Das tragische Schicksal von Abilash

10 Jahre nach dem Tsunami: So geht es "Baby 81"

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Das Schicksal des kleinen Jungen Abilash bewegte vor zehn Jahren die Menschen weltweit. Wie durch ein Wunder überlebte er damals als Säugling den Tsunami auf Sri Lanka.

Colombo - Zwischen Schutt und Leichen wurde der kleine Abilash Jeyarajha vor zehn Jahren gefunden. Wie durch ein Wunder hatte er als Säugling den gewaltigen Tsunami überlebt. Wie geht es ihm heute?

Tod und Leid - so die traurige Bilanz der verheerenden Zerstörungen durch den Tsunami 2004. 40.000 Menschen starben damals allein auf Sri Lanka. Abilash Jeyarajha überlebte als Säugling wie durch ein Wunder. Das Schicksal des kleinen Jungen, der unter dem Namen "Baby 81" bekannt geworden war, berührte die Menschen weltweit. Doch was ist aus ihm geworden?

Heute hat der zehn Jahre alte Junge Angst vor dem großen Wasser und geht mit seinen Freunden nicht zum Schwimmen, obwohl er ganz in der Nähe des Strandes wohnt. „Ich mag das Meer nicht“, sagt er.

So lebt "Baby 81" heute mit seiner Familie

Direkt nach dem Tsunami zu Weihnachten 2004 war Abilash weltberühmt: Neun Frauen stritten sich wochenlang um das Findelkind. Alle behaupteten, er sei ihr Sohn. Da der Junge noch nicht sprechen konnte, wurde er zu „Baby 81“, weil er als 81. Patient in das Krankenhaus des Ortes Kalmunai gebracht wurde. Erst ein DNA-Test beendete das Drama. Junitha und Murugapillai Jeyarajha, die vor laufender Fernsehkamera versucht hatten, das Kind aus dem Hospital zu entführen, durften „Baby 81“ mitnehmen.

Mittlerweile lebt die Familie einige Kilometer weiter nördlich an Sri Lankas Ostküste in Kurukkulmadam, in einem kleinen Haus mit drei Zimmern, das noch nicht ganz fertiggestellt ist. Auf einer grob zusammengehämmerten Holzbank erledigt Abilash jeden Tag seine Hausaufgaben, hinter sich beschützend die Bilder hinduistischer Götter, vor sich die noch unverputzte Wand.

Die ersten landesweiten Schultests hat er im Sommer erfolgreich bestanden. „Ich will ganz viel lernen und eines Tages ein Ingenieur werden“, sagt der ruhige Junge. Außerdem ist er gerne draußen und spielt Kricket mit seinen Freunden. Oder er vertreibt sich die Zeit mit seiner dreijährigen Schwester Abisha in dem kleinen Hof rund um das Haus - barfuß, unter zahlreichen, tiefgrünen Bäumen.

Nicht nur die Tsnumai-Wellen verfolgen die Familie noch immer

Dass er damals mit nur leichten Schrammen unter einem Bananenbaum gefunden wurde, weiß der Junge. Auch, dass es neun Wochen ein Gezerre um ihn gab und dass er einen gewaltigen Medienrummel verursachte. „Mir wurden Bilder und Artikel über mich gezeigt“, sagt er. Naturkatastrophen, die auf der Insel im Indischen Ozean immer wieder passieren, interessieren Abilash bis heute. „Sobald ich Bilder von Fluten oder Erdrutschen sehe, will ich etwas darüber lernen“, sagt er.

Es seien aber nicht nur die Tsunami-Wellen, die die Familie bis heute verfolgten, sagt Abilashs Mutter Junitha Jeyarajha. „Genauso verfolgen uns die gebrochenen Versprechen.“ Zahlreiche Medienhäuser und internationale Organisationen hätten dem Ehepaar Geschenke, Geld, Reisen ins Ausland und Stipendien für „Baby 81“ zugesagt. Doch fast nichts davon sei wahr geworden.

Abilashs Rettung: Eine göttliche Fügung?

„Nach einem halben Jahr mussten wir feststellen, dass die meisten Versprechen entweder falsch waren oder nur im Eifer des Gefechts gemacht wurden“, fügt Vater Murugapillai Jeyarajha hinzu. „Mir wurde sogar ein Job in Südkorea angeboten. Ein anderer Mann sagte, er werde einen Film über die Geschichte produzieren.“ Stattdessen arbeitet er weiter als Friseur. 5 bis 7 Euro verdient er so am Tag.

Das Haus wird wegen des geringen Einkommens erst nach und nach fertig. Doch auf dem Hof steht bereits eine Krishna-Statue, zu der Abilash und seine Schwester oft beten. Die Familie ist überzeugt, dass Abilashs Rettung eine göttliche Fügung war. „Wir haben geglaubt, dass Gott uns beistehen wird und uns unser Kind zurückbringt. Das hat uns geholfen“, sagt Vater Murugapillai. Doch gegen eines, sagt Mutter Junitha, helfe auch Beten nicht: „Das Geräusch der Wellen verfolgt uns noch immer.“

dpa

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