene Stockwerke in Sicherheit oder verlagern sie in Depots. Das Orsay-Museum werde nicht vor Dienstag öffnen, sagte Direktor Guy Cogeval. Neben den bekannten Pariser Kunsttempeln hat auch die französische Nationalbibliothek François Mitterrand geschlossen. Laut Umweltministerium wird ein Höchststand von bis zu sechseinhalb Metern erwartet.

    Vermisstes Ehepaar aus Simbach gerettet

    +++ Das seit Tagen als vermisst gemeldete ältere Ehepaar aus Simbach am Inn ist bereits am ersten Tag der Hochwasserkatastrophe gerettet worden. Die beiden seien bereits am Mittwoch aus ihrem mit Wasser vollgelaufenen Keller geborgen und mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden, sagte ein Sprecher des Landratsamtes Rottal-Inn am Freitag. Der 81 Jahre alte Mann und seine 77-jährige Frau galten seitdem fälschlicherweise als vermisst. Der fatale Irrtum habe sich erst am Freitag aufgeklärt. Über den Gesundheitszustand machte der Sprecher keine Angaben.

    +++ Eine ungewöhnlich hartnäckige Großwetterlage ist verantwortlich für die Unwetter mit Starkregen in Deutschland. "Ausmaß und Andauer des Unwettergeschehens sind absolut außergewöhnlich", schreiben Experten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in einem am Freitag veröffentlichten Zwischenbericht. Nur alle 100 Jahre falle so viel Regen in kurzer Zeit wie beispielsweise in den betroffenen baden-württembergischen Orten, wo am vergangenen Sonntag mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter in weniger als sechs Stunden niedergingen.

    Seit Fronleichnam (26. Mai) beherrsche die Großwetterlage „Tief Mitteleuropa“ das Wetter in Deutschland. Eine solche Wetterlage habe auch die Jahrhunderthochwasser 2013 in Süddeutschland und 2002 an der Elbe ausgelöst.

    +++ Neben der Suche nach Vermissten und den Aufräumarbeiten ist die Wasserversorgung der Menschen in Simbach am Inn eine der dringendsten Aufgaben. Seit Beginn der Hochwasserkatastrophe am Mittwoch gibt es kein fließendes Wasser. Das Technische Hilfswerk (THW) hat am Freitag im Katastrophengebiet eine Wasseraufbereitungsanlage aufgebaut. "Die Anlage könnte sofort in Betrieb gehen", sagte Adrian Degwert vom THW Starnberg.

    In einigen Haushalten in Simbach könnte bereits am späten Freitagabend oder Samstagmorgen das Wasser wieder fließen. "Das komplett leere Netz müssen wir aber langsam füllen, damit es nicht beschädigt wird", erläuterte der Leiter des Wasserwerkes in Simbach, Josef Eichinger.

    Anwohner sitzen in Simbach zwischen Schlamm und umgefallenen Bäumen.

    +++ Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU)hat Schaulustige im niederbayerischen Überschwemmungsgebiet zum Anpacken aufgerufen. "Sich an menschlichen Katastrophen ergötzen und dabei Menschen im Weg stehen, die anderen Menschen in der Not helfen wollen, ist alles andere als lustig. Das gehört sich einfach nicht. Es ist schlichtweg unverschämt", sagte Herrmann am Freitag. "Helfen statt gaffen - das ist das, was wir in Notsituationen brauchen."

    Die Hilfsbereitschaft der Menschen vor Ort sei groß. Herrmann lobte auch die Arbeit der Helfer. Bisher waren mehr als 300 Polizeibeamte im Einsatz, zudem 3000 Helfer der Freiwilligen Feuerwehr, mehr als 750 von freiwilligen Hilfsorganisationen sowie 200 vom Technischen Hilfswerk. „Sie sind ein festes Standbein unserer Gesellschaft.“

    Vermisstes Ehepaar gefunden

    +++ Helfer konnten inzwischen in Simbach ein vermisstes Ehepaar retten. Der 81 Jahre alte Mann und seine 77-jährige Frau seien nach ersten Informationen von Helfern aus einem weiter überfluteten Keller geholt worden. Laut Polizei sind beide unversehrt. Damit werden im niederbayerischen Überschwemmungsgebiet keine Personen mehr vermisst.

    +++ Noch immer werden vier Menschen vermisst. Freunde und Angehörige meldeten sich bei der Polizei, nachdem sie die gesuchten Personen nicht erreichen konnten.
    Insgesamt hätten Bergwacht und Wasseracht binnen der ersten 24 Stunden bei 390 Einsätzen rund 150 Menschen aus lebensbedrohlichen Situationen gerettet, teils mit Hilfe von mit Hubschraubern und Booten.

    +++ Der Deutsche Wetterdienst warnte unterdessen für ganz Bayern für das Wochenende vor neuen teils schweren Gewittern. "Wir bleiben in dieser feuchtwarmen Luftmasse bis zum Sonntag", sagte Meteorologe Volker Wünsche in München. "Die punktgenaue Vorhersage, wo genau zu welchem Zeitpunkt mit welcher Intensität ein Ereignis auftritt, ist aber nicht möglich."

    Hochwasserexperte: So können zukünftige Flut-Katastrophen verhindert werden

    +++ Nach den starken Überschwemmungen stellt sich die Frage, wie man in Zukunft derartige Flut-Katastrophen verhindern kann? Laut dem Hochwasserexperten Wolfgang Günthert ist das mit 3D-Modellen und Simulationen möglich. "Jede Kommune sollte dringend - solange es noch trocken ist - eine Gefahrenanalyse in ihrem Gebiet durchführen", sagte der Vorsitzende des Landesverbands Bayern der Deutschen Vereinigung Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) am Freitag in München. "Sogenannte urbane Sturzfluten, die ohne Vorwarnzeit innerhalb von wenigen Stunden passieren, können überall in Deutschland entstehen".

    Im Krankenhaus erlag ein weiteres Opfer seinen Verletzungen.

    Für die Analyse erstellen Ingenieure 3D-Modelle der Region. Dannwird durchgespielt, welchen Weg sich das Wasser sucht, wenn Starkregen einsetzt. „So kann im Trockenen herausgefunden werden, wo das Wasser hinfließt, wo es Überstaus gibt und welche Häuser und Regionen im Ernstfall besonders gefährdet sind“, sagte Günthert. Als Maßnahmen können dann an den betroffenen Stellen durchlässige Böden eingesetzt, Schwellen wie Dämme eingebaut und Rückhaltebecken installiert werden.

    Die Kosten für das Modellexperiment liegen bei rund 100 000 Euro. "Das ist aber nur ein Bruchteil dessen, was entsteht, wenn es wirklich zu einer Katastrophe kommt", sagte Günthert. "Ganz zu schweigen von den Todesopfern, die so vermutlich verhindert werden."

    +++ In Simbach werden weiterhin Parkmöglichkeiten für alle Helfer geschaffen. Die Polizei in Niederbayern hat alle Menschen, die sich an den Aufräumarbeiten beteiligen wollen, darum gebeten, in Simbach darum gebeten, nicht in der Lagerhausstraße zu parken, da dort der Platz für Großgerät- und Räumfahrzeuge benötigt wird. Helfer, die mit dem Auto kommen, können im Bereich der Heraklithstraße beim Tennisplatz oder in der Kiesstraße beim Bauhof zu parken.

    Umweltschützer kritisieren industrielle Landwirtschaft

    +++ Nach Ansicht von Umweltschützern spielt bei der Flutkatastrophe in Niederbayern auch die industrielle Landwirtschaft und der Verlust von Wiesen und Weiden eine Rolle. Besonders der Mais, der einen Anbauschwerpunkt in der vom Hochwasser betroffenen Region hat, steht in der Kritik. Früheres Grün- und Weideland als Rückhaltefläche für Wasser sei immer mehr in Acker vor allem für den Maisanbau umgewandelt worden, sagte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

    Komme der Regen, werde die fruchtbare Ackerkrume einfach weggeschwemmt. "Der Boden wird abgeschwemmt. Das sind die braun-gelben Fluten, die man dann in den Bächen und Flüssen sieht."

    Das Hochwasser zeige einmal mehr, dass das vordringliche Ziel der Klimaschutz sein müsse. "Hoffentlich merken es nun die Letzten, dass wir uns mitten im Klimawandel befinden - und dass die Niederschläge immer unberechenbarer und größer werden." Die Politik müsse erkennen, dass eine Begrenzung der Klimaerwärmung um 1,5 Grad bis 2015 "kein Luxusziel" sei, sondern "ein schlichtes Ziel, um das Überleben zu sichern".

    +++ Heftiger Regen hat im Landkreis Ansbach erneut Bäche und Seen über die Ufer treten lassen. Zahlreiche Keller liefen am Donnerstagabend mit Wasser voll, Fahrbahnen wurden überflutet, berichtete Dominik Wenninger von der Integrierten Leitstelle Ansbach am Freitag. Die Einsatzkräfte konnten nach Auskunft einer Sprecherin des Landratsamtes Ansbach rechtzeitig eingreifen. Dadurch seien größere Schäden vermieden worden.

    Über die Integrierte Leitstelle wurden die Feuerwehren zu 15 Einsätzen alarmiert. „Die tatsächliche Zahl dürfte aber darüber liegen, da viele Leute gar nicht mehr bei uns anrufen, sondern direkt die Einsatzkräfte in den Ortschaften ansprechen“, sagte Wenninger. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand. Die Stadt Ansbach sei vom neuerlichen Hochwasser verschont geblieben.

    Betroffene des Unwetters in Mittelfranken können ab sofort einen Antrag auf Sofortgeld stellen. Die notwendigen Mittel seien der Stadt Ansbach sowie den Landratsämtern bereits zur Verfügung gestellt worden, teilte die Regierung von Mittelfranken am Freitag mit. Das Geld könne von allen beantragt werden, die sich aufgrund des Unwetters in einer Notlage befänden. Im Internet können die notwendigen Formulare heruntergeladen werden.

    Zahl der Todesopfer steigt auf sieben

    +++ Wie br.de berichtet, ist am Freitag ein weiteres Opfer an den Folgen der Überschwemmungen gestorben. Damit ist die Opferzahl auf sieben angestiegen. Dabei handelt es sich um einen Mann, der eine Herzattacke erlitten hatte. Zunächst sei er ins Krankenhaus nach Eggenfelden gebracht worden, wo es eine Spezialstation für Herzerkrankungen gebe. Der 72-Jährige erlag dann jedoch seinen Verletzungen. Das bestätigte ein Polizeisprecher.

    Maximilian Winbeck mit der geretteten Katze.

    +++ Nicht nur Dramen spielen sich seit Mittwoch in Niederbayern ab. Es gab auch berührende Momente, in denen das kleine Glück die Oberhand behielt. So gelang es dem Technischen Hilfswerk (THW) in Simbach, eine Katze aus einem überfluteten Haus zu retten, wie die Organisation am Freitag mitteilte. Eine Anwohnerin habe nach der Rettung dann einen Katzenkorb und Katzenfutter vorbeigebracht, während sich das völlig durchnässte Tier an den THW-Helfer Maximilian Winbeck vom THW Ortsverband Landshut klammerte. Höchstpersönlich brachte er die Katze ins Tierheim.

    +++ Das Landratsamt Rottal-Inn hat Opfern der Flutkatastrophe am Freitag binnen weniger Stunden Sofortgelder in Höhe von insgesamt 645.000 Euro ausgezahlt. Die meisten holten das Geld gleich früh morgens - allein 150 Menschen waren es in der ersten Stunde bis 08.00 Uhr. „Ich hoffe persönlich, dass diese erste Unterstützung den schwer getroffenen Menschen eine echte Hilfe ist, um die ersten Tage nach der Katastrophe abzufedern“, betonte Landrat Michael Fahmüller. Jeder Haushalt bekommt seit Freitag 1500 Euro, um die nötigsten Dinge anzuschaffen. Die Auszahlung werde auch am Samstag weitergehen.

    +++ Nach den verheerenden Überschwemmungen in Niederbayern wird Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Samstag den Landkreis Rottal-Inn besuchen. Am frühen Nachmittag wird er sich im Rathaus von Simbach über die Lage informieren lassen und Gespräche mit Kommunalpolitikern und Helfern führen, wie die Staatskanzlei am Freitag mitteilte. Anschließend besichtigt er in Simbach die von der Flutkatastrophe betroffenen Gebiete. Die „Passauer Neue Presse“ hatte als erstes über den Seehofer-Besuch berichtet.

    Taucher suchen vermisstes Ehepaar

    +++ In Simbach suchen Taucher weiterhin nach einem vermissten Ehepaar. "Wir wissen momentan noch gar nichts", sagte Polizeisprecher Michael Emmer am Freitag. Der Keller des Wohnhauses stehe wie viele andere Keller noch unter Wasser. Der 81 Jahre alte Mann und seine 77-jährige Frau waren am Donnerstag als vermisst gemeldet worden. Es ist aber unklar, ob sie überhaupt zu Hause waren. Da viele Häuser einsturzgefährdet sind, wird erst die Statik geprüft, bevor Taucher oder Helfer hinein können. Zahlreiche besorgte Bürger meldeten sich bei der Polizei, weil sie Angehörige nicht erreichen konnten. In den meisten Fällen gab es aber inzwischen Entwarnung.

    +++ Im Süden Belgiens ist ein Mann bei dem Versuch gestorben, seine Bienenstöcke vor Hochwasser in Sicherheit zu bringen. Der etwa 60 Jahre alte Mann galt im Dorf Harsin seit Donnerstagabend als vermisst, wie ein Sprecher der übergeordneten Gemeinde Nassogne der Nachrichtenagentur AFP am Freitag sagte.

    Er sei durch den Fluss Wamme mitgerissen worden. Am Freitagvormittag hätten Rettungskräfte seine Leiche entdeckt. Belgien war von den Überschwemmungen in Europa in den vergangenen Tagen zunächst weitgehend verschont geblieben. In den Ardennen traten aber mehrere Flüsse und Bäche über die Ufer, einige Straßen mussten wegen Schlammlawinen gesperrt werden. Einige dutzend Menschen mussten in Notunterkünfte gebracht werden.

    Auch in Paris herrscht wegen Überschwemmungen an der Seine der Ausnahmezustand

    +++ Auch in Paris herrscht aufgrund schwerer Niederschläge an manchen Orten der Stadt der Ausnahmezustand. Die Seine den höchsten Pegelstand seit fast 35 Jahren erreicht. Am Freitagmorgen lag der Pegel nach Angaben der Behörden bei 5,55 Meter und könnte im Tagesverlauf auf 6,20 Meter ansteigen.

    Wegen Überschwemmungen sind inzwischen viele Uferstraßen gesperrt, der Schiffsverkehr auf der Seine wurde gestoppt. Das weltberühmte Louvre-Museum und das Impressionisten-Museum Musée d'Orsay am Seine-Ufer blieben am Freitag geschlossen: Aus Angst vor Überschwemmungen wurden in den Untergeschossen gelagerte Werke in höhere Etagen gebracht.

    Zum Vergleich: Vor einer Woche betrug der Pegelstand des Flusses in Paris noch rund 1,30 Meter. Einen höheren Pegel als am Freitagvormittag gab es zuletzt 1982, damals erreichte die Seine in der französischen Hauptstadt eine Höhe von 6,15 Metern. Bei der Jahrhundertflut im Jahr 1910 stieg die Seine auf 8,62 Meter an. Die Überschwemmungen haben auch in der Region um Paris und in der Loire-Region zu schweren Verwüstungen geführt. Am Donnerstag wurde ein Reiter im südwestlich von Paris gelegenen Evry-Grégy-sur-Yerres von den Wassermassen fortgerissen. Die Leiche des 74-Jährigen wurde zwei Stunden später geborgen. Seit Beginn der heftigen Regenfälle am vergangenen Wochenende rückte die Feuerwehr landesweit zu 16.000 Einsätzen aus. 20.000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht.

    Die Turnhalle in Simbach steht erst seit sechs Monaten.

    +++ In Simbach helfen Eltern, Schüler und Asylbewerber mit, die überflutete Turnhalle mitten im Ort zu räumen. Die Halle steht erst seit sechs Monaten. 

    +++ Bei den Aufräumarbeiten in Simbach zeigt auch eine Gruppe von syrischen Asylbewerbern große Hilfsbereitschaft. "Sie sind gut drauf und sorgen mit ihrem ständigen Lächeln für gute Stimmung", berichtet Jana Kirchner, deren Casino von der Flutwelle am Mittwoch komplett zerstört wurde. Insgesamt sind wohl rund 25 Asylbewerber unter den Helfern.

    +++ Die Hochwasserlage im Landkreis Passau hat sich entspannt. Landrat Franz Meyer hob deshalb am Freitag den Katastrophenfall auf, wie das Landratsamt mitteilte. Damit werde auch die zentrale Koordinierung der Einsätze über die Einsatzzentrale im Landratsamt beendet. Die Aufräumarbeiten und weiteren Einsätze unterliegen nun der Verantwortung der Ortsfeuerwehren und Gemeinden. Auch im Landkreis Passau hatten am Mittwoch Überschwemmungen große Schäden verursacht. Allerdings war die Lage dort nicht ganz so schlimm wie im benachbarten Landkreis Rottal-Inn, wo durch das verheerende Hochwasser mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen waren.

    Unwetterwarnungen: Neue Gewitter im Anmarsch

    +++ Nach einer relativ ruhigen Wetter-Nacht sind neue Gewitter im Anmarsch. Für den Freitagnachmittag erwarteten die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wieder schwere Gewitter mit Unwetterpotenzial und viel Regen. Betroffen seien Teile von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, der Norden von Baden-Württemberg und Bayern, sagte Meteorologe Christian Herold.

    Die Gewitter verlagern sich nur sehr langsam, deshalb müsse erneut mit heftigen Regenfällen gerechnet werden. Mehr als 25 Liter pro Quadratmeter könnten in kurzer Zeit zusammenkommen, lokal seien über 35 Liter pro Quadratmeter möglich, und auch extreme Unwetter mit über 60 Litern pro Quadratmeter und Hagel seien nicht ausgeschlossen.

    Das Spendenlager am Bauhof in Simbach. Hier können Hilfsgüter abgegeben und abgeholt werden.

    +++ Der Simbacher Bauhof dient ebenfalls als Sammelstelle für Personen, die in der Not helfen wollen. Viele Menschen vor Ort, darunter auch zahlreiche Jugendliche, sind sehr hilfsbereit und werden mit Shuttlebussen an die Stellen gefahren, wo es besonders dringend Hilfe benötigt.

    +++ Wie unser Reporter vor Ort berichtet, gibt es in Simbach eine Welle der Hilfsbereitschaft. So wurde am Simbacher Bauhof in der Heraklithstraße ein Sammellager für Hilfsgüter eingerichtet. Dort können Sachgegenstände abgegeben und abgeholt werden. Zuletzt wurde in verschiedenen Medien fälschlicherweise berichtet, es sei keine Spendenverteilung eingerichtet worden. Dabei sei das Spendenlager mittlerweile voll mit Sachgegenständen für Bedürftige.  

    +++ Nach den schweren Überschwemmungen in Deutschland hat der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Christoph Unger, die Meteorologen gegen den Vorwurf in Schutz genommen, zu spät vor den Unwettern gewarnt zu haben. "Der Deutsche Wetterdienst hat frühzeitig auf diese gefährliche Omega-Wetterlage hingewiesen, die immer mit starken Niederschlägen verbunden ist", sagte Unger der "Passauer Neuen Presse" vom Freitag.

    "Dass eine solche Wetterfront kommt, hätte eigentlich allen klar sein müssen", zeigte sich Unger überzeugt. Ganz unvorbereitet hätten die Gemeinden nicht gewesen sein können. "Das Problem war vor allem die Geschwindigkeit, mit der das Wasser gestiegen ist", sagte Unger. Er verglich die Situation auch mit dem Hochwasser von 2013. Die Wetterlage entspreche "ziemlich genau" derjenigen vom damaligen Hochwasser. "Wir sehen uns bestätigt in unserer Annahme, dass es zukünftig noch häufiger zu solchen Situationen kommt. Darauf müssen wir uns einstellen", sagte Unger.

    +++ Am Donnerstag waren viele Menschen in Simbach und Triftern noch geschockt. Wie die Bewohner mit der Katastrophe umgehen, lesen Sie auf Merkur.de.

    Wasserversorgung noch nicht komplett wiederhergestellt

    +++ Eine gesicherte Wasserversorgung für die gesamte Bevölkerung hat aus Sicht des Simbacher Bürgermeisters Klaus Schmid (CSU) derzeit Vorrang bei den Aufräumarbeiten in der Hochwasserregion. „Noch ist die Wasserversorgung nicht komplett wiederhergestellt“, sagte Schmid am Freitagmorgen. Viele Einwohner müssten sich an Sammelstellen abgezapftes Wasser aus Containern geben lassen. Auch verfügten noch nicht alle Haushalte wieder über Strom. Auch zwei Tage nach der Hochwasserkatastrophe sei er immer noch „total erschüttert“, sagte der Bürgermeister.

    +++ Wort gehalten: Am Donnerstag kündigte Landrat Fahmüller auf der Pressekonferenz an, dass es ab Freitag finanzielle Soforthilfe geben würde. Vor dem Landratsamt in Pfarrkichen warten schon zahlreiche Betroffene. Seit 7 Uhr gibt es 1500 Euro für jeden Haushalt.

    +++ Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte am Freitagmorgen vor zu viel Optimismus nach den ersten Erholungen in der Nacht. „Es kommen neue Niederschläge nach Deutschland, die auch wieder Unwetterpotenzial haben“, sagte ein Sprecher. Wo die Unwetter genau zu erwarten sind, konnte der Meteorologe zunächst nicht sagen.

    Polizei patrouilliert, um Plünderungen zu verhindern

    +++ Gute Nachrichten vom Niederrhein: Trotz erneuter Regenfälle am Donnerstagabend blieben die Stadt Hamminkeln bei Wesel und das benachbarte Isselburg von den Fluten verschont. "Wir haben Glück gehabt“, sagte ein Sprecher des Krisenstabs des Kreises Wesel am Morgen. Man hoffe auf trockene Stunden.

    Der Regen hatte den Wasserstand des kleinen Flüsschens Issel von sonst einem halben Meter auf zwei Meter steigen lassen. In der Nacht zum Freitag sank er am Pegel Dämmerwald auf 1,00 Meter. Hunderte Helfer sind dort im Einsatz, 68 000 Sandsäcke wurden verbaut, weitere 35 000 lagen als Reserve bereit. „Die Nacht war relativ entspannt, wir hatten die Lage gut im Griff“, sagte Konrad Decker, der Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr in Hamminkeln.

    +++ Ein Experte erklärt bei Merkur.de, wie kleine Bäche zu reißenden Strömen werden und auch, wie das Hochwasser in Häuser eindringt.

    +++ Um Plünderungen zu verhindern, patrouillierte die Polizei in der Nacht im Streifenwagen durch Simbach. Am Vortag hatte es bereits zwei Festnahmen gegeben, die die unübersichtliche Lage ausnutzen wollten, um ein Autoradio zu stehlen.

    +++ Momentan ist es trocken in den Gebieten. Allerdings hat das auch eine Tücke. „Das Problem ist, dass der Schlamm rasch abgeräumt werden muss. Wenn er einmal getrocknet ist, wird er steinhart“, erklärt ein Sprecher des Technischen Hilfswerks.

    Neben dem Kampf gegen die Zeit deuten sich weitere Probleme an: „Das Wichtigste ist heute, eine flächendeckende Trinkwasserversorgung und das Straßennetz wiederherzustellen“, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes Rottal-Inn. In den am schwersten betroffenen Städten Simbach am Inn, Triftern und Tann war stellenweise die Wasserversorgung ausgefallen. Die Behörden mahnten die Einwohner, Trinkwasser vor dem Verbrauch abzukochen. Zumindest die Stromversorgung war am Morgen aber fast flächendeckend wieder intakt.

    Nach Hochwasser: Einige Schulen in Rottal-Inn bleiben geschlossen

    +++ Eine 54-jährige Radfahrerin ist bei einem Verkehrsunfall im hessischen Bad Schwalbach (Rheingau-Taunus-Kreis) getötet worden. Die Frau war am Donnerstagabend auf einem Radweg parallel zur Bundesstraße 42 Richtung Wiesbaden unterwegs, der dann wegen Hochwassers nicht mehr befahrbar war, wie die Polizei mitteilte. Daraufhin sei die Frau mit ihrem vorausradelnden Ehemann auf die Bundesstraße ausgewichen. Ein Auto erfasste die Radfahrerin von hinten, sie fuhr auf ihren Mann auf und beide stürzten. Die Frau starb noch am Unfallort, ihr Mann wurde leicht verletzt.

    +++ Der BR meldet, dass auch am heutigen Freitag erneut einige Schulen nicht öffnen werden. Verständlich, da viele Familien existenziellere Probleme haben.

    Ein Merkur.de-Leser berichtet, dass  sich die Menschen in Simbach aufopferungsvoll helfen.

    +++ Nach dem schweren Hochwasser in Niederbayern mit mindestens sechs Toten sind am Freitag die Aufräumarbeiten fortgesetzt worden. „Das Wichtigste ist heute, eine flächendeckende Trinkwasserversorgung und das Straßennetz wiederherzustellen“, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes Rottal-Inn am frühen Morgen. Zugleich dauern im Landkreis die Such- und Rettungseinsätze an: Am Freitagmorgen wurden noch immer Personen vermisst. Am Vorabend war das sechste Toderopfer geborgen worden.

    +++ Bis zum Donnerstagabend war es den Helfern gelungen, für die betroffenen Orte Simbach am Inn, Triftern und Tann eine fast umfassende Stromversorgung einzurichten. Die Wetterlage deutete am Freitagmorgen auf eine Entspannung hin: Gewitter mit Starkregen seien am Tage über ganz Bayern möglich, in den überschwemmten Gebieten jedoch am unwahrscheinlichsten, erklärte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes.

    +++ Nach der Hochwasserkatastrophe in Niederbayern ist die Zahl der Todesopfer auf sechs gestiegen. Am Donnerstagabend sei in Simbach am Inn die Leiche eines 65-Jährigen gefunden worden, teilte die Polizei-Einsatzzentrale Niederbayern mit.

    Hochwasser: Deiche in NRW halten

    +++ Luft anhalten in NRW: Im Hochwassergebiet am Niederrhein haben die Deiche auch nach den erneuten schweren Regenfällen vom Donnerstagabend gehalten. Die Stadt Hamminkeln im Kreis Wesel und das benachbarte, schon zum Münsterland zählende Isselburg blieben von den Fluten verschont. Der starke Regen hatte den Wasserstand des kleinen Flüsschens Issel von sonst einem halben Meter auf zwei Meter steigen lassen.

    In Hamminkeln fielen nach DWD-Angaben innerhalb von 24 Stunden 120 Liter Regen pro Quadratmeter, durchschnittlich sind es im ganzen Monat Mai etwa 74 Liter pro Quadratmeter. Der Pegel der Issel stieg innerhalb weniger Stunden von normalerweise rund 50 Zentimeter auf 2,10 Meter.

    +++ Alle Entwicklungen zum Hochwasser vom Donnerstag können Sie hier nachlesen. Am Mittwoch regnete es in Teilen Niederbayerns so kräftig, dass mehrere kleine Bäche über die Ufer traten und einige Orte verwüsteten.

    Bilder vom Tag 1 nach dem Hochwasser in Simbach finden Sie auf Merkur.de.

    mit Material von dpa und afp

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