Widersprüchliche Angaben: Was passierte wirklich?

Die letzten Minuten des Germanwings-Flugs 4U 9525

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In der Nähe dieses Berges zerschellte die Germanwings-Maschine

Paris - Etwa eine Stunde nach dem Start in Barcelona ist der Germanwings-Airbus am Dienstag in Frankreich abgestürzt. Doch was passierte bis dahin? Es gibt widersprüchliche Angaben.

Etwa eine Stunde nach dem Start in Barcelona ist der Germanwings-Airbus am Dienstag über den französischen Alpen abgestürzt. Was genau in den letzten Minuten des Flugs 4U 9525 geschah, bleibt aber unklar:

6.48 Uhr: Der Airbus A320 startet als ganz gewöhnlicher Linienflug von Düsseldorf in Richtung Barcelona. Am Montag hatte der Airbus noch einen Routinecheck durchlaufen.

8.57 Uhr: Die Maschine landet pünktlich in Spanien.

10.01 Uhr: Der Airbus A320 verlässt laut Germanwings den Flughafen Barcelona, um wieder nach Düsseldorf zu fliegen. An Bord sind 144 Passagiere, darunter zwei Babys, sowie sechs Besatzungsmitglieder. Im Cockpit sitzt ein erfahrener Pilot, der seit mehr als zehn Jahren für Lufthansa und Germanwings im Einsatz ist.

10.45 Uhr: Die Maschine erreicht laut Germanwings ihre Reiseflughöhe. Was nur eine knappe Minute später geschieht, war auch einen Tag nach der Katastrophe zunächst völlig rätselhaft: Das Flugzeug verlässt die Flughöhe wieder und tritt in einen Sinkflug ein. Acht Minuten lang sackt die Maschine immer weiter ab. Es gibt keinen Notruf.

10.53 Uhr: Der Kontakt zum Radar und zur französischen Flugsicherung reißt nach Angaben der Lufthansa-Tochter Germanwings ab. Die Maschine stürzt in den französischen Alpen ab. Kurz darauf geht die Meldung von einer der schlimmsten Katastrophen für die deutsche Luftfahrt um die Welt. 150 Menschen sterben bei dem Absturz.

Die widersprüchlichen Angaben zum Sinkflug von Flug 4U9525

Allerdings gibt es widersprüchliche Zeit- und Höhenangaben. Was mit der A320 von Germanwings über den französischen Alpen genau passiert ist, wird man erst nach der Auswertung der beiden Aufzeichnungsgeräte wissen: des Flugdatenschreibers und des Stimmenrekorders, der alle Geräusche im Cockpit aufzeichnet. Bis dahin gibt es widersprüchliche Angaben zum Flugverlauf.

Germanwings-Chef Thomas Winkelmann sagte auf der Pressekonferenz am Dienstag, die Maschine mit der Flugnummer 4U9525 habe um 10.45 Uhr die reguläre Reiseflughöhe von 38 000 Fuß (11,5 Kilometer) erreicht. Nach einer Minute habe das Flugzeug diese Höhe verlassen und habe zu einem Sinkflug angesetzt. „Dieser Sinkflug hat acht Minuten gedauert. Der Kontakt des Flugzeuges zum französischen Radar und den Lotsen ist um 10:53 Uhr auf einer Höhe von etwa 6000 Fuß abgebrochen. Das Flugzeug ist dann verunglückt.“

Nach Angaben des französischen Umweltministeriums erreicht die Maschine um 10.30 Uhr den Luftverkehrsbereich von Aix-en-Provence. Sie fliegt dabei auf einer Höhe von 11 400 Metern über Bandol. Um 10.31 Uhr beginnt der Airbus A320 demnach mit dem Sinkflug - ohne Erlaubnis der Luftkontrolle und ohne Antwort auf deren Anfragen. Der Sinkflug sei dann linear mit 3000 Fuß pro Minute verlaufen. Die Flugraumkontrolle schlägt diesen Angaben zufolge um 10.35 Uhr Alarm, die Maschine verschwindet um 10.40 auf einer Höhe von noch 2000 Metern vom Radar.

Nach den Daten von Flugtrackern wie Flightradar24 erreichte die A320 bereits um 10.27 Uhr ihre Reiseflughöhe von 38 000 Fuß. Auf dieser Höhe bewegte sich die Maschine demnach aber nur vier Minuten lang, um dann bei einer Geschwindigkeit von über 470 Knoten (870 km/h) in einen deutlichen Sinkflug überzugehen.

Flightradar24 erklärt, man habe die Transponderdaten des Flugs 4U9525 ausgewertet. Wie die meisten kommerziellen Airliner verfügte die A320 neben den beiden Aufzeichnungsgeräten auch über einen Flugdatentransponder, der ein so genanntes ADS-B-Signal ausgesendet hat. In diesem Signal werden ständig Daten wie die Flugnummer, der Flugzeugtyp, die GPS-Position und GPS-Höhe sowie die Daten eines statischen Drucksensors gesendet. Diese Funksignale können noch in einer Entfernung von 150 bis 250 nautischen Meilen (250 bis 400 Kilometer) empfangen werden.

Die ADS-B-Signale werden von den Einrichtungen der Flugsicherung ausgewertet. Ein großes Netzwerk aus 6000 ADS-B-Empfängern betreibt aber auch Flightradar24.com. Der Dienst verwendet die Daten für seine Smartphone- und Computer-Apps.

Um 10.41 Uhr wurde laut Flightradar24 das letzte Transponder-Signal von Flug 4U9525 empfangen. Die Maschine befand sich zu diesem Zeitpunkt den Transponderdaten zufolge auf einer Höhe von 6800 Fuß (2072 Meter) und bewegte sich mit 378 Knoten (700 km/h).

AFP/dpa

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