Akt aus dem Jahr 1866

Berühmtes Kunstwerk führt zu Facebook-Sperre

Paris - Im Jahr 1866 sorgte das Bild "Der Ursprung der Welt" des Malers Gustave Courbet für einen handfesten Skandal. 145 Jahre später führte es zur Sperrung des Facebook-Profils eine französischen Lehrers.

Der Mann hatte 2011 auf seiner Facebook-Seite den berühmten Akt Courbets (1819-1877) veröffentlicht, das ein weibliches Geschlecht zeigt. Sein Nutzerkonto wurde daraufhin gesperrt, woraufhin der Lehrer Facebook verklagte. Bei einer Gerichtsanhörung im Januar argumentierte eine Facebook-Anwältin, das Gericht sei nicht zuständig. Der Lehrer habe die Nutzungsbedingungen akzeptiert, die als Gerichtsstand Kalifornien vorsehen.

Das Pariser Landgericht wies diese Argumentation nun zurück. Dass das soziale Netzwerk in seinen Nutzungsbedingungen als Gerichtsstand den US-Bundesstaat Kalifornien angebe und rechtliche Auseinandersetzungen in anderen Ländern damit ausschließe, sei nicht zulässig. Der Konsument könne sich an die Justiz an dem Ort wenden, an dem er zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses oder des strittigen Vorgangs wohnhaft gewesen sei. In der Sache soll ab dem 21. Mai verhandelt werden.

Der Anwalt des Lehrers sprach von "einem ersten Sieg von David gegen Goliath". Das Urteil werde Grundsatzcharakter in anderen Rechtsstreitigkeiten mit US-Internetgiganten haben, die "dem französischen Gesetz entkommen wollen".

Mittlerweile lässt Facebook Akt-Kunst zu - mit Ausnahmen

Facebook wollte das Urteil zunächst nicht kommentieren, betonte aber, inzwischen hätten sich seine "Standards" weiterentwickelt. Kunstwerke, die Nacktszenen abbildeten, könnten auf Facebook veröffentlicht werden. Fotografien seien davon aber ausgenommen.

Die Entscheidung des Pariser Landgerichts kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem die französische Regierung nach neuen Möglichkeiten sucht, gegen Hass-Botschaften, etwa dschihadistische Propaganda, auf sozialen Netzwerken vorzugehen. Dabei steht auch zur Debatte, die US-Internetkonzerne dazu zu verpflichten, einen rechtlichen Sitz in Frankreich zu haben, damit ein mögliches juristisches Vorgehen erleichtert wird.

AFP

Rubriklistenbild: © dpa

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