Muslime kritisieren neue Karikatur

"Charlie Hebdo": Türkei sperrt Internet-Seiten

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Die am Mittwoch veröffentlichte erste Ausgabe von "Charlie Hebdo" seit dem islamistischen Angriff auf die Zeitschrift vor einer Woche war schnell ausverkauft.

Ankara - Gläubige Muslime kritisieren das Titelbild der neuen Ausgabe der französischen Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo", die auch im Internet zu sehen ist. Ein Gericht in der Türkei reagierte.

"Es wurde entschieden, den Zugang zu relevanten Sektionen von Internetseiten, die heute die Titelseite von 'Charlie Hebdo' zeigen, zu blockieren", erklärte das türkische Gericht am Mittwoch laut der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Auch das Titelblatt der am Mittwoch veröffentlichten ersten Ausgabe von "Charlie Hebdo" seit dem islamistischen Angriff auf die Zeitschrift vor einer Woche stieß weltweit bei vielen Muslimen auf Kritik. Darauf ist ein weinender Prophet Mohammed zu sehen, der unter der Überschrift "Alles ist verziehen" ein Schild mit der Aufschrift "Je suis Charlie" hält.

Die renommierte Al-Ashar-Universität in Kairo warnte, die Karikatur schüre "den Hass" und behindere "die Integration" der Muslime in Europa. Auch der Iran verurteilte die Zeichnung als "Provokation".

Der Großmufti von Jerusalem, Mohammed Ahmed Hussein, kritisierte die Zeichnung, zugleich verurteilte er nachdrücklich "Terrorismus in jeder Form". In einer von ihm veröffentlichten Erklärung heißt es, "die Veröffentlichung der Karikaturen verunglimpft den Propheten und beleidigt die Gefühle von fast zwei Milliarden Muslimen in aller Welt".

Der oberste Würdenträger der Muslime im Heiligen Land und religiöse Hüter des Tempelbergs mit Felsendom und Al-Aksa-Moschee erklärte, die Veröffentlichung der Karikaturen in vielen Sprachen beschädige die Beziehungen zwischen den Gläubigen der abrahamitischen Religionen. Christen, Juden und Muslime berufen sich alle auf den Propheten Abraham als Vorvater.

Großmufti Hussein betonte in seiner Erklärung aber auch, er verurteile "die Anschläge auf unschuldige Menschen und Terrorismus in jeder Form". "Der Islam lehnt Gewaltanwendung gegen Unschuldige grundsätzlich ab, egal ob sie Muslime oder Andersgläubige sind", erklärte der Religionsgelehrte.

Bei dem Angriff auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" hatten am vergangenen Mittwoch zwei radikale Islamisten zwölf Menschen getötet, darunter vier Zeichner.

afp

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