Spieletest

Far Cry Primal - Ausflug in die Steinzeit

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Den Widersachern und der räuberischen Fauna rücken wir mit Speer, Bogen und Keule zu Leibe.
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Grafik und Charaktermodelle sind superb.

Shooter war gestern. Das neue Far Cry Primal lädt auf PC, PS4 und XBox One zu einem Abstecher in graue Vorzeiten ein. Doch wie spielt sich ein Shooter mit Keule und Speer?

Herrlich. Ein Fluss plätschert durch das saftiggrüne Tal, Vögel zwitschern aus den Surroundboxen, die Sonne bringt die Farben der zahllosen Blumen zu strahlen, eine Ziegenherde weidet friedlich. Doch die Idylle trügt. Hinter jedem Baum, hinter jedem Felsen lauert der Tod. Willkommen in der Steinzeit, in der jeder Tag ein Kampf ums Überleben ist.

Eines muss man Ubisoft lassen. Auch wenn der Spielegigant mit der Zuverlässigkeit eines Uhrwerks Jahr für Jahr neue hochglanzpolierte Serienteile auf den Markt wirft, gehen die Entwickler immer wieder Risiken ein. Man nehme zum Beispiel die „Far Cry“-Reihe. Diese steht seit Jahren für anspruchsvolle Ego-Shooter in riesigen offenen Welten. In „Far Cry 3“ verschlug es die Spieler auf der Suche nach ihren Freunden auf eine tropische Insel, „Far Cry 4“ verlegte die Handlung in einen vom Bürgerkrieg gezeichneten Himalaya-Staat.

Die meisten anderen Entwickler hätten sich nun das nächste interessante Setting gesucht und das selbe Spiel noch einmal herausgebracht. Nicht so Ubisoft: Die drehten einfach gewaltig an der Uhr. Das Ergebnis heißt „Far Cry Primal“ und spielt 10 000 Jahre v.Chr. in der Steinzeit.

Bogen statt Automatikgewehr, Keule statt Granaten - die Fans der Reihe müssen umdenken. Wer sich allerdings auf die Welt unserer Vorfahren einlässt, der wird mit einem bemerkenswerten Spielerlebnis belohnt. Die Geschichte ist dabei dieses Mal - vorsichtig formuliert - eher schmückendes Beiwerk. Nach einem Jagdunfall werden wir von unserem Stamm getrennt und finden uns auf einmal mutterseelenalleine in der Wildnis wieder.

Far Cry Primal im Test: Permanenter Überlebenskampf

Und sind zunächst vollauf damit beschäftigt, am Leben zu bleiben. Sammeln Materialien, um uns einen Bogen zu bauen, Jagen, um zu Kräften zu kommen, entzünden ein Feuer, um nachts vor den Raubtieren geschützt zu sein. In dieser Dringlichkeit und optischen Pracht hat das noch kein Spiel zuvor erzählt. Wenig später treffen wir die ersten anderen Urmenschen. Unser Stamm hat es allerdings nicht leicht: Bedrängt von bösen Menschenfressern und Feueranbetern, im steten Überlebenskampf mit der Umgebung begriffen, sind seine Angehörigen auf der Flucht, verstecken sich. Ehrensache, dass wir alles wieder ins Lot bringen.

Und so pilgern wir durch die wunderschöne, offene Spielwelt, helfen unseren Stammeskameraden und tun alles, was man in einem normalen Ubisoft-Spiel so tut: Sammeln, sammeln, sammeln. Die Karte quillt über vor Markierungen. Wollen wir eine größere Tasche, in die mehr Pfeile passen, müssen wir die Häute bestimmter Tierarten sammeln. Wollen wir wirksamere Medizin, brauchen wir verschiedene Pflanzen.

Es ist erstaunlich, wie Ubisoft die meisten Spielmechaniken moderner Ego-Shooter in die Steinzeit transportiert hat. Denn wirklich schutzlos ist man nur am Anfang. Wer fleißig sammelt, wird schnell zum Steinzeit-Rambo mit voll ausgebautem Speer, einer Eule, die als Drohne über der Spielwelt kreist und die Feinde markiert.

Far Cry Primal im Test: Unverständliches Steinzeit-Kauderwelsch

Das mag man jetzt überzogen finden, aber am Ende ist „Far Cry Primal“ eben doch und zuallererst ein „Far Cry“, auch wenn es in der Steinzeit spielt. Was allerdings auch zum ersten wirklichen Kritikpunkt führt: Extra für die Dialoge entwickelten Sprachwissenschaftler eine eigene Sprache, von der sie annehmen, dass sie in der Steinzeit so habe gesprochen werden können. Die Jungs hatten daran garantiert einen Riesenspaß. Die Spieler indes weniger. Denn so sprechen alle Figuren im Spiel einen unverständlichen Steinzeit-Kauderwelsch, wer etwas von der Handlung mitbekommen will, muss die Untertitel lesen. Und diese bedienen wirklich jedes Steinzeit-Klischee. Sicher, unsere Altvordern waren vielleicht noch nicht so firm in Satzbau und Grammatik, warum man aber deswegen derartige Holpersätze als Dialoge anbieten muss, erschließt sich dem Tester nicht so ganz.

Aber wenn man ganz ehrlich ist: Die Story ist jetzt auch nicht sonderlich bemerkenswert. Insbesondere weil die sensationell psychopatischen Widersacher, die Far Cry  3&4 auszeichneten, heute leider komplett fehlen. Das mag man beklagen, aber der eigentliche Star von „Far Cry Primal“ ist die Welt. Diese kunterbunte, wunderschöne, grausame Welt voller Leben, die man immer weiter erkunden möchte. Realismus hin oder her - so muss Steinzeit sein! Gerade ist man dem wütenden Mammut entkommen, schon lauert einem der Säbelzahntiger auf. Das Leben im Jahr 10 000 v.Chr. ist hart. Aber spannend und fesselnd. Schon allein für den Mut, den Spielern nicht den x-ten Aufguss des selben Spiels zu servieren, hat sich Ubisoft einen Ehrenplatz in der Höhlenmalerei verdient.

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