Raubtier in der Kompaktklasse

Jaguar XE: Er kurvt nicht, er carvt!

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Kurzes Heck, kräftige Schultern. Der XE hat ein knackiges Design. Einen Kombi wird es leider nicht geben.

Der neue Jaguar XE ist das neue Raubtier in der Kompaktklasse. Der feine Brite will ab dem 13. Juni die Mittelklasse aufmischen. So fährt sich der Jaguar XE.  

Ob das Absicht war? Genau in der Woche, in der BMW das 40. Jubiläum seines 3er-Bestsellers in München feiert, bringt die britische Raubtiermarke Jaguar mit seinem XE (Basispreis: 36.450 Euro) ein Modell an den Start, das in der gehobenen Mittelklasse wildern will. Nach dem höchst erfolgreichen Launch der Mercedes C-Klasse wird es immer enger im Premium-Segment der Kompakten. Wir haben den Herausforderer schon getestet.

Solche Superlative kennen nur die Engländer: Das erste komplett neu entwickelte Auto aus dem Vereinigten Königreich mit einem komplett neu entwickelten Motor seit 25 Jahren. Das ist der XE. Und das sind die technischen Höhepunkte:

Die Karosserie besteht zu 75 Prozent aus Aluminium (Gesamtgewicht: 251 Kilogramm, cw-Wert 0,26), ein Spitzenwert in dieser Klasse. Extrem leicht ist auch das Handling nicht zuletzt wegen der günstigen Gewichtsverteilung von 50 zu 50, ein wirklich ausbalanciertes Auto!

Antrieb, Fahrwerk & Lenkung Jaguar XE

Wie der 3er BMW, der Urvater des Segments, ist der XE eine per Sechsgang-Schalter oder per Achtgang-Automatik im Heck angetriebene Limousine. Aber was für ein Fahrwerk! Spielerisch ist schon fast eine Untertreibung, wenn man beschreiben will, wie locker und leicht der XE durch die Kurven hetzt und heizt. Der Jaguar kurvt nicht, er carvt. Die Lenkung ist direkt und spielerisch. Während man beim Straßenslalom jederzeit das Gefühl hat, den Jaguar im Griff zu haben, lenkt sich der XE auf der Autobahn so leicht, also ob jemand anderes am Steuer säße.

Motoren

Zwei völlig neu entwickelte Zwei-Liter-Turbodiesel aus der sogenannten Ingenium-Reihe mit 163/180 PS (Drehmoment 380/430 Nm). Der Kleinere davon soll ein Verbrauchswunder sein mit 3,8 Litern pro 100 Kilometer und einem co2-Wert von 99g/km.

Bei flotter Fahrweise, provoziert vom kernigen 180-PS-Motor, verbrauchten wir im Test 5,8 Liter. Sehr anständig! Daher wird es kein Wunder sein, wenn Jaguar – wie prognostiziert – von einem Absatz von 85 bis 90 Prozent bei den XE-Diesel-Modellen ausgeht. Schade, denn daneben gibt es zwei äußerst agile Turbo-Benziner mit 200 und 240 PS und das bereits aus dem F-Type bekannte Urviech, der V6-Kompressor mit 340 PS und einer Beschleunigung von 5,1 Sekunden von 0 auf 100 (ab 54 600 Euro).

Assistenzsysteme im Jaguar XE

Das neue Jaguar All Surface Progress Control (ASPC) ist ein Fahrmodus bis zu Tempo 30, eine voll automatische Traktionskontrolle (da hat doch die Erfahrung der Offroad-Marke Land Rover Pate gestanden) für alles, was glitschig ist: Schnee, Eis, Regen. Nur über die Cruise Control die Geschwindigkeit angeben, den Rest erledigt der Computer von alleine. Nur lenken muss der Fahrer noch und schon geht es mit maximaler Traktion und Grip über das rutschige Gelände.

Stereo-Kamera

Ein bisschen S-Klasse darf schon sein, mit dieser Technik, hinter dem Rückspiegel versteckt, verschafft sich der XE quasi ein 3-D-Bild vom vorausfahrenden Verkehr (bis zu 100 Meter), hält Abstand, beschleunigt und leitet bis Tempo 80 eine Notbremsung ein.

Design

Edles Cockpit mit Rivaspange: Auch hier hat Jaguar bei der Qualität aufgeholt.

Der preisgekrönte Jaguar-Design-Chef Ian Callum beschreibt sein neuestes Baby so: „Wir wollten ein Gefühl starker Bewegung erzeugen und haben dem XE daher ein kompromisslos dynamisches und schnörkelloses Design verpasst.“ Und so sieht er wirklich aus: ein kurzes Heck, knackige Po-Backen, kräftige Schultern. Die Silhouette des legendären E-Types hat hier wie beim F-Type auch Modell gestanden.

Eine Besonderheit im Innenraum ist neben einer deutlichen Aufwertung durch bessere Materialien die sogenannte Riva­spange, benannt nach den berühmten Sportbooten vom Gardasee. Ähnlich wie der rundum laufende Spritzschutz der Edel-Yachten endet die Cockpitspange nicht an den Türen, sondern läuft elegant erst in den Türrahmen aus. Das gibt einem sofort das Gefühl, alles im Griff zu haben.

Fazit

Der Jaguar XE ist ein flotter Newcomer, zu Recht im Premium-Segment angesiedelt, technisch auf Augenhöhe mit der Konkurrenz und ein fahrdynamisches Spaßmobil.

Der feine Brite: der neue Jaguar XE

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RDF

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