Schimpansen am Herd: kognitive Fähigkeiten wohl ausreichend

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Rohkost für einen Schimpansen im Zoo von Osnabrück. Um sich eine gekochte Mahlzeit zuzubereiten, würden seine kognitiven Fähigkeiten allerdings auch ausreichen. Foto: Carmen Jaspersen/Archiv

Ein Stück rohe Süßkartoffel sofort oder drei gekochte Stückchen etwas später? In einer Studie wurden Schimpansen vor diese und andere Entscheidungen gestellt. Forscher schließen aus den Ergebnissen auch auf die Evolution des Menschen.

Cambridge (dpa) - Geduld, Selbst-Beherrschung und Motivation: Ähnlich wie der Mensch besitzen Schimpansen die elementaren kognitiven Fähigkeiten, die für das Kochen von Nahrung notwendig sind. Zu diesem Ergebnis kommen zwei US-Forscher nach mehreren Experimenten mit den Menschenaffen.

Die Tiere lieben Gekochtes - und nutzen gezielt eine Art Herd, um es zu bekommen, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Proceedings B" der britischen Royal Society.

Der Übergang zur Ernährung mit gekochtem Essen stellt einen Meilenstein in der Entwicklung des Menschen dar. Verglichen mit Früchten, Blättern und rohem Fleisch kann der Mensch mit gekochten Nahrungsmitteln deutlich mehr Energie aufnehmen. Forscher vermuten, dass dieser Nahrungswechsel eine wichtige Voraussetzung dafür war, größere Gehirne entwickeln zu können - denn Hirngewebe benötigt extrem viel Energie.

Noch viele Detail-Fragen sind dabei offen: Wie lange wurde das Feuer vom Menschen vor allem für Wärme und Licht genutzt - und ab wann auch für die Zubereitung von Speisen? Führte die Kontrolle des Feuers schnell zum Kochen oder fand dies verzögert statt? Für ein schnelles Erlernen des Kochens spräche den Forschern zufolge, wenn bereits die letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Affe die für das Kochen elementaren Fähigkeiten besaßen. Um dies zu klären, konfrontierten sie Schimpansen - die zu den engsten Verwandten des Menschen zählen - mit neun verschiedenen Tests.

Während der Versuche saßen die Schimpansen, die selbst entscheiden konnten, ob sie mitmachen mochten oder nicht, dem Versuchsleiter an einem Tisch gegenüber. Durch Zeigen oder Berührung konnten sie jeweils eine bestimmte Option wählen. In den ersten Experimenten stellten die Forscher fest, dass die Tiere lieber gekochte als rohe Süßkartoffeln fressen. Dies war auch dann der Fall, wenn die Schimpansen auf die gekochte Nahrung warten mussten und vor die Wahl gestellt wurden: Ein Stückchen rohe Süßkartoffel sofort - oder lieber drei gekochte Stückchen etwas später?

In weiteren Versuchen arbeiteten die Wissenschaftler mit einer Art Herd und einer Kontroll-Box. Bekamen die Schimpansen ein Stück rohe Süßkartoffel oder Möhre und zeigten auf den "Herd", legte der Versuchsleiter das Essen dort hinein und schüttelte das Behältnis zehn Mal. Heraus kam ein gekochtes Stück Süßkartoffel oder Möhre.

Der Trick dabei war ein doppelter Boden, in dem zuvor ein gekochtes Stück versteckt worden war. Bei der Kontroll-Box hingegen kam jeweils das gleiche Stück Futter heraus wie hineingelegt worden war. Die meisten Schimpansen entschieden bei diesen Versuchen, ihre Nahrung in der Herdattrappe zubereiten zu lassen - und nicht in die Kontroll-Box zu legen oder sie sofort zu fressen.

Weitere Experimente zeigten, dass die meisten Schimpansen verstanden, dass nur rohe Lebensmittel in der Box "verwandelt" wurden, nicht jedoch eine bereits gekochte Süßkartoffel oder ein Stück Holz. Die Affen waren zum Teil bereit, ihre Nahrungsmittel in das "Koch-Gerät" zu tragen, wenn es in der anderen Ecke des Raumes stand. Einige warteten sogar bis zu drei Minuten, bis ein Versuchsleiter die Box in den Raum brachte - statt dem Drang, das Futter zu fressen, sofort nachzugeben.

Insgesamt zeigten die Ergebnisse der Tests, dass Schimpansen viele der für das Kochen notwendigen Fähigkeiten mit uns teilen, schreiben die Autoren. Die Tatsache, dass die Tiere nur sehr wenig Zeit hatten, sich den neuen Weg der Essens-Verarbeitung zu erschließen, und dies dennoch erfolgreich meisterten, weise darauf hin, dass das Kochen in der menschlichen Evolution früh auftrat.

Die Wissenschaftler weisen auch auf die Möglichkeit hin, dass Menschen vor der Kontrolle über das Feuer bereits natürlich vorkommende Feuerstätten zum Bereiten von Speisen genutzt haben könnten. Von Schimpansen (Pan troglodytes) sei zum Beispiel bekannt, dass sie nach Bränden gern geröstete Samen in dem Gebiet sammeln.

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