Unglück in Kohlemine

Ostukraine: Mindestens 24 Bergleute sterben bei Explosion

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Angehörige der Verschütteten und Kämpfer der Rebellen vor dem Eingang zur Sassjadko-Mine nach der Explosion. Da weitere Detonationen befürchtet werden, wurden Sandsack-Barrikaden vor den Fenstern errichtet.

Donezk - Bei einer schweren Gasexplosion in einer Kohlegrube im Krisengebiet Ostukraine sind nach Angaben von Aufständischen mindestens 24 Bergleute ums Leben gekommen.

Neun weitere Arbeiter galten am Mittwochabend in der Mine Sassjadko bei Donezk noch als vermisst. Verzweifelte Angehörige versammelten sich an der Anlage und forderten Klarheit über das Schicksal ihrer Nächsten. Die Grube liegt in der von prorussischen Separatisten kontrollierten Region.

Die regierungstreue Gebietsverwaltung sprach am Abend sogar von 33 Toten. Allerdings hat die prowestliche Führung in Kiew keinen Zugriff auf das Bergwerk. Die Informationslage vor Ort ist wegen des Krieges zwischen Regierungstruppen und Aufständischen schwierig. Präsident Petro Poroschenko ordnete für Donnerstag Staatstrauer an.

Zum Zeitpunkt des Unglücks am frühen Morgen befanden sich mehr als 200 Arbeiter in den Stollen. Die meisten konnten sich retten, mindestens 16 wurden aber verletzt. Die Grubenleitung bestätigte der Deutschen Presse-Agentur das Unglück. Es soll sich in 1000 Meter Tiefe ereignet haben.

Weltweit gelten ukrainische Kohlegruben als besonders gefährlich. In der Vergangenheit gab es immer wieder schwere Explosionen mit vielen Toten. Da die Kohle in großen Tiefen abgebaut wird, bildet sich dort oft hochexplosives Grubengas. Allein in Sassjadko, einer der größten Kohleminen der Ex-Sowjetrepublik, kamen seit 1999 bei Unglücken mehr als 200 Menschen ums Leben. Wegen einer hohen Grubengaskonzentration unter Tage gehört es zu den gefährlichsten Anlagen des Landes.

Unmittelbar nach dem Unfall hatte Parlamentspräsident Wladimir Groisman in Kiew für Verwirrung gesorgt, als er von mindestens 32 Toten sprach. Die Abgeordneten legten wegen des Unglücks eine Schweigeminute ein. Sowohl der ukrainische Zivilschutz als auch die Donezker Behörden widersprachen Groisman. Später räumte der Politiker ein, dass das Schicksal der eingeschlossenen Arbeiter ungewiss sei.

Die Separatisten in Donezk kritisierten Groismans voreilige Aussage. Dutzende Menschen seien unter Tage eingeschlossen, hieß es zwischenzeitlich. „Bis die Rettungskräfte zu ihnen vordringen, ist es unethisch zu sagen, dass diese Menschen ums Leben gekommen sind“, meinte Iwan Prichodko von den moskautreuen Aufständischen.

Präsident Petro Poroschenko in Kiew forderte die Separatisten via Twitter auf, staatliche Retter zum Unglücksort zu lassen. Regierungschef Arseni Jazenjuk sagte, 60 Helfer seien an der Frontlinie abgewiesen worden. Die Aufständischen behaupteten, Kiew habe keine Hilfe angeboten. Hingegen habe Russland Hilfe zugesagt.

dpa

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