Prozess in Grasse

Hehlerei mit Picassos? Bewährungsstrafe gefordert

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Pierre Le Guennec und seine Frau Danielle im Gerichtssaal in Grasse.

Grasse - Im Pappkarton lagerte der Millionenschatz. Jahrzehnte bewahrte ein Elektriker Werke von Picasso in seiner Garage auf. Geschenke des Künstlers oder Fall von Hehlerei? Frankreichs Justiz entscheidet.

Eine Bewährungsstrafe von jeweils fünf Jahren für die beiden Angeklagten hat der Staatsanwalt im Prozess um Hehlerei mit Werken von Pablo Picasso gefordert. „Ich habe keinerlei Zweifel an ihrer Schuld“, sagte Staatsanwalt Laurent Robert am Donnerstag in seinem Schlussplädoyer im südfranzösischen Grasse, wie die Zeitung „Nice-Matin“ aus dem Gerichtssaal berichtete. Das angeklagte Ehepaar habe auch das Vertrauen in den Maler und die Erinnerung an ihn beschädigt. Der Wert der Werke wird auf insgesamt 60 bis 120 Millionen Euro geschätzt.

Nach den Plädoyers der drei Verteidiger und einem Schlusswort wollte sich das Gericht zur Urteilsberatung zurückziehen. Das Urteil soll am 20. März verkündet werden. Prozessbeobachter rechnen in jedem Fall danach mit einem Berufungsverfahren.

Picasso-Erben hatten als Zivilkläger den Schlussspurt in dem Prozess um Hehlerei mit Werken Picassos eingeleitet. Vor dem Gericht hatten ein ehemaliger Elektriker und seine Frau zuvor zu erklären versucht, wie sie an den spektakulären Bestand von 271 Picasso-Werken kamen, den sie über mehrere Jahrzehnte in ihrer Garage aufbewahrten.

In dem Prozess hatten mehrere Zeugen vehement angezweifelt, dass Picasso oder Ehefrau Jacqueline dem Elektriker Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen geschenkt haben könnten. Das jedoch beteuerten die beiden Angeklagten. In den Prozesstagen kam auch die Frage auf, ob das Ehepaar bei einer versuchten Hehlerei mit Diebesgut Hintermänner gehabt haben könnte.

Der 75-jährige Mann will die Werke als Lohn für Handwerksarbeiten vom Künstler selbst erhalten haben. 2010 präsentierte das Paar die Werke nach 37 Jahren im Pappkarton den Picasso-Erben, um die Echtheit der unsignierten Arbeiten von 1900 bis 1932 bestätigen zu lassen.

Im Prozess machten Zeugen geltend, dass Picasso zwar ein großzügiger Mensch gewesen sei, er geschenkte Werke jedoch immer datiert und signiert habe. „Wir sind keine Diebe“, entgegneten die Angeklagten.

dpa

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