Hilfsdienste

Gelber Engel mit zwei Pedalen

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Vollbepackt: Das E-Bike für die gelben Engel, hat fast alles dabei, was auch die Straßenwacht-Autos an Bord haben. Nur Ersatzbatterien und ein Wagenheber gehören aus Gewichtsgründen nicht zur Ausstattung.

Der ADAC kommt künftig testweise auch mit dem Radl. Im Verkehrsgewühl von Großstädten kann ein E-Bike schneller beim Pannenfahrzeug sein als ein Auto.

München – Die Fahrzeugflotte der Gelben Engel wird vielfältiger. Nach zwei geländegängigen Quads für die oft unwegsamen Areale bei Großveranstaltungen testet der ADAC in Stuttgart und Berlin, ob Straßenwachtfahrer mit E-Bikes großstädtische Staus hinter sich lassen können. Das Projekt stellte gestern der Leiter der ADAC-Pannenhilfe, Thomas Reynartz, vor.

Dabei ist das schwere E-Bike mit der fast kompletten Straßenwacht-Ausstattung kein Leichtgewicht mehr. 70 Kilo bringen Radl und Anhänger auf die Waage. Dafür ist bis auf Wagenheber und Ersatz-Autobatterie alles dabei, was man bei Panneneinsätzen brauchen kann. Sogar als Diagnose-Computer kann der Tablet-PC, der am Radl-Lenker montiert ist, eingesetzt werden. Für 75 Prozent aller Einsatzfälle ist der Helfer am Radl gerüstet.

Dabei geht es meistens ums Anlassen des Motors bei leerer Batterie. Bis zu acht Fahrzeuge nacheinander kann der mobile Starthelfer wieder flott bekommen, bevor er selbst eine frische Ladung braucht.

An zweithäufigsten sind Autofahrer, sie sich aus dem Auto ausgesperrt haben. Auch für solche Fälle hat das Radl alles im Gepäck, was den Pechvögeln wieder Zugang zum eigenen Fahrzeug verschaffen kann. Natürlich gehört eine Grundausstattung mit Werkzeug auch zum pedalgetriebenen Straßenwacht-Gespann.

Alle acht Sekunden waren 2015 die 1753 Pannenhelfer des Autoclubs im Einsatz. Insgesamt fast vier Millionen Mal. Am häufigsten am 5. Januar. Da wurden 20 141 Einsätze gezählt. Insgesamt legten die Straßenwachtfahrer dabei 55 Millionen Kilometer zurück.

Noch eiliger hat es eine andere Notfalltruppe des ADAC: Die Luftrettung. Wenn die Hubschrauber mit dem Rufzeichen Christoph aufsteigen, geht es um Leben oder Tod. Herzinfarkt, Schlaganfall, Gehirnblutungen oder Unfallverletzungen – bei all diesen Diagnosen muss ein Patient so schnell wie möglich ins Krankenhaus. 54 062 mal waren die 33 Hubschrauber der Luftrettung 2015 im Einsatz. Dabei wurden 48261 Patienten versorgt – 1,7 Prozent mehr als 2014.

Manche dieser Einsätze können künftig wohl nicht mehr geflogen werden. Den der ADAC leidet an Pilotenmangel. Da trifft es sich äußerst schlecht, dass derzeit ältere Hubschrauberführer gesetzlich ins Aus befördert werden. Ab 60 dürfen die Piloten in ADAC-Diensten aufgrund einer europaweit gültigen Vorschrift nicht mehr ran. Einen Grund dafür – neben dem Alter – gibt es nicht. Dabei müssen sich Berufspiloten bereits ab 40 Jahren alle sechs Monate von einem Fliegerarzt auf ihre Tauglichkeit durchchecken lassen. Auch Studien haben nachgewiesen, dass von älteren Piloten keine Gefahr ausgeht. Dabei wäre Frédéric Bruder, Chef der ADAC-Luftrettung, durchaus zu strengeren medizinischen Maßstäben für ältere Piloten bereit. Bislang ohne Erfolg. 15 000 erfolgreiche Einsätze der vergangenen zehn Jahre dürften nach heutigen Maßstäben aus Altersgründen nicht mehr geflogen werden.

Dabei tun die Behörden wenig, um wirklich fluguntaugliche Piloten aus dem Cockpit fernzuhalten, ärgert sich Bruder. So flog einer noch ein halbes Jahr weiter, obwohl er keinen Pilotenschein mehr hatte. Die Behörden hatten dem Arbeitgeber aus Datenschutzgründen den Lizenz-Entzug nicht mitgeteilt.

Bei der Hubschrauberflotte steht eine grundlegende Erneuerung an: 17 der betagteren Hubschrauber werden bis 2018 durch die aktuellen Airbus-Modelle H135 und H145 ersetzt.

Auch die dritte Säule der ADAC-Hilfsdienste ist auf Wachstumskurs: Der Ambulanzdienst hat 2015 rund 53 700 Reisende medizinisch betreut – 3,3 Prozent mehr als 2014 und so viele wie noch nie. 1400 Patienten wurden von den vier fliegenden Intensivstationen des Autoclubs aus dem Ausland zurücktransportiert.

Die größte der Maschinen, eine Dornier Do 328, kann bis zu zehn Patienten gleichzeitig aufnehmen. Die Rückholung der Patienten in die vertrauteren heimischen Krankenhäuser gehört zu den teuersten Dienstleistungen, die der ADAC im Angebot hat. Ein Rückflug aus Australien oder Asien kostet bis bis zu 130 000 Euro.

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