Der Regen-Meister

Wasserfestspiele mit Porsche

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Kraftpaket Porsche 911 4S: Unser Autor versuchte mal, seine Grenzen auszuloten.

Im Westen Deutschlands, nahe der holländischen Grenze, stehen Regen-Festspiele auf dem Programm. Es schüttet wie aus Eimern. Das Aldenhoven Test Center bei Jülich – ein Wasser-Funpark.

Aber ohne Schwimmreifen und Flossen, sondern auf vier Rädern. Porsche hat zur Sportwagen-Experience geladen. Wir lassen es trotz widriger Umstände krachen. Um am Schluss eine Erfahrung der ganz besonderen Art zu machen.

Kaum zu glauben, was so ein allradgetriebener 911 4S noch an Kraft auf die beinahe geflutete Fahrbahn bringt. Auf dem Handlingkurs, beim Ausweichen, aber auch bei der Vollbremsung: Schnurgerade lässt sich das Sportgerät derart heftig verzögern, dass der Beifahrer ganz weiß im Gesicht wird. Und dann der Launch-Control-Start – für sensible Piloten eine echte Herausforderung, weil dabei die Maschine arg gequält wird: Linker Fuß auf der Bremse, rechter voll auf dem Gaspedal, bis in den Drehzahlbegrenzer – und dann die Bremse schnalzen lassen.

Mit vier Rädern im Wasser-Funpark

Was dabei passiert, fühlt sich an wie ein brutaler Tritt ins Kreuz. Knapp unter vier Sekunden dauert auf diese Weise der Sprint auf 100 Sachen. Dank Allrad ist dabei von dem vielen Wasser auf der Bahn praktisch nichts zu spüren.

So, jetzt haben wir die Einzeldisziplinen durch, nun kommt das abschließende Gesamtkunstwerk, eine wahre Regenschlacht auf dem Handlingkurs. Schöne, enge Radien, kurze Geraden, die Strecke ist auch im trockenen Zustand nicht ganz ohne. Jetzt also die verschärfte Form, die Nassvariante. Jede Zehntelsekunde, die am Kurvenausgang zu früh beschleunigt wird, quittiert der 911 4S mit einem deutlich spürbaren Zucken um die Längsachse. Runde um Runde versuchen wir, das Tempo zu erhöhen, ohne ins Schlingern zu geraten. Und siehe da: Es funktioniert! Übung macht zwar noch nicht den (Regen-)Meister, aber der Fortschritt ist deutlich. Wobei man zugeben muss: Der 911, den Porsche mittlerweile in 15 Varianten und als Coupé, Cabrio und Targa anbietet, macht es einem dank seiner elektronisch unterstützten Ausgewogenheit ziemlich einfach.

Nur als Beifahrer durften wir erleben, was 887 Hybrid-PS mit einem knapp 1,7 Tonnen leichten, zweisitzigen Supersportwagen anstellen. Denn Porsche ließ nur einen Profi ans Steuer des 918 Spyder, dessen Auflage von nur 918 Stück schon weitgehend verkauft ist. Der Wagen glänzt, erleichtert durch das „Weissach-Paket“ genannte firmeninterne Abspeck-Programm, mit einer Sprintzeit von 2,6 Sekunden, in 6,7 Sekunden ist er auf 200 und in unter 20 Sekunden auf 300 Sachen.

So ganz konnten wir das leider nicht vom Beifahrersitz aus miterleben – die Nässe wieder! Aber was beim Launch-Control-Start trotz ungünstiger Umstände abgeht, ist trotzdem ein Hammer. Und sogar die rein elektrische Beschleunigung durch die zwei E-Motoren vorne und hinten stellt viele „Normal-Autos“ weit in den Schatten.

Aber auch beim Preis ist der 918 Spyder ganz weit vorn. 768.026 Euro, mit Weissach-Paket 839.426 Euro sind eine anständige Ansage. Für den Gegenwert des passgenauen Koffer-Sets (17.731 Euro) gibt es locker einen guten Gebrauchten. Der schafft dann aber wiederum nicht Tempo 345. Der 918 Spyder schon.

Gregor Rudolph

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