Jetzt kehrt er heim

Dieser Deutsche radelt seit 50 Jahren um die Welt

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Heinz Stücke mit seinem Fahrrad.

Paris/Hövelhof - Eigentlich wollte er nur zwei Jahre unterwegs sein. Doch er radelt mehr als 50 Jahre durch die Welt. Nun wagt sich Heinz Stücke in seine Heimat in Westfalen.

„Ich wollte nach zwei Jahren zurück sein.“ Mehr als ein halbes Jahrhundert hat es dann doch gedauert, bis der Weltreisende Heinz Stücke sein Fahrrad in Richtung Heimat lenkt. In Paris, seit 15 Jahren Ausgangspunkt seiner Radtouren in alle erdenklichen Ecken der Erde, bereitet sich der 74-Jährige auf die Rückkehr nach Deutschland vor. In seiner westfälischen Heimat Hövelhof soll in den kommenden Monaten aus einem Berg von Erinnerungen an die mehr als 18000 Reise- oder Radeltage ein Museum entstehen.

Noch finden sich die Ansammlungen in einem vielleicht 15 Quadratmeter großen Zimmer, das Stücke nur „meinen Bunker“ nennt. Zwischen Regalen voller Reiseberichte und dem Fahrrad, das am schmalen Bett lehnt, scheint er den Überblick zu bewahren: Hier ein gezielter Griff in ein Notizheft, dort ein Verweis auf Fotomappen - und zwischendrin eine nicht endende Erzählung von Anekdoten, Erlebnissen, Begegnungen. Mehr als 650 000 Kilometer ist er geradelt.

Die Liebe zu Rad und Reisen begann schon während der Lehrzeit zum Werkzeugmacher im heimatlichen Hövelhof. Im Sommer ging er mit Freunden auf Tour. „Mehr als einmal ist keiner mitgefahren“, erinnert sich Stücke, „weil ich so gerast bin.“ Als 20-Jähriger nahm er sich am 22. August 1960 eine erste längere Strecke ums Mittelmeer vor - Israel war für die Durchreise gesperrt und Algerien Kriegsgebiet.

Gelockt haben den Radler beim großen Aufbruch 1962 die Olympischen Spiele in Tokio, die er 1964 besuchen wollte - angekommen ist der junge Weltreisende sieben Jahre später. Danach wollte ich wieder zu Hause sein, „daraus sind dann mehr als 50 Jahre geworden“, sagt Stücke. Über die Jahrzehnte galt: „Mein Leben war so interessant, da hat sich mein Heimweh in Heimangst verwandelt.“ In Deutschland war er nur hin und wieder mal - nun soll es dauerhaft in die Heimat gehen.

Unendlich viele Winkel in mehr als 200 Länder und Territorien hat sich Stücke erradelt. Steile Strecken wie im Himalaya wurden auch mal geschoben. Durfte das Rad nicht mit - wie vor 25 Jahren in Kambodscha - wurde es bei Freunden zwischengeparkt. Den weitaus größten Teil der Reisen legte Stücke auf einem Drahtesel zurück: Durch Verstärkungen 25 Kilo schwer, drei Gänge mit Nabenschaltung, Rücktrittbremse - plus 40 bis 50 Kilo Weltenbummlergepäck.

Übernachtet wurde im Zelt, in günstigen Unterkünfte oder bei den unzähligen Menschen, die Stücke nach zufälligem Gespräch auf der Straße zu sich nach Hause einluden.

Finanziert hat sich Stücke über den Verkauf von Bildern, mit Hilfe von Sponsoren oder durch eine Broschüre seiner Reisen, die ihm Interessierte auf Straßen und Plätzen der Welt abkauften. Preis? „Je nach Land - immer was ein Kaffee kostet.“

Bindung oder Familie vermisst er auch im Rückblick nicht. „Ich habe mal eine russische Freundin gehabt“, erzählt Stücke. Acht Jahre habe das gedauert, „aber mehr als drei Wochen konnte ich es nicht aushalten“. Er sei kein Einzelgänger, aber man müsse sich eben entscheiden.

In Hövelhof freut sich neben alten Freunden auch Bürgermeister Michael Berens auf die Rückkehr Stückes. „Die Geschichten sind schon etwas besonderes“, sagt Berens, „wir haben ihm angeboten, die Werke zu sichern.“ Zunächst kann der 74-Jährige kostenfrei eine alte Hausmeisterwohnung beziehen. Aus dem „etwas anders strukturierten Leben“ des Weltenradlers soll eine Institution im Ort erwachsen. „Wir wollen mit ihm ein Heinz-Stücke-Museum aufbauen.“ 2015 könne es soweit sein. Zunächst gilt es, den Radler „und all sein Material von Paris nach Hövelhof zu bringen“.

Bis dahin plant Stücke schon die nächste Tour. „Ich bin nicht auf der Suche nach dem Paradies“, sagt er. Doch aktuell locken ihn paradiesähnliche Gebiete: Ascension Island im Atlantik und die Insel Robinsón Crusoe vor Chile.

dpa

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