Testbericht

Wasteland 2: Rückkehr eines Kultspiels

Über ein Vierteljahrhundert später kommt mit Wasteland 2 der Nachfolger zu einem absoluten Kult-Spiel der 80er Jahre auf den Markt. Und das Warten hat sich absolut gelohnt. Zum Test.

Gamern die schon ein paar Jahrzehnte dabei sind, ist der Name Wasteland vermutlich ein Begriff. Vermutlich haben sie Ende der 1980er Jahre das Rollenspiel auf dem C64 oder dem PC gezockt. Und waren vermutlich begeistert. In einer apokalyptischen Umgebung à la Mad Max kämpfte man um sein Überleben. Dabei steuerte man eine Gruppe von Charakteren, auf die man von oben blickte. Bei den rundenbasierten Kämpfen wurde in eine Frontalansicht umgeschaltet. Eine Besonderheit war damals der hohe Anteil an Entscheidungsmöglichkeiten. Für viele Situationen im Spiel existieren mehrere Lösungen. Was heute in vielen Spielen Standard ist, war damals ein absolutes Novum. Viele Spieler griffen damals auf die umfangreichen Komplettlösungen in den Spiele-Zeitschriften zurück, wenn sie partout nicht weiterkamen. Das Internet war ja noch weit weg. Wasteland gilt auch nach über 25 als Kult-Spiel. Umso ungewöhnlicher, dass die Fortsetzung nach einem Vierteljahrhundert auf den Markt kommt. Aber: Das Warten auf Wasteland 2 sich gelohnt.

Wer die Story des Ur-Spiels nicht kennt (und das betrifft vermutlich viele Gamer: Wasteland 2 spielt in einer alternativen Zeitlinie: Im Jahre 1998 kommt es im Zuge von Meteoriteneinschlägen auf der Erde zu einem Atomkrieg zwischen den USA und der Sowjetunion, der einen Großteil der Erdbevölkerung vernichtete. Die wenigen Überlebenden kämpfen fortan gegen die lebensfeindliche Umwelt und ihre nicht weniger lebensfeindlichen Mitmenschen. Eine Gruppe von Überlebenden sind US-Armeeingenieure, die sich zum Zeitpunkt der Katastrophe gerade zum Brückenbau in einer Wüste im Südwesten der Vereinigten Staaten aufhalten. Sie besetzen daraufhin ein in der Nähe neu errichtetes Gefängnis und gewähren Hilfesuchenden aus der näheren Umgebung Unterschlupf. Aus dem Gefängnis entsteht das Ranger Center und aus den ehemaligen Militäringenieuren die Desert Rangers, die, wie die Texas- und Arizona Rangers im Wilden Westen, durch die Wüste ziehen. Ein ziemlich cooler Realfilm führt einen zu Beginn des Spiels in die Geschichte und die Atmosphäre ein. Richtig klasse gemacht!

Wasteland 2 wurde für Retro-Fans gemacht

Ansonsten merkt man, dass das Spiel für Retro-Fans gemacht wurde. Auf gesprochene Dialoge wird verzichtet. Diese laufen wie in den Achtzigern üblich in langen Textsequenzen ab. Auch das Spielprinzip von früher wurde beibehalten: Mit einer Gruppe von vier „Desert Rangern“ geht sie in einem postnuklearen Wilden Westen gegen Plünderer, Kannibalen und fanatische Splittergruppen vor. Wasteland 2 überzeugt wieder mit einer unglaublichen Handlungsfreiheit, deren Folgen der Story interessante Folgen bescheren. Man kann bei den Spielfiguren vorgefertigte Charaktere auswählen. Allerdings dürfte es RPG-Enthusiasten deutlich mehr Spaß bereiten, ihre eigenen Helden zu kreieren. Ebenso viel Spaß dürften die Rollenspieler daran haben, die mannigfaltigen Fähigkeiten der Ranger zu verbessern. Die reichen vom Ballern mit der Maschinenpistole über das Ausschalten von Alarmanlagen bis hin zu Computerkenntnisse und chirurgischen Handgriffen.

Laune machen die rundenbasierten Kämpfe. Schnell merkt man: Feuerwaffen sind zwar effektiv, in Wasteland 2 allerdings auch fehleranfällig. Zuverlässiger sind da oftmals Handwaffen und Prügel. Die unterschiedlichen Fähigkeiten der Ranger könnten sich als Problem erweisen, hätten die Entwickler da nicht einige Zusatzcharaktere ins Spiel gebracht, die sich der Gruppe anschließen und mit ihrem Können verstärken können. Aber Vorsicht! Manche der neuen Kameraden können sich auch gegen die eigenen Ranger wenden.

Was die Grafik angeht, so gilt bei Wasteland 2 ebenfalls das Prinzip Retro. Die sieht aus, wie bei Spielen, die noch vor zehn Jahren herauskamen. Was dem Spiel allerdings einen ganz eigenen Charme beschert. Von schlechter Grafik kann keinesfalls die Rede sein. Wenn man sich vor Augen führt, dass das Spiel für Fans eines über 25 Jahre alten Spiels entwickelt wurde, macht die bewusst veraltete Optik sogar Sinn.

Jeder der rundenbasierte Actionspiele wie Fallout oder Jagged Alliance mochte, kann bei Wasteland 2 bedenkenlos zuschlagen. Die Story ist großartig und wird von den Entscheidungen des Spielers massiv beeinflusst. Für Fans des ersten Wasteland-Spiels ist Wasteland 2 eh ein Pflichtkauf. Die können beim Zocken ja die Hits von 1988 auflegen. „Dirty Diana“ von Michael Jackson passt aber besser zur apokalytischen Atmosphäre von Wasteland 2 als „Girl You Know It's True“ von Milli Vanilli. Nur so als Tipp...

Wasteland 2 von Koch Media ist nur für PC erschienen und kostet rund 40 Euro. Altersfreigabe: Ab 16 Jahren.

fro

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